Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Diskussion um neues Firmenkunden-Modell der VR Bank

Einhorn-Statue als Kunstwerk: Zentrale der Vereinigten VR Bank in der Bahnhofstraße in Speyer.
Einhorn-Statue als Kunstwerk: Zentrale der Vereinigten VR Bank in der Bahnhofstraße in Speyer.

Mit den Stichtagen 1. November und 1. Januar stellt die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz ihr Geschäft mit rund 14.000 Firmenkunden um. Sie startet das „Hausbank-Programm“, mit dem sich teils Gebühren verändern. Die Bank betont dessen Transparenz, ein Kunde vermisst genau diese.

Speyer. Gernot Lasser betreibt ein Marketingunternehmen in Bobenheim-Roxheim. Er ist seit den 1990er-Jahren Kunde der Vereinigten VR-Bank oder eines ihrer Vorgängerinstitute. Auch er hat im Oktober Post aus Speyer erhalten – und war darüber alles andere als erfreut. Er hat sich die Konditionen genauer angeschaut, die nun gelten, und ist unter anderem bei den 1,44 Prozent Liquiditätspauschale hängen geblieben, die für nicht genutzte Teile einer Kreditlinie anfielen. „Eine neue ,Qualität’ bei der Abschöpfung von Kunden“, sagt er – wohl wissend, dass das andere Banken ähnlich machen. Er könnte diese Pauschale umgehen, wenn er die Kreditlinie auf null setzt, überlegt Lasser, dann wäre ihm aber bange um seine bisher sehr gute Einstufung bei der Schufa.

Lasser pickt noch die 56 Cent pro belegloser Lastschrift und 0,5 Prozent Verwahrentgelt für Guthaben über 10.000 Euro von Neukunden als Beispiele heraus. „Ich finde es unanständig, dass man für eine nicht angesprochene Leistung zahlen muss“, urteilt der Geschäftsmann. Er habe sich bei der Bank gemeldet und telefonisch einige Erläuterungen erhalten, sagt er. Zu den Verwahrentgelten sei ihm gesagt worden, dass er als Bestandskunde erst ab 100.000 Euro betroffen wäre. Schriftlich habe er das aber nicht, weswegen er Transparenz vermisst.

Treue wird belohnt

Gerade Transparenz sei ihnen im Zusammenhang mit dem neuen Programm wichtig, sagt Andreas Schünhof. Er ist Marketingchef der Vereinigten VR Bank und war für die Briefe an die 14.000 Kunden, hinter denen rund 28.000 Geschäftskonten stünden, zuständig. Jeder Kunde sei individuell informiert worden und werde auf Wunsch weiter beraten, betont er. Eine wichtige Rolle spiele die sogenannte digitale Selbstberatung: In einem Internetportal könne jeder seinen Status im Hausbank-Programm einsehen, betont Philipp Wagner, der seit 2016 das VR-Firmenkundengeschäft leitet. 60 Mitarbeiter gehören zu seinem Bereich. Das Grundprinzip sei, dass die Bank Kunden bei den Konditionen und Gebühren umso stärker entgegenkomme, je mehr Finanzprodukte diese bei ihr in den Bereichen Liquidität, Absicherung, Vermögen, Vorsorge und Finanzierung haben.

So dürften jetzt eifrig „Hausbankpunkte“ gesammelt werden, die Statusvorteile mit sich bringen. Bei den Girokonten etwa gehen die Gebühren um jeweils 25 Prozent nach unten, wenn der Kunde vom Basis-Status in die Kategorien Silber, Gold und Platin aufrückt. So seien auch die von Lasser kritisierten Gebührensätze nicht in Stein gemeißelt. Bei der Liquiditätspauschale reiche die Spannbreite etwa von 0,36 Prozent bis zu den genannten 1,44 Prozent. „Wir müssen Geld verdienen, sonst können wir kein Eigenkapital bilden und keine Kredite vergeben“, erklärt Wagner. Er nennt auch die internationale Niedrigzinspolitik als Hintergrund. Dabei ist ihm wichtig, dass die Tradition der Speyerer Volksbank, 1864 von lokalen Unternehmern gegründet, hochgehalten wird: „Wir haben treue Kunden und sind überproportional präsent im Firmenkundengeschäft.“

Firmenkunden als Spezialität

Die VR Bank kenne die Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeite, sehr genau, so Wagner. Auch deshalb habe sie „am Thema Verwahrentgelte keinen Spaß“ und wolle diese am liebsten vermeiden. Seit 2018 hatte es diese teilweise schon gegeben, noch Anfang 2020 hatte die Bank von nur 275 betroffenen Geschäftskunden gesprochen. Heute fällt das Entgelt auf breiterer Front an, wobei Schünhof keine genaue Anzahl der Betroffenen nennen kann. Die Bank wisse aber, dass gerade das produzierende Gewerbe Kapital zum Arbeiten brauche und habe auch Kunden mit Freibeträgen von 500.000 oder einer Million Euro. „Wir holen die Kunden an den Tisch und treffen ganz individuelle Vereinbarungen“, so Wagner.

Der Eindruck des Firmenkunden-Chefs und des Marketingleiters ist, dass die Vorgehensweise des Instituts geschätzt wird. Das „Hausbank-Programm“ im Privatkunden-Bereich, das es bereits seit 2019 gibt, bezeichnet Schünhof als „Erfolgsmodell“. Auch die ersten Rückmeldungen von Firmenkunden seien eher positiv als negativ. Das habe auch damit zu tun, „dass sehr viele Kunden jetzt zum Stichtag weniger zahlen als bisher“.

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