Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ehemaliges Stiftungskrankenhaus: Bereit für Bezug durch 60 Flüchtlinge

Raum für zwei Bewohner: früheres Krankenzimmer renoviert und neu möbliert.
Raum für zwei Bewohner: früheres Krankenzimmer renoviert und neu möbliert.

Fragen und Antworten: Nach dem Birkenweg in Speyer-Nord und der Engelsgasse nimmt die Stadt eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Betrieb: Ein Stockwerk im früheren Stiftungskrankenhaus ist dafür renoviert worden. Warum es mehr geworden ist als zunächst geplant und wie es nun weitergeht.

Warum wird das „Stift“, ein ehemaliges Krankenhaus, als Gemeinschaftsunterkunft benötigt?
Knapp 200 Plätze sind derzeit im städtischen Gemeinschaftsquartier im Birkenweg belegt, gut 70 in dem in der Engelsgasse. Am 4. und 11. April werden nochmals Personen dem Birkenweg zugewiesen, dann sind die zwei Häuser dort voll, erklärt Michael Spieß, Abteilungsleiter Sozialhilfe der Stadtverwaltung. Von den elf für die Woche nach Ostern angekündigten Schutzsuchenden kämen vier in die neue Unterkunft in der Spitalgasse. Die Anzahl der Zuweisungen an die Stadt sei deutlich gestiegen, so Spieß. Derzeit werde von fünf Personen pro Woche ausgegangen. Eine Prognose dazu sei zwar zuletzt gesenkt worden, berichtet Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD): „Aber wir müssen für alles vorbereitet sein.“ Dass das „Stift“ ausgewählt wurde, hat damit zu tun, dass es seit zwei Jahren nicht mehr als Klinik genutzt wird, dass es einer Stadtstiftung gehört und dass über seine künftige Verwendung noch nicht entschieden ist. Ein mehrjähriger Beteiligungs- und Planungsprozess (www.speyer.de/stiftungskrankenhaus) läuft erst an.

Zufrieden mit der neuen Gemeinschaftsunterkunft (von links): Stefanie Seiler, Michael Spieß, Monika Kabs.
Zufrieden mit der neuen Gemeinschaftsunterkunft (von links): Stefanie Seiler, Michael Spieß, Monika Kabs.

Wie ist das Gebäude für die neue Nutzung vorbereitet worden?
Die Arbeiten in den vergangenen drei Monaten – rund 80.000 Euro teuer – sind laut Stadt größer ausgefallen als zunächst geplant: Anstelle eines Flügels mit 20 Plätzen sind in allen drei Gebäudeteilen das zweite Obergeschoss ausgebaut worden, um in 30 Zimmern 60 Flüchtlinge aufnehmen zu können. „Innere Station“ steht noch an der Glastür, durch die Ilona Bast, Leiterin des Gebäudemanagements, in einen der Räume führt. Zwei Betten und ein Tisch wurden hineingestellt. Der Einbauschrank steht noch vom früheren Krankenzimmer zur Verfügung. Jeweils zwei Zimmer sind durch ein neu ausgestattetes Bad verbunden. Wände wurden gestrichen, beim Brandschutz wurde nachgebessert und pro Flügel eine Gemeinschaftsküche eingerichtet. Das Dach wurde laut Bast eher provisorisch abgedichtet. Das Mobiliar in den Räumen sei deckungsgleich mit dem in der Unterkunft im Birkenweg, aber die Ausstattung mit Einzel- statt Gemeinschaftsbädern im Vergleich mit Speyer-Nord komfortabler.

Wie wird der Betrieb laufen?
Die Zimmer werden nach und nach bezogen. Die soziale Betreuung der Bewohner werden laut Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) zwei Mitarbeiterinnen übernehmen, die zusätzlich in der Engelsgasse eingesetzt sind. Zwei Sicherheitsdienst-Mitarbeiter werden nachts von 19 bis 7 Uhr vor Ort sein, so Abteilungsleiter Spieß. Die Innen- und Außenbereiche seien ausreichend groß auch für Kinder. Gegenseitige Rücksichtnahme werde gegebenenfalls angemahnt. Weitere Nutzer des Gebäudes sind im ersten Stock Mitarbeiter der städtischen EDV-Abteilung; für das Erdgeschoss des Stifts ist eine Einheit des Johanniter-Rettungsdienstes angekündigt.

Und wenn auch diese Plätze belegt sind?
Das könnte gegen Ende des Sommers der Fall sein, und dann kommen Container. Momentan läuft laut OB Seiler die Prüfung, an welchem Standort im Stadtgebiet damit begonnen wird. Das könnte ein zusätzliches Potenzial von 150 Plätzen ergeben. Sie werde noch vor Sommer den Stadtrat damit befassen, so Seiler. Betroffene Nachbarn sollten gut informiert werden. Für die fernere Zukunft blieben Ungewissheiten: über die Anzahl der Flüchtlinge, aber auch über die für deren Unterbringung zur Verfügung stehenden Gebäude. Das frühere Kinderheim in der Engelsgasse werde weiterhin genutzt, sei aber baulich marode. Die Sanierung könne die Stadt dem Bistum als Eigentümer jedoch nicht abnehmen. Das Stift sei wohl nur für fünf bis sechs Jahre verfügbar.

Welche Konsequenzen zieht die Stadt daraus?
OB Seiler leitet aus den Aufnahmeproblemen einen Appell ab: „Wir müssen uns bundes- und europaweit ehrlicher machen, inwieweit bisher Integration gelungen ist.“ Sie beziehe das gerade auf die Wohnsituation. Bis heute lebten in der Engelsgasse und im Birkenweg schon 2015 Geflüchtete, die längst bei Amazon, bei der Post oder im Daimler-Logistikzentrum arbeiteten, jedoch keine eigene Wohnung fänden. So fehlten wiederum Wohnungen für Neuzugänge. Die Städte gelangten an Kapazitätsgrenzen, zumal Fluchtursachen fortdauerten.

Frisch hergerichtet: Jeweils zwei Zimmer teilen sich ein Bad.
Frisch hergerichtet: Jeweils zwei Zimmer teilen sich ein Bad.
x