Fussball
Dudenhofener Felix Brand schaut Spiel seines Klubs gegen seine große Fanliebe zu Hause
Dabei lief vorher alles so richtig rund im Fußballleben von Felix Brand. Er fing mit sieben, acht Jahren an mit dem Fußballspielen, kickte in der Jugend beim FV Dudenhofen, wechselte dann zur JSG Römerberg, und sein Talent wurde schnell entdeckt. Schon bevor er zur U12 der TSG Hoffenheim kam, trainierte er zusätzlich einmal pro Woche in Hoffenheim.
Obwohl sein Herz für die Roten Teufel schlug. „Ich war ein riesengroßer Lauternfan“, gibt er zu. „Als ich elf, zwölf Jahre alt war, hatte ich eine Dauerkarte, und ich war immer im Stadion mit meinem Opa.“ Der Opa war es dann auch, der ihn nach Hoffenheim fuhr, wo er landete, weil die TSG fahrtechnisch am besten zu erreichen war.
Früh zum FCK
Dass ihr Junge Talent hatte, merkten Felix Brands Eltern schon früh, beziehungsweise sie bekamen es gesagt. Bis Felix kickte, waren sie mit Fußball wenig in Berührung gekommen. Sein Vater war Handballer, seine Mutter Leichtathletin. Als ihr Sohn elf war, wurden Hoffenheim, der FCK und Mainz auf ihn aufmerksam. Beim FCK hatte er auch ein Probetraining, „aber da kam dann nichts zustande. So weit wollte und konnte mich keiner fahren“, erzählt er heute. Bis zur U16 blieb er in Hoffenheim, ab der U17 war er bei Mainz 05, 2020 ging es weiter beim FC Astoria Walldorf II. Zu Saisonbeginn 2021 unterschrieb er einen Vertrag beim Oberligisten TuS Mechtersheim. Dann kam plötzlich ein Angebot des FSV Zwickau. Brand konnte sein Glück kaum fassen. Für die Mechtersheimer war es keine Frage, dass sie ihn ziehen ließen. So unterschrieb er vier Tage später beim Drittligisten.
Wegziehen war für den Abiturienten nicht das große Ding. „Ich kenne das. Das gehört zum Fußball dazu. Ich habe mit 15, 16 schon im Internat in Mainz gewohnt.“ Jetzt hatte er seine eigene Wohnung. Seine Eltern halfen ihm beim Umzug, und Felix Brand gewöhnte sich schnell ein. Er fand Freunde, verstand sich vor allem mit den anderen jungen Fußballern gut, aber auch mit den älteren. „Das ist ein super Team, sind super Jungs, die einen schnell aufnehmen.“
Irgendeine Bewegung vor dem Waldhof-Spiel
Anfangs brauchte er noch ein bisschen, um sich umzustellen, aber dann lief es gut. Bis zu jenem Tag vor dem Abschlusstraining gegen Waldhof Mannheim. Er machte irgendeine Bewegung, und dann waren da Schmerzen, die nicht weggehen wollten. Mitte November wurde Felix Brand in Halle operiert. Für die Reha zog er zurück nach Dudenhofen, fährt jeden Tag nach Hoffenheim. „Ich kenne die Leute noch“, sagt er, und es ist auch rauszuhören, dass er einfach ein Familienmensch ist und gern wieder daheim im Elternhaus wohnt. Unter einem Dach mit seinen zwei Schwestern Anne (16) und Jule (19), für die Fußball ganz weit oben steht.
Jule, mit der er früher im Garten gekickt hat, hat ihn, was die Karriere betrifft, längst überholt. Sie spielte wie er beim FV Dudenhofen, bei den Juniorinnen und Jungs des FC Speyer 09, dann bei der Jugend der TSG Hoffenheim. Inzwischen ist sie im Frauenbundesligateam der TSG und mehrfache deutsche Nationalspielerin. Neid herrscht zwischen den beiden Geschwistern aber nie. „Ich bin als großer Bruder sehr stolz.“ Beiden besuchen gegenseitig ihre Spiele, auch die Eltern sind immer wieder dabei. Am häufigsten bei den Spielen ist aber Felix’ kleine Schwester Anne. Sie ist 16, macht ihr Abitur am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium in Speyer, und sie ist zum größten Fußballfan in der ganzen Familie geworden, obwohl sie seit Jahren kein Fußball mehr spielt.
Spiel ist Familiensache
Im Moment sieht sie ihren großen Bruder nur zu Hause, wenn er von der Reha kommt. Vier, fünf Stunden am Tag arbeitet er an seinem Comeback. „Ich bin jeden Tag da, meistens auch am Samstag, habe täglich Behandlung, mache danach mein Programm“, erzählt er, und es klingt nicht verbittert. „So ist Fußball“, sagt Felix Brand. Dass ein Knorpelschaden so ziemlich das Schlimmste ist, was einem Fußballer passieren kann, weiß er. Seine Ziele sind bescheiden: „Ich will wieder ohne Schmerzen auf den Platz zurückkommen. Ich bin überzeugt, dass ich da wieder hinkomme.“ Sein Ziel sei der 1. Juli.
Am Samstag schaut er seinem Team mit der Familie zusammen daheim in Dudenhofen zu. „Gegen den FCK, das ist schon was Besonderes. Die ganze Familie war schon immer Lauternfan.“
