Römerberg
E-Sport: Stürzebecher gewinnt Qualifying
Zunächst stand eine Paarung auf dem Programm, in der die Kontrahenten gegen einen Verein aus der Region antraten. Bei Stürzebecher war das zufällig Bruder Marc, der für den ASV Harthausen meldete. Es gab ein Hin- und Rückspiel. Eins gewann sein Bruder. Das andere ging an den TuS-Akteur.
Aufgrund des Torverhältnisses gingen die Punkte nach Mechtersheim. Nach dem ersten regionalen Duell spielten dann immer die in der Tabelle benachbarten Teams gegeneinander, um einen möglichst ausgeglichenen Modus stattfinden zu lassen. Stürzebecher entschied alle Duelle für sich und steht somit an der Tabellenspitze.
Zunächst meldete sich Stürzebecher nur an, um sich im Lockdown die Zeit zu vertreiben. „Ich habe dann früh gemerkt, dass viel mehr drin ist“, erklärt er. Überraschend ist, dass der Harthäuser die E-Sport-Versionen FIFA 17, 18, 19 und 20 aus schulischen Gründen erst gar nicht spielte. „Corona hat mich zurück an die Konsole gebracht“, sagt er.
Studium first
Unter der Woche beschäftigt er sich vor allem mit seinem Studium: „Am Wochenende spiele ich mehr. Da versuche ich in der Weekend League in 30 Spielen so viele Siege wie möglich zu holen“, erklärt der Harthäuser. Zuletzt schaffte er 27 Siege.
Denkt er denn eigentlich an ein Engagement im professionellen E-Sport? „Dafür ist meine Performance in der Weekend League zu schlecht. Die Profis gewinnen da regelmäßig 30 Mal.“
Genau wie diese Spiele übertrug Stürzebecher auch die Partien in der Liga des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV) auf der Streaming-Plattform „twitch“ unter seinem Namen stuerze01. „Eigentlich mache ich das nur für meine Freunde, damit sie mir zuschauen können“, erläutert er seine Beweggründe.
Kein Ersatz
Für ihn ist klar, dass das Spiel am Bildschirm den realen Fußball nicht ersetzt: „Das ist Zeitvertreib. Ich habe einfach nichts Besseres zu tun. Nach meinem Schlüsselbeinbruch gegen den FV Heiligenstein lag ich nur rum.“ Von diesem erholte er sich mittlerweile wieder weitestgehend.
Große Vergleiche zum Kicken auf dem Platz kann er bei FIFA nicht ziehen: „Ich habe an der Konsole weniger Einfluss auf das Spiel, bin deshalb emotionaler. Die Aktionen werden nicht so schnell ausgeführt, wie ich das will. Manchmal treibt mich das zur Weißglut.“ Auf dem Platz sei der von Sven Fischer trainierte Abwehrspieler eher ein ruhiger Akteur.
Nach Bayreuth
Eine schlechte Erfahrung machte er in den Aufeinandertreffen beim SWFV: „Einmal wurde ich vom Spieler der SpVgg Glanbrücken beleidigt. Für mich war das unerklärlich. Ich glaube, er hat sich über die Art und Weise der späten Niederlage aufgeregt.“
Sein Betriebswirtschaft-Studium in Bayreuth will er vor Ort aufnehmen, wenn die Online-Vorlesungen enden und wieder Präsenzveranstaltungen laufen. „Ich habe fest vor, auch dort Fußball zu spielen. Ich bin bereit und warte darauf, dass es endlich los geht. Mitte Februar schreibe ich Klausuren in Bayreuth.“ Eine Wohnung in Franken hat er schon.
Zur Sache: Der Modus
Die Spiele gingen im sogenannten „90er-Modus“ über die Bühne. Das bedeutet, dass alle Mannschaften gleich stark sind und die Teilnehmer durch die Auswahl bestimmter Mannschaften keine Vor- oder Nachteile haben. Die Vereine können einen Spieler stellen, so wie im Fall von Stürzebecher und TuS Mechtersheim.
Es ist auch möglich, dass mehrere Spieler für einen Klub antreten und sich bei den Partien abwechseln. Nach Bekanntgabe der Paarung machen die Akteure unter sich einen Termin für die beiden Begegnungen aus. Insgesamt bestritten sie acht Runden. 90 Mannschaften aus dem gesamten SWFV-Gebiet nahmen teil.