Speyer Drei Kilometer Akten

Hier geht’s zur Schatzkammer: Am Jahresbeginn hat das Firmenarchiv der BASF neue Räume im Besucherzentrum bezogen. Erstmals sind Teile der Objektsammlung auch für die Öffentlichkeit zugänglich.
In der dritten Etage des Besucherzentrums befindet sich der Zugang zur „Schatzkammer“. Wie von Zauberhand öffnet sich eine Glastür. Dann geht es über einen 70 Meter langen gläsernen Steg entlang des Gebäudes zum Firmenarchiv. Hier warten in einer großen Vitrine verschiedene Produkte aus BASF-Materialien und aus der Firmengeschichte auf den Besucher. Bis hierhin ist der Zugang für Jedermann frei. Das eigentliche Archiv befindet sich eine Etage tiefer. Von der „Schatzkammer“ sieht man hinunter auf die Arbeitsplätze für Benutzer, die sich in einem hellen, großzügigen Raum befinden. Eine große Panoramascheibe gibt den Blick in einen Lagerraum mit Archivalien frei. Neben drei Schreibtischen stehen hier auch noch zwei bequeme Sessel für die intensive Lektüre bereit. Denn an Lesestoff mangelt es im BASF-Archiv ganz bestimmt nicht. Drei Kilometer lang ist der Aktenbestand, hinzu kommen noch 30.000 Fotos und 1500 Objekte, darunter Gemälde, aber auch ein großes Buch aus Styropor, Stühle aus Kunststoff oder ein Teddybär mit eingesticktem Firmen-Logo auf der Pfote. „Indigostraße“ ist auf einem Straßenschild zu lesen, und auch ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel mit Motiven rund um die Sicherheit am Arbeitsplatz hat es ins Archiv geschafft. Einige der Objekte sind im Besucherzentrum ausgestellt. Noch eine Etage tiefer sieht es dann schon eher so aus, wie man sich ein Archiv vorstellt. Hier stehen große Regale, bis unter die Decke mit grauen säurefreien Kartons bestückt, in denen sich das Gedächtnis der BASF befindet. Geordnet sind die Akten nach dem Pertinenzprinzip, also thematisch. „Unsere Bestände reichen bis in die Gründungszeit zurück“, sagt Úlia de Domènech, Leiterin des Besucherzentrums und „Corporate History“, wie die BASF das Archiv nennt. „,Corporate History’ vereint das Archiv und die historische Kommunikation, vereint Vergangenheit und Gegenwart. Wir machen mehr als nur Archivarbeit, wir machen Vorträge, Ausstellungen und geben Publikationen heraus“, erläutert sie. Auch die interaktive Dokumentation der Werksgeschichte im Besucherzentrum haben die Archivmitarbeiter erstellt. „Ein Archiv lebt nur von dem, was es kommuniziert und nach außen in die Welt tragen kann“, zeigt sich die 44-Jährige überzeugt. Das Unternehmensarchiv gibt es – unter wechselnden internen Bezeichnungen – seit der Mitte der 50er-Jahre. Früher war es in der Nähe von Tor 1 untergebracht. Als das Gebäude abgerissen wurde, wurde das Archiv mit allen Beständen in einen Container ausgelagert. Drei Jahre dauerte das Provisorium – Jahre, in denen das Archiv keine Anfragen beantworten und auch keine externen Nutzer empfangen konnte. Diese Zeit ist seit Jahresbeginn vorbei. Pünktlich zum Jubiläumsjahr bezog die Einheit „Corporate History“ nun neu gestaltete Räume im Gebäude des Besucherzentrums. „Seitdem sind unsere Benutzerplätze konstant belegt“, berichtet Úlia de Domènech. Im Schnitt recherchieren jährlich 30 Benutzer vor Ort, darunter Wissenschaftler, aber auch Privatleute. Außerdem beantworten die vier Archivare rund 1000 Anfragen; im Jubiläumsjahr werden es vermutlich noch mehr sein. Wenn ein neues Gebäude im Werk gebaut wird, erkundigen sich die Planer beispielsweise im Archiv, welche Gebäude dort früher standen, ob eventuell noch Blindgänger im Boden zu erwarten sind oder toxische Produkte. Ein großes Thema ist die Digitalisierung. „Wir haben deutlich mehr Bestände von der Unternehmensgründung bis zu Beginn der 70er-Jahre als aus der Zeit von den Siebzigern bis heute“, sagt Úlia de Domènech. Hier gelte es, zu überlegen, wie diese Lücke in der Unternehmensgeschichte geschlossen werden könne.