Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Krise: Senioren müssen um Betreuung bangen

Mal eine Hand halten: schwieriger in Corona-Zeiten wegen der Auflagen und wegen der Personalsuche.
Mal eine Hand halten: schwieriger in Corona-Zeiten wegen der Auflagen und wegen der Personalsuche.

Die Corona-Krise fordert alle heraus. Prekär ist oft die Situation für Pflegebedürftige – und deren Angehörige. Ein Blick auf die Vermittlung von Pflegekräften in Speyer und Umland zeigt: Manche Familien und auch die Vermittler wissen derzeit nicht, wie es weitergeht.

„Wir können uns nicht mehr sicher sein.“ So beschreibt eine Frau aus Dudenhofen die belastende Situation. Die 85-jährige Mutter ist seit Jahren auf Hilfe angewiesen, alleine kann das die Familie nicht stemmen. Mit der Hilfe polnischer Pflegekräfte kann die Seniorin dennoch zu Hause wohnen bleiben. „Das klappt relativ gut“, sagt die Tochter. Alle zwei Monate wechselten die Betreuerinnen in der Regel, die über „Sylwias Vermittlungen“ ins Haus kamen. Das Vermittlungsunternehmen war früher in Speyer und ist heute in Harthausen ansässig – und ist seit Anfang der Corona-Krise mit ganz neuen Problemen konfrontiert, so die Inhaber Sylwia und Rafal Lejtan.

„Wir vermitteln weiter Pflegekräfte, obwohl es sehr schwierig geworden ist mit dem Transport nach Deutschland und weil viele Pflegerinnen einfach Angst haben, dass sie sich mit dem Virus infizieren“, sagt Rafal Lejtan. Im Dudenhofener Fall heißt das: keine Zusage mehr für zwei Monate, sondern nur Sicherheit bis zum 20. April. Danach komme wohl eine andere Frau, die heute schon in Deutschland ist – jedoch nur für vier Wochen, wie die Tochter erzählt. Für die Zeit danach heiße es abwarten. „Die Option Pflegeheim wäre derzeit auch sehr schwierig, weil wir als Angehörige den Anfang nicht vor Ort begleiten könnten.“

„Es gibt mir Sicherheit“

Auch Elisabeth Stützel aus Speyer kennt die Probleme. Sie ist auf die Hilfe einer Betreuerin angewiesen, um daheim wohnen bleiben zu können. „Der April soll noch sicher sein, dann muss ich hoffen, dass ich wieder jemanden kriege“, berichtet die 90-Jährige, die früher kommunalpolitisch aktiv war. Sie sei dankbar für die Hilfe in der Wohnung: „Es gibt mir Sicherheit, wenn jemand bei mir ist und ich nicht ins Heim muss.“ Das gehe bis hin zum Mittagessen: Es mache viel aus, wenn man mitentscheiden könne, was auf den Tisch kommt. Sie hoffe deshalb sehr, „dass die Sylwia wieder jemanden für mich findet“, so Stützel.

Sie machten alles, was in ihrer Macht steht, sagen die Lejtans. Drei Angestellte haben sie in Harthausen, dazu kommt ein sechsköpfiges Team in Polen, das Bewerberinnen für Aufenthalte als Pflegerinnen in Deutschland sucht. Normalerweise laufe das gut. Die Frauen setzten sich in Reisebusse und kämen zügig zu den Kunden in einem Umkreis von 100 Kilometer um Speyer. Mehr als 100 Frauen würden regelmäßig vermittelt. Rechtlich ist das mit der Arbeitserlaubnis in der EU längst kein Problem mehr. Nur in Corona-Zeiten. Die Grenze ist zwar noch offen, aber der Reiseverkehr ruht. Diese Woche geht es für Rafal Lejtan mit dem Auto nach Görlitz, wo hoffentlich möglichst viele Frauen wie vereinbart zu Fuß über die Grenze kommen, um mit ihm in die Pfalz zu fahren. Dass die Bundesregierung verschärfte Grenzkontrollen angekündigt hat, sei zu verkraften.

„Voll in der Risikogruppe“

„Wir möchten verhindern, dass die Senioren allein bleiben müssen. Die Heime nehmen so gut wie keine Bewohner mehr“, so die Lejtans. Alle Seiten hätten aber auch Verständnis für die Ängste der Polinnen, die von hohen Corona-Infektionszahlen in Deutschland gehört haben. „Eine der Pflegerinnen, die regelmäßig zu uns kommt, wird 70, die fällt voll in die Risikogruppe, das kann ich nicht von ihr erwarten“, sagt die Dudenhofenerin, die Unterstützung für ihre 85-jährige Mutter braucht. „Wir sind vorsichtig mit dem Überreden“, erklären die Lejtans. Sie hoffen, dass sich die Situation bald normalisiert und dass vielleicht – wie für Erntehelfer angekündigt – auch mal ein Flugzeug mit Pflegekräften zugelassen wird. Bis dahin versuchen sie, die Stammkunden zu versorgen, haben aber einen Aufnahmestopp für neue Kunden: „Zuletzt mussten wir leider sieben Anfragen absagen.“

Fiebermessung an der Neiße-Brücke in Görlitz: Die Grenzkontrollen zwischen Polen und Deutschland sind verschärft.
Fiebermessung an der Neiße-Brücke in Görlitz: Die Grenzkontrollen zwischen Polen und Deutschland sind verschärft.
Sylwia Lejtan
Sylwia Lejtan
Rafal Lejtan
Rafal Lejtan
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