Speyer Ernteanpfiff für die Frühkartoffel

Beim Sortieren der Ernte: Johannes Zehfuß, Carina Wittmann (beide EZG), Schiedsrichter Markus Merk und Landwirt Heiko Ohlinger.
Beim Sortieren der Ernte: Johannes Zehfuß, Carina Wittmann (beide EZG), Schiedsrichter Markus Merk und Landwirt Heiko Ohlinger.

Stilecht mit Trillerpfeife und Fußballschuhen: So hat der bekannte frühere Fußballschiedsrichter Markus Merk gestern Morgen in Rödersheim-Gronau auf einem Kartoffelacker des Landwirts Heiko Ohlinger die Erntesaison der Pfälzer Grumbeere angepfiffen. 100.000 Tonnen davon möchte die gleichnamige Erzeugergemeinschaft (EZG) dieses Jahr wieder ernten und bundesweit in die Supermarktregale bringen.

„Die haben schon manchen Kartoffelacker überstanden, das ist jetzt aber der erste richtige“, sagt Markus Merk über seine Fußballschuhe von der Weltmeisterschaft 2006. Die schnürt er gerade, um sich damit im strömenden Regen aufs Feld hinaus zu begeben und die ersten Pfälzer Grumbeere als deren neuer Markenbotschafter selbst zu ernten. Angebaut hat sie Landwirt Heiko Ohlinger, der selbstverständlich mit von der Partie ist. Eigentlich sollte der dreimalige Fifa-Welt- und siebenmalige DFB-Schiedsrichter des Jahres auf dem Roder Platz nehmen. Doch für das tonnenschwere Erntefahrzeug ist der Boden aufgrund des vielen Regens viel zu sehr aufgeweicht. Für Merk ist das kein Problem: Wetterfest und bodenständig musste er auch schon während seiner Karriere als Unparteiischer immer wieder sein. Diese Eigenschaften hat er offensichtlich seither nicht eingebüßt. Und für Pfälzer Grumbeere – heute von der Sorte Sunita – macht er sich gerne auch mal die Hände schmutzig. Denn für die Marke zu werben, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Der heimischen Frühkartoffel könnten die Menschen beim Wachsen zusehen, der Erzeugergemeinschaft und ihrem Vorzeigeprodukt vertrauen: „Von welchem anderen Lebensmittel kann man das heutzutage noch behaupten?“, fragt Merk rhetorisch in die Runde. 100.000 Tonnen soll die Ernte der Mitgliedsbetriebe dieses Jahr wieder einfahren, zu Spitzenzeiten 3000 Tonnen täglich. „Das entspricht 120 Lkw-Ladungen“, verdeutlicht der EZG-Vorsitzende Georg Riede. Obwohl der Lebensmittelhandel gerne mit frischen regionalen Produkten werbe, sei es nicht selbstverständlich, dass er diese auch in sein Sortiment aufnehme. Manchmal erhielten billigere Erzeugnisse, mitunter aus dem Ausland, den Vorzug. Deshalb appelliert Riede an die Verbraucher und beschwört deren Macht: „Führt Ihr Händler keine Pfälzer Grumbeere, fragen Sie ihn danach.“ Den qualitativen Unterschied schmecke man, ergänzt der Markenbotschafter. Einen weiteren Vorteil der Pfälzer Grumbeere sieht er in ihrer Vielseitigkeit: „Sie passt zur deftigen Küche unserer Region ebenso wie zur Haute Cuisine.“ Ihn als Urpfälzer begleite sie zudem schon seit der Kindheit. Selbst bei heutigen Familientreffen serviere seine Mutter die beliebte Kartoffel regelmäßig: als Gequellte mit weißem Käse. Darüber hinaus hat Merk für die Gäste des offiziellen Saisonstarts eine flüssige Überraschung im Gepäck: Grumbeer-Bier. Das haben seine Frau Sabine und er in der eigenen Scheunenbrauerei hergestellt. Die Stärke der Pfälzer Kartoffeln, wirbt er, bringe Hopfen und Malz perfekt zur Geltung, dazu komme – typisch Pfalz – ein ehrlicher Unterton. „Ein bisschen knollig schmeckt’s auch und ist im Abgang lieblich“, erklärt der frühere Zahnarzt. Selbst die verwendete Hopfensorte passe ebenfalls perfekt zur Pfälzer Grumbeere. Welche Sorte genau zum Einsatz kam, sei und bleibe jedoch Betriebsgeheimnis. Die Idee zu dem ungewöhnlichen Getränk ist zufällig entstanden, bei einem Treffen im Frühjahr. Er habe spaßeshalber laut darüber nachgedacht, ob sich aus Kartoffeln auch ein Bier brauen lässt, erzählt EZG-Sprecher Björn Wojtaszewksi. „Drei Tage später rief Dr. Merk an und sagte: ,Es geht!’“, verrät er. Das Ergebnis dürfen die Auftaktgäste nun verköstigen, und den Mienen zufolge scheint es durchaus zu munden.

Ganz schön laut: Markus Merks Anpfiff. Georg Riede, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Pfälzer Grumbeere, zuckt zusammen.
Ganz schön laut: Markus Merks Anpfiff. Georg Riede, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Pfälzer Grumbeere, zuckt zusammen.
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