Speyer
Dudenhofen/Hanhofen: Weniger Regen, weniger Pilze
An die 3000 überwiegend essbare Pilzarten gibt es in Wäldern und Wiesen auf deutschem Gebiet, viele davon auch im Speyerer Umland. Mit der Aufzeichnung des Bestands mehreren Sorten weist der Dudenhofener Naturforscher Erich Bettag nach, wie sich die klimatischen Veränderungen seit 1995 ausgewirkt haben.
„Der Klimawandel mit dem ab 2011/2012 ausbleibenden oder sehr mäßigen Frühjahrsregen macht sich bei Speisemorchel, Spitzmorchel, Hoher Morchel, normalen und Sommer-Steinpilzen besonders bemerkbar. Ihr Bestand ging zurück“, hat Bettag ermittelt. Unbeeindruckt vom ausbleibenden Regen sei offenbar der Pfifferling, jedenfalls „ist sein Bestand gleichbleibend“.
Die Beobachtungen machte der wegen der Erforschung von Schmetterlingen, Käfern, Bienen, Wespen und anderen Insekten mehrfach auszeichnete 83-jährige Dudenhofener, in seinem Berufsleben Mikroskopier-Analytiker bei der Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) in Speyer, stets an denselben Standorten im Dudenhofener und Hanhofener Wald.
Dort kommen, wie auch im Speyerer Stadtwald, die genannten Arten, dazu Maronen und Röhrlinge sowie die Krause Glucke am häufigsten vor. Bemerkenswert dabei: Der Pilz mit dem Doppelnamen braucht keinen Regen, er bezieht laut Bettag „seine Feuchtigkeit über die Wurzeln von Kiefern und anderen Nadelbäumen“.
Nils erklärt: Pilze sind mehr Tier als Pflanze
Bis ins 20. Jahrhundert war unbekannt, dass Pilze enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind. Das begründet die Wissenschaft unter anderem damit, dass Pilze nicht wie Pflanzen auf Photosynthese angewiesen sind. Pflanzen nutzen Licht, Wasser und Kohlendioxid, um daraus etwas Neues zusammenzusetzen: Glucose und Sauerstoff. Pilze ernähren sich von abgestorbenen pflanzlichen oder tierischen Überresten. Dadurch sind sie Tieren näher als Pflanzen, auch wenn sie etwas eigenes sind. Der größte bekannte Pilz und damit das größte Lebewesen der Welt ist ein Dunkler Hallimasch. In einem Naturschutzgebiet in den USA breitet er sich über rund 1000 Hektar aus. Das auf 600 Tonnen Gewicht geschätzte, überwiegend unterirdisch gedeihende Wesen soll fast 2000 Jahre alt sein.