Speyer Das Glöckel vom „Glöckel“
Halbwegs schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man die Glocke im Turm der Kapelle des Institut St. Dominikus aus der Nähe betrachten möchte. Hausmeister Martin Mayer geht voran: Drei Stockwerke sind es bis zum Dachboden, dann ist Ende mit Komfort. Weiter geht es nur über zwei steile Leitern. Die zweite ist so lang, dass sie beim Hinaufklettern ordentlich durchschwingt.
Viel Platz ist oben nicht, viel Licht auch nicht, denn durch die Schallläden kommt nicht viel von der Sonne an. Hausmeister Mayer leuchtet mit seiner Handy-Lampe auf die Glocke, und die Inschrift wird sichtbar: „Eigentum der katholischen Kirchenstiftung Ramberg 1922“ steht da. Auf anderen Seite, von hier aus nicht sichtbar, steht: „Herr, Unser Gott, Schütz’ Uns in Not. Leit fern Krieg und Streit. Gib Segen alle Zeit!“ Es ist kurz nach 11 Uhr vormittags, bis zum Mittagsgeläut dauert es noch etwas, aber Mayer ruft geschwind seine Frau an und bittet um Rückruf – schon erklingen die Glocken. „Wenn man im Kloster arbeitet, dann ist Glockengeläut doch ein guter Handyklingelton“, sagt er. Die Ordensschwestern mögen das Geläut ihrer Glocke, auch wenn das mancher vielleicht anders sieht. „Unsere Glocke passt von Ton her nicht in das Geläut der anderen Speyerer Glocken“, sagt Generalpriorin Schwester Gisela Bastian. Es sei schon mehrfach an den Orden herangetragen worden, die Glocke auszutauschen oder zumindest den Klöppel. Aber: „Wir haben uns dagegen entschieden, wir sind auf dieses Geläut eingestimmt.“ Man hört die Glocke also deutlich aus dem harmonischen Einklang der anderen städtischen Glocken heraus. Vielleicht ist das der Grund, warum das Institut St. Dominikus bei Speyerern auch „Das Glöckel“ heißt, mutmaßt die Generalpriorin. Den genauen Grund kennt sie aber nicht. Generalvikarin Schwester Elisabeth Schloß erinnert sich noch daran, dass früher die Speyerer Schwestern oft gefragt worden seien: „Gehören sie zum Glöckel?“ Das Glöckel war das „schwarze Kloster“, also das Institut St. Dominikus, weil dort die Schwestern bei der Alltagsarbeit schwarze Gewänder trugen. Das „weiße Kloster“ dagegen war das Kloster St. Magdalena. Anfangs nach der Gründung des Instituts St. Dominikus durch Bischof Nikolaus Weis im Jahr 1852 waren die Schwestern noch im Kloster St. Magdalena untergebracht. „1910 bekamen wir dann unser eigenes Zuhause“, so Schwester Gisela. Eine Woche nach Einweihung der Kapelle folgte die Glocke, die Justus Humann, der damalige Stadtschreiber von Speyer, stiftete. „O Maria, sei unsere Beschützerin und unsere Mutter!“, lautete die Inschrift. Wie lange die Glocke im Kirchturm hing, weiß Schwester Gisela nicht. Gesichert sei, dass sie im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurde. Erst am 1. Juli 1950 verweist ein Eintrag in der Chronik auf eine neue Glocke: „Wir haben wieder eine Glocke“, heißt es da. Die damalige Priorin M. Eustasia habe in Ramberg eine Glocke der Glockengießerei Pfeifer in Kaiserslautern gefunden, die aus dem Turm der dortigen Kirche genommen worden war, weil die Kirche ein neues Geläut bekommen habe. „Kurzentschlossen erwarb M. Priorin die Glocke vom dortigen Pfarramt um den Preis von 400 DM und ließ sie hierher bringen“, steht in der Chronik. Die Glocke sei von Größe, Form und Klang ähnlich der alten und passe wie ausgemessen in das Türmchen. „Nun lädt feierlicher Glockenklang wieder zu unseren Gottesdiensten ein.“ Das tut er immer noch: Sonntag um 9 Uhr, Montag und Donnerstag um 18 Uhr. Mittags um 12 und abends um 18 Uhr läutet sie zum Angelus-Gebet: Erst drei mal drei Schläge, dann fortwährend. Zudem läutet sie beim letzten Weg, wenn eine Schwester stirbt und zum Friedhof gebracht wird. Einmal, so eine Anekdote, habe sie außerplanmäßig geläutet: 1970, als die Kapelle saniert wurde, habe sich ein Einbrecher Zutritt verschafft und sei aus Versehen an den zusätzlich zum Läutcomputer vorhandenen Hand-Schalter für die Glocke gekommen.