Speyer / Lübeck Der englische Startenor James Gilchrist singt wieder bei den Dommusiktagen
Mit Musik aus England auf einen biblischen Stoff gingen im vergangenen Jahr die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer zu Ende. Händels Oratorium „Joshua“ nach dem Buch aus dem Alten Testament erklang. Die Titelrolle sang in phänomenaler, die Dramatik der Geschichte und der Figur konsequent vergegenwärtigender Weise der englische Tenor James Gilchrist. Dieser ist einer der führenden Sänger aus der Champions League in seinem Fach und einer der ersten Händel-Interpreten unserer Tage. In zehn Tagen beginnen nun die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer 2023. Das Thema ist ein anderes und neues, doch wieder gibt es zuerst Musik aus England auf einen biblischen Stoff. Nun allerdings Musik der Spätromantik und nach einer Vorlage aus dem Neuen Testament, der Heilung des Blinden durch Jesus. Edward Elgars Oratorium „The Light of Life“ erklingt. Und wieder kommt als einer der Solisten James Gilchrist.
Dass dabei erneut viel von ihm zu erwarten ist, belegte der Eindruck vom jüngsten großen Konzertauftritt Gilchrists, bei dem er englische Musik nach Texten aus dem Alten und Neuen Testament sang. Klar, damit ist Händels „Messiah“ gemeint.
Festial im Norden
Zur Beim Schleswig-Holstein Musik Festival (www.shmf.de) war die Musikmetropole London in diesem Jahr ein Schwerpunktthema – und beim Abschlusskonzert in der Lübecker Musik- und Kongresshalle gab es den „Messiah“ mit dem Festivalchor und der NDR Radiophilharmonie. Dirigent war Richard Egarr, der englische Cembalist und langjährige Leiter der Academy of Ancient Music. Wie dieser die Partitur mit vielen ungewöhnlichen, aber ungemein überzeugenden Lösungen im Detail ausdeutete und wie er das ganze Ensemble unter Hochspannung setzte und auf eine glühende und zugleich tiefgründige Wiedergabe einschwor, war überwältigend. Das Publikum spendete – bei Oratorienkonzerten eher die Ausnahme – ein ums andere Mal Szenenbeifall und war am Ende schier aus dem Häuschen. Der aus Laien rekrutierte Chor und das auf modernen Instrumenten spielende Orchester waren voll im Händel-Stil und Egarrs ausdrucksgewaltiger Interpretation „drin“. Und erste Klasse waren die Solisten mit der kultiviert singenden walisischen Altistin Hilary Summers und dem hochenergetisch agierenden Bassisten Andrew Foster-Williams. Schlichtweg betörend und bewegend sang Carolyn Sampson die Sopranpartie, von ihrem ersten Einsatz als Engel angefangen. Das erste Solo im „Messiah“ hat ja aber der Tenor. Und schon hier überzeugte James Gilchrist und zeigte seinen Ausnahmerang durch ausgefeilte Textdiktion, facettenreiche Tongebung und die Gestaltung ganz aus dem inneren Sinn der Musik heraus. Da wunderte es nicht, dass die vier Tenorstücke in der Mitte des zweiten Oratorienteils, die um Jesu Tod und Auferstehung kreisen, zu einem hochintensiven Höhepunkt der Aufführung wurden.
Nachzuhörendes Konzert
Die Tenorarie „Thou shalt break them“ unmittelbar vor dem „Halleluja“ ist ein wildes Stück, das im Vortrag von James Gilchrist seine volle Leidenschaft entfaltete.
Der Mitschnitt dieses Konzertes ist unter https://www.ndr.de/kultur/sendungen/das_konzert/Abschlusskonzert-des-Schleswig-Holstein-Musik-Festivals-2023,sendung1367246.html bis 27. November 2024 nachzuhören. Es lohnt sich.
Übrigens: Zeitgleich mit Gilchrist in Lübeck sang ein anderer Solist der Speyerer Dommusiktage, der Altus Matthias Lucht, auch in Norddeutschland: in der Kirche St. Cyprian und Cornelius mit ihrer Arp-Schnitger-Orgel in Ganderkesee bei Bremen. Mit La Cetra unter Andrea Marcon gab es jene Venezianische Vesper, die das Ensemble auch schon im Speyerer Dom musiziert hat. Da im kommenden Jahr die Musikmetropole Venedig einen Programmschwerpunkt beim Schleswig-Holstein Musik Festival bildet, wäre dort dann dieses Programm eigentlich naheliegend.
„Das Licht des Lebens“
Mit international renommierten Musikern und bedeutenden Werken der Musikgeschichte strahlen die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer weit über die Kathedrale und die Stadt hinaus. In neun Konzerten wird auch in diesem Jahr geistliche Musik auf hohem Niveau geboten. Domkapellmeister Markus Melchiori hat das Festival 2023 unter das Thema „Lux – Licht“ gestellt. Die Musik nimmt damit die Lichtsymbolik auf, die dem Christentum mit vielen anderen Religionen gemeinsam ist. Das Thema „Licht“ scheint entweder in der Musik selbst oder auch wortwörtlich auf, wenn im Rahmen multimedialer Konzerte der Dom in einem ganz neuen Licht erscheint.
Den Auftakt der Internationalen Musiktage markiert am 23. September um 19.30 Uhr im Dom ein Konzert mit Musik von Edward Elgar. Sein kurzes Oratorium „The Light of Life“ aus dem Jahre 1896 wird in Deutschland nur sehr selten aufgeführt und verdient eine „Wiederentdeckung“. Es beschreibt in eindrucksvoller und dramatischer Weise die Wunderheilung eines Blindgeborenen, der durch Jesus das Augenlicht wieder erhält, wobei er den Blinden nicht nur für das irdische Leben „sehend“ macht, sondern zum Glauben führt und ihm das Licht des ewigen Lebens verheißt. Zuvor erklingt ein Orchesterstück Elgars mit dem Titel „Sursum corda“. Mit der Sopranistin Mechthild Bach (Sopran), Anke Vondung (Alt), James Gilchrist (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) erklingen die Stimmen international renommierter Solisten. Die Chöre der Speyerer Dommusik – der Konzertchor des Mädchenchores am Dom zu Speyer, die Männerstimmen der Speyerer Domsingknaben und der Domchor Speyer – sowie Domorganist Markus Eichenlaub musizieren an der Seite der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Die Gesamtleitung hat Domkapellmeister Markus Melchiori.
Info
Weitere Informationen und eine Programmübersicht gibt es auf der Seite der Dommusik: https://www.dom-zu-speyer.de/dommusik/konzerte/internationale-musiktage/ Tickets für alle Konzerte sind online unter bei Reservix in allen Reservix-Vorverkaufsstellen oder vor Ort in der Dom-Info erhältlich.