Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Die Stadt will den Schaustellern helfen

Wollen sich gegenseitig unterstützen (von links): die Schausteller Alexander Lemke und Thilo von Olnhausen, Oberbürgermeisterin
Wollen sich gegenseitig unterstützen (von links): die Schausteller Alexander Lemke und Thilo von Olnhausen, Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Uwe Wöhlert vom Verkehrsverein. Die Stadt will den Schaustellern einen mobilen Markt vom 1. bis 31. August ermöglichen. Als Dank gab’s ein Lebkuchenherz.

Einen mobilen Festplatz im unteren Domgarten will die Stadt Speyer „ihren“ Schaustellern zunächst im August ermöglichen, um den Brezelfest-Ausfall zu verkraften. Die Oberbürgermeisterin stellte das Konzept am Freitagabend vor und berichtete von vielen Ungewissheiten in der Corona-Zeit.

Gesichert ist derzeit nichts. Auch nicht der mobile Festplatz. Die Infektionsschutzbehörde müsse noch zustimmen, sagte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) bei einer Veranstaltung mit rund 70 Brezelfest-Förderern im Garten der Dreifaltigkeitskirche. Deshalb wollte sie noch nicht zu viele Details nennen. Beantragt seien acht Stände von Speyerer Schaustellerbetrieben, die „dezentral zentral“ im Park verteilt würden. Sie seien „nicht abgesondert“, für Speyerer wie Touristen gut erreichbar, so Seiler. Das Sortiment beschrieb Uwe Wöhlert, Vorsitzender der Verkehrsvereins: „Alles, was es sonst gibt auf einem Volksfest.“

Das große Volksfest wird es nicht, und auch nicht der „Brezelmarkt“ auf dem Festplatz. Dieser war zuletzt vorbereitet worden, bevor die Stadt doch nein sagte, weil die Corona-Infektionen in Stadt und Umland wieder zunahmen. Hier wäre das Angebot mit 20 bis 25 Ständen, zwei großen Fahrgeschäften sowie zwei Biergärten größer gewesen, sagte Wöhlert. Zum Konzept hätten eine Einhausung und ein Ticketsystem für jeweils bis zu 500 Besucher gehört. Möglicherweise könne das ein Modell für die Ende Oktober geplante und noch nicht abgesagte Herbstmesse sein, so OB Seiler. „Wir müssen derzeit jede Entscheidung drei-, vier-, fünfmal prüfen“, betonte sie.

Schausteller danken

„Wir sind uns mit der Stadt einig, auf Sicht zu fahren“, sagte Alexander Lemke, Vorsitzender des Schaustellerverbands Speyer. Er dankte für die Unterstützung. In Schwimmbädern und Freizeitparks gehe das schon wieder, daher müsse es „auch möglich sein, in einem Karussell nebeneinander zu sitzen“. Das Brezelfest garantiere seiner Branche in anderen Jahren stabile Einnahmen.

Hilfe für ein Crowdfunding-Projekt des Verkehrsvereins kündigten die Stadtwerke an; sie leiten unter www.stadtwerke-speyer.de auf eine Spendenseite. Eine andere Initiative: Unter www.speyerer-brezelfest.de wird ab Montag, 11 Uhr, bis zum 31. August ein Brezelfest-Bild von Arzt Günter Wallmen für gute Zwecke versteigert.

Zur Sache: Ein Betrieb ist schon im Einsatz

Mit einem doppelten Biergarten-Angebot will der Speyerer Schausteller-Betrieb Barth seine Bilanz in der Corona-Zeit retten. In Germersheim hat er Tische, Bänke und Bewirtung bereits seit 11. Juni auf einer Wiese am Rhein aufgebaut. Inhaber Patrick Barth sagt: „Die Leute nehmen es super an, das hätte ich so nicht erwartet.“ Er habe sehr viel Zuspruch erhalten und neue Stammkunden gewonnen. Rund 350 Plätze biete er dort, die er speziell auch für den Montag, 13. Juli, bewirbt: Dann verlege er den „Tag der Betriebe“, eine Tradition vom Brezelfest, nach Germersheim. Reservierungen seien noch möglich (www.barth.info). „Es sind noch einige Plätze frei.“

In Speyer wird Barth einer der Betriebe sein, die vom städtischen Angebot an die Schausteller profitieren, ihre Angebote in der Stadt aufzubauen. Er wolle auch hier einen Biergarten einrichten, sagt Barth auf Anfrage. Details stünden aber noch nicht fest, da sei er auf die Genehmigung der Stadt angewiesen.

„Germersheim und Speyer sind Lichtblicke in der aktuellen Situation“, sagt der junge Geschäftsmann. „Es geht holprig weiter.“ Er könne nun aber zumindest teilweise optimistisch in die Zukunft blicken. „Ich hoffe auf den Weihnachtsmarkt und auf nächstes Jahr.“ Normalerweise habe er zur Brezelfest-Zeit bis zu 30 Mitarbeiter, aktuell arbeite er mit weniger als der Hälfte und habe all den Hygieneschutz-Aufwand. Die Sommerangebote in Germersheim und hoffentlich bald auch Speyer seien für ihn auch wichtig, um sein bewährtes Personal zu halten, das sich sonst andere Jobs suche.

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