Speyer Das Kennenlernen kann beginnen

36 Sitze hat der Rat der neuen Verbandsgemeinde mit den Ortsgemeinden Altrip, Neuhofen, Waldsee und Otterstadt. Das sind zwölf mehr als der bisherige Verbandsgemeinderat Waldsee aufwies. Damit bieten sich neue Möglichkeiten der Mehrheitsbildung. Koalitionen sind noch nicht absehbar, man muss sich erst kennenlernen, sagen die Spitzenkandidaten.
Es muss sich alles erst einmal finden – das ist der Tenor der Aussagen, die die Spitzenkandidaten der Parteien und Gruppierungen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses treffen. Und natürlich ist noch abzuwarten, wer der neue Verbandsbürgermeister wird, sagt der Altriper Jürgen Jacob (FWG-VG), der am 8. Juni als Parteiloser um eben dieses Amt gegen Otto Reiland (CDU) in der Stichwahl antritt. Letzterer blickt genauso wie Wolfgang Kühn (SPD), beide aus Waldsee, mit ein wenig Abstand nüchtern und pragmatisch auf das Wahlergebnis aus den vier Gemeinden, die ab Juli eine Gemeinschaft bilden werden. „Es ist ein realistisches Abbild der aktuellen Meinungslage“, sagt der Sozialdemokrat Kühn. Er sei weder enttäuscht noch glücklich. Das Resultat, 27,5 Prozent und zehn Ratssitze für seine Partei, sei schlicht das, was zu erwarten gewesen sei. Die SPD sei traditionell stark in Altrip und Neuhofen, dafür schwach in Otterstadt und Waldsee: „Warum sollte sich das urplötzlich ändern?“ Letztlich ist es für Kühn aber zweitrangig, welche Partei wie viele Sitze im Rat inne hat. Man liege in den kommunalpolitischen Ansichten nicht weit auseinander, es gebe keine extremen Positionen und ideologischen Auseinandersetzungen. Deshalb ist für ihn auch denkbar, mit wechselnden Mehrheitsverhältnissen zu arbeiten. „Stabile Koalitionen sind bei schwierigen Fragen wichtig – die stellen sich uns aber nicht“, sagt Kühn mit optimistischem Blick auf die nächsten fünf Jahre: „Mit gesundem Menschenverstand werden wir gute Lösungen finden.“ CDU-Mann Reiland hingegen sieht durchaus Spielraum für Koalitionsverhandlungen und feste Bündnisse. Die breite Fächerung mit fünf Fraktionen und einem FDPler erlaube so manche Rechnerei im 36 Mann starken Rat: „Zwei Wählergruppen sind dabei, da ist vieles möglich.“ Die Parteien müssten untereinander reden, jede mit jeder – er selbst werde keine Empfehlung abgeben, sagt Reiland, wohl auch mit Blick auf die anstehende Stichwahl gegen Jürgen Jacob. Für den Moment stimme ihn das Ergebnis der Bürgervotums, 39,5 Prozent für die CDU und damit 14 Sitze, sehr zufrieden. Dass die CDU stärkste Fraktion wird, hat Ralf Marohn (FDP) aus Neuhofen erwartet. Er wird ein Einzelkämpfer sein im Rat, die FDP holte 3,8 Prozent der Stimmen, „auf zwei bis drei Sitze hatten wir schon gehofft“. Mit seiner Verwaltungserfahrung als Beigeordneter will sich Marohn gerne einbringen. Es wäre schön, meint der Freidemokrat, wenn jede der vier Ortschaften in der Verwaltungsspitze vertreten sein könnte, unabhängig von Parteizugehörigkeit. Das könne ein Zeichen für das Zusammenwachsen der Verbandsgemeinde sein. Die Grünen haben das fertig gebracht, ihre vier künftigen Ratsmitglieder kommen aus allen vier Orten. Ansonsten „ist das alles noch viel zu frisch“, meint Spitzenkandidat Toni Krüger (Altrip). Dass der Kampf gegen den Polder weiterhin ein Thema sein wird, steht für ihn fest, ebenso der Naturschutz oder die würdige Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Aber sonst „müssen wir erst einmal abwarten“. Im Gegensatz zu Wolfgang Kühn findet es Frank Darstein (FWG Altrip) sehr vernünftig, wenn der künftige Bürgermeister auf stabile Mehrheiten bauen kann. „Da müssen wir erst mal schauen, wer mit wem koaliert“, meint der Spitzenkandidat der Altriper Freien Wähler, die 5,2 Prozent der Stimmen und zwei Sitze im Verbandsgemeinderat haben und damit „sehr zufrieden“ sind. Für Darstein steht der Flächennutzungsplan oben auf der Agenda, ebenso die Organisation des Personals und harmonisierte Satzungen: „Dafür braucht es viel Erfahrung.“ Fünf Sitze und 12,8 Prozent der Stimmen hat die FWG-VG errungen, „wir müssen alle gut zusammenarbeiten“, unabhängig von den Parteien, betont Jürgen Jacob. Dass ein Drittel der Ratsmitglieder aus Altrip kommt, hat Ortsbürgermeister Jacob „angenehm überrascht“. Wolfgang Kühn meint aber: „Wir haben im Wahlkampf immer wieder vom Wir-Gefühl gesprochen, das in der neuen Verbandsgemeinde entstehen soll, jetzt müssen wir es umsetzen.“ Ortszugehörigkeit dürfe keine entscheidende Rolle spielen, es sei kein Kampf, in dem jedes Ratsmitglied das meiste für sein Dorf herausholen wolle, sagt er: „Wer es so sehen würde, hat das Konstrukt der Verbandsgemeinde nicht verstanden.“