Speyer „Er hätte dazu schon veröffentlicht“

Vorsitzender der Becher-Gesellschaft: Peter Zimmermann.
Vorsitzender der Becher-Gesellschaft: Peter Zimmermann.

Die Johann-Joachim-Becher-Gesellschaft (JJBG) Speyer startet am Donnerstag, 1. Juni, den Vortragszyklus zum Thema Arbeit 4.0. Mit dem Angebot soll eine Debatte in Speyer angestoßen werden. Referent beim Auftakt an der Universität Speyer ist der Wissenschaftler Detlef Zühlke (Kaiserslautern). Er spricht über Industrie 4.0. Stefan Keller hat den Vorsitzenden der Gesellschaft, Peter Zimmermann, gefragt, warum das Thema gewählt wurde und ob der Multigelehrte Becher den Vortrag besuchen würde.

Herr Zimmermann, die Becher-Gesellschaft bleibt ihrem Namensgeber treu – immer Neues ausprobieren und für alles offen. Oder wie sind Sie auf das Thema Industrie 4.0 gekommen?

Auftrag der Johann-Joachim-Becher-Gesellschaft ist es seit ihrer Gründung 1991, so steht es im Leitbild, den Austausch von Wissen und Rat zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie, Politik und Verwaltung zu pflegen sowie an der Umsetzung von daraus gewonnen Erkenntnissen mitzuwirken. Digitalisierung der Arbeitswelt ist ein relevantes Thema. Sie wird gravierende Veränderungen für uns alle in nahezu allen Bereichen hervorrufen. Wir stecken schon mittendrin. Entsprechend dem Leitbild wollen wir möglichst die gesellschaftliche Diskussion darüber fördern. Deshalb unser Angebot. Sie steigen gleich groß ein. Mit Detlef Zühlke steht schon ein prominenter Name zum Auftakt da und dann ist ein ganzer Vortragszyklus geplant. Steht schon endgültig fest, wer noch kommt und in der Reihe Vorträge hält? Wir versuchen, verschiedene Aspekte des Themas zu beleuchten, unterschiedliche Zugänge dazu zu finden und Konsequenzen aufzuzeigen. Zühlke kommt aus der Forschung. Wenn das Angebot angenommen wird, sollen Vorträge aus dem Bereich Industrie und weiterer gesellschaftlich relevanter Gruppen wie Kirchen, Gewerkschaften, Politik folgen. Wir planen etwa alle sechs Monate einen Vortrag. Wie kam der Kontakt zum Referenten Zühlke zustande? Letztlich über persönliche Kontakte unserer Mitglieder. Wir vom Vorstand freuen uns, dass mit Zühlke ein Experte und weltweit gefragter Referent gewonnen werden konnte. Wer hat das Ganze in der Becher-Gesellschaft geplant und organisiert? Der Vorstand, dem neben mir meine Stellvertreter, der Geschäftsführer der PQ-Unternehmensberatung, Uwe Büchner, der Geschäftsführer der Stadtwerke, Wolfgang Bühring, Oberbürgermeister Hansjörg Eger sowie Schatzmeister Konrad Reichert angehören. Der Beirat und die Becher-Stiftung sind eingebunden. Wen wollen Sie mit den Vorträgen erreichen? Jeden Interessierten laden wir herzlich ein: Es ist ein öffentlicher Vortrag. Darüber hinaus wurden verschiedene gesellschaftliche Gruppen von Politik und öffentlicher Verwaltung über Industrie und Handel bis hin zu Serviceclubs, Kirchen, Schulen mit Oberstufe direkt angesprochen. Es freut uns, dass unter den ersten Anmeldungen bereits ein Oberstufenkurs ist. Braucht jemand bestimmte Vorkenntnisse oder muss es gar Physiker und Mathematiker wie Sie sein, um die Vorträge zu besuchen? Nein, gerade das Gegenteil ist unsere Intention. Wir wollen eine möglichst breite Debatte über das wichtige Thema erreichen. Ist es das erste Mal, dass die Becher-Gesellschaft so massiv an die Öffentlichkeit geht und ihre Arbeit publik macht? Die Becher-Gesellschaft ist ja entstanden als eher kleiner Diskussionszirkel, der mit der Zeit deutlich größer wurde. Regelmäßig gibt es Treffen mit Vorträgen, darüber hinaus finden öffentliche Veranstaltungen wie Symposien statt. Die Becher-Gesellschaft unterstützt unter anderem finanziell die Auslobung und Vergabe des wissenschaftlichen Johann-Joachim-Becher-Preises durch die Becher-Stiftung und fördert derzeit die Restaurierung eines historisch wertvollen Buches von Johann Joachim Becher. Außerdem gibt die Becher-Gesellschaft seit 1991 eine Schriftenreihe heraus, in der Beiträge aus Veranstaltungen, Foren, Seminaren veröffentlicht werden. Unregelmäßig erscheinen dort Sonderveröffentlichungen. Glauben Sie, dass Johann Joachim Becher, würde er heute leben, zu dem Vortrag von Zühlke käme? Er würde nicht nur ganz bestimmt kommen, er hätte zu dem Thema ganz sicher selbst schon veröffentlicht. Der Vielfach-Gelehrte und Forscher Becher hatte vier Schwerpunkte seiner Arbeit: politische Wirtschaftslehre, also sein Merkantilismus, Bildung als Grundlage der Erziehung, Staatslehre und Medizin. Becher würde in der Diskussion über Arbeit 4.0 ganz vorne dabei sein. Was wird das Thema nach dem Zyklus „Industrie 4.0“? Darüber entscheiden wir, wenn drei Viertel der aktuellen Reihe vorbei sind und wir die Resonanz darauf bewerten können. Wir sind selbst ganz gespannt auf den Auftakt. Termin & Anmeldung — Vortrag Detlef Zühlke: Industrie 4.0 – Revolution oder Evolution?“ Donnerstag, 1. Juni, 18 Uhr, Aula der Universität für Verwaltungswissenschaften (Eingang Ecke Dudenhofer Straße/Freiherr-vom-Stein-Straße) —Anmeldung: Konrad Reichert, Ludwigstraße 52, Ludwigshafen, E-Mail gesellschaft@johann-joachim-becher.de Zur Sache Die Johann-Joachim-Becher-Gesellschaft trägt den Namen des 1635 in Speyer geborenen und aufgewachsenen Vielfachgelehrten. Gegründet wurde sie 1991 mit dem Ziel, den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Gesellschaft und Politik zu fördern den Transfer in konkrete Projekte zu unterstützen. Seit Dezember ist Peter Zimmermann, früherer Rektor des Gymnasiums am Kaiserdom, promovierter Mathematiker, Physiker und Informatiker (65) Vorsitzender.

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