Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Cannabis-Club-Gründer: „Die Qualität der Mitglieder wird besser“

Teil des Cannabis Social Clubs: Johanna Pösl und Rico Cakir.
Teil des Cannabis Social Clubs: Johanna Pösl und Rico Cakir.

Cannabis-Social-Club Speyer Gründer Rico Cakir und Mitarbeiterin Johanna Pösl sprechen über die ersten Monate und die Position von Cannabis in der Gesellschaft.

Herr Cakir, Frau Pösl, seit rund zehn Monaten läuft die Cannabis-Abgabe in Speyer an Mitglieder. Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?
Cakir: Grundlegend läuft der Betrieb gut. Wir sind zufrieden, die Mitarbeiter sind zufrieden und die Arbeit mit der Behörde klappt gut. Wir sichern die Abgabe – maximal 25 Gramm pro Mitglied und Tag oder maximal 50 im Monat – über unsere EDV-Systeme. Eine Besonderheit hier sind spezielle Extrakte, die es in der Apotheke zum Beispiel nicht gibt.

Wie viele Mitglieder haben Sie?
Cakir: Ungefähr 400. Wir bekommen jeden Monat etwa 30 neu hinzu, verlieren aber auch ähnlich viele, deswegen pendelt es sich ein. Wir könnten bis zur Grenze von 500 schon noch einige aufnehmen. Manche haben ihren Mitgliedsbeitrag nicht bezahlt, andere waren nicht aktiv: Zur Mitgliedschaft gehört es auch, mal einen Tag mitzuhelfen. Da sagen wir dann: Okay, es passt vielleicht nicht und kündigen. Aber das gehört dazu und ist normal. Die Qualität der Mitglieder wird besser. Wir sind dankbar für jeden Aktiven, der neu dazukommt.

Was zeichnet denn ihre Mitglieder aus?
Pösl: Ich werde oft gefragt, was denn für Leute hierherkommen. Wenn man an Kiffer denkt, haben viele den Bob Marley-mäßigen Prototypen vor Augen. Aber hier kommen von allen Berufs- und Altersgruppen Menschen her, von denen man das auf der Straße auch gar nicht erwarten würde. Da bin ich selbst manchmal überrascht.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit der Behörde, dem Landesamt für Jugend und Soziales?
Cakir: Wir sind dankbar für einen guten Draht zur Behörde. Wir teilen alles: Wie viele Pflanzen wir haben, was wir anbauen, was wir verkaufen und was wir vernichten. Das ist alles im Software-System transparent einsehbar, mit dem die Mitarbeiter arbeiten. Das sagt dann auch nach 25 Gramm: Es ist Schluss. Da kann gar nicht mehr verkauft werden. Die Behörde ist auch nicht negativ eingestellt, sondern eher hilfreich.

Wie nehmen Sie die Entwicklung seit der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 generell wahr?
Pösl: Die Angst der Leute sinkt langsam. Es gibt gerade in der älteren Generation ein Stigma-Denken, dass man sich strafbar oder unbeliebt macht, wenn man einen Cannabis-Kauf bei sich im Bankverlauf stehen hat. Dadurch, dass es immer gesellschaftskonformer geworden ist, wird diese Angst sinken. Das Verständnis und die Offenheit vieler Menschen Cannabis gegenüber steigt. Meine Großeltern sind ein gutes Beispiel. Für sie war der große Tabu-Punkt beim Kiffen, dass es illegal ist. Seit es das nicht mehr ist, haben sie kein Argument mehr, warum es gerade im Vergleich zu Alkohol so schlecht sein sollte. Das war immer das Totschlagargument.

Ein paar Clubs haben allerdings Schwierigkeiten. Haben Sie eine Erklärung, warum?
Cakir: Der eine oder andere hat es sich vielleicht einfacher vorgestellt. Ein paar Pflanzen anbauen und los geht’s. Man braucht für alles ein Konzept: für die Sicherheit, Jugendschutz, oder die Abgabe. Und dann ist natürlich auch die fehlende Werbung ein Thema. Wenn die Abgabe zu gering ist, reichen die Einnahmen nicht aus, um die Kosten zu decken. Da gibt es sicher verschiedene Aspekte.

Würden Sie sich wünschen, ein bisschen Werbung machen zu dürfen?
Cakir: Natürlich. Aber wir sind da realistisch. und halten uns an die Vorgaben. Da bin ich auch mit der Behörde im Reinen und streng. Deswegen heißen wir auch nicht mehr Miami Hempire sondern Cannabis Social Club Speyer, das ist neutral. Wir sind dankbar für einen ruhigen und guten Ablauf hier.

Wo stehen Cannabis-Clubs in einem Jahr?
Pösl: Ich hoffe, der soziale Aspekt rückt mehr in den Vordergrund. Natürlich darf man hier vor Ort nicht rauchen, aber wenn sich öfter die gleichen Gesichter sehen, findet vielleicht eine Vernetzung statt von Leuten mit dem gleichen Interesse. Viele genießen es, und 99 Prozent der Leute sind gut drauf.

Cannabis bleibt aber natürlich eine Droge. Die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz sind kein Freund der Legalisierung. Haben Sie Sorge, dass sie wieder zurückgenommen wird?
Pösl: Ich denke, der Aufschrei wäre groß, weil jetzt die Vorteile, sein Gras legal holen zu können, zu spüren sind. Ich kann von so vielen Leuten berichten, die wirklich dankbar sind, dass sie sauberes Gras rauchen, bei dem sie wissen, was drin ist und was nicht. Würde die Legalisierung zurückgenommen, wäre die Empörung so groß, dass das nicht funktionieren würde, denke ich.

Cakir: Wir sehen es entspannt. Auch aus rechtlicher Sicht wäre das sehr, sehr schwer möglich. Wir haben eine Sieben-Jahres-Lizenz. Da haben wir keine Sorgen.

Rico Cakir (33) hat den Cannabis-Social Club gegründet und ist Vorsitzender. Johanna Pösl (23) ist Mitarbeiterin und Mitglied im Club.

Im Club: Verschiedene Sorten liegen aus.
Im Club: Verschiedene Sorten liegen aus.
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