Speyer
Bikepark: Jugendliche hoffen auf große Sprünge
Maxim und Ben haben einen Plan: Zuerst werden sie Downhill den Abhang runterballern, dann geht’s die erste Rampe rauf, ein Sprung auf den Table, Landung auf der abfallenden Böschung auf der rückwärtigen Seite des Erdhaufens, sofort mit Power in die Pedale treten und mit ordentlich Speed durch die Kuhle, die zweite Rampe hoch, ein weiterer Jump, dann vom zweiten Hügel runter in die Steilkurve und wieder zurückgerast den Buckel hoch zum Start. Und gleich noch mal das Ganze, wenn man schon mal dabei ist.
Willkommen auf der BMX-Bahn im Akazienwäldchen in Speyer-Nord. Im Straßendreieck von Spaldinger und Waldseer Straße und gegenüber der neuen Feuerwache, verbergen sich in einer Senke im Dickicht Erdhügel und Buckelpisten, Rampen und Kurven. Stellenweise ist der Boden zerfurcht und eingeschnitten von Reifenprofilen, was auf eine rege Nutzung hindeutet. „Das sind unsere Lines, die wir fahren“, erläutert Maxim. Und fügt an: „Leider sind nur noch zwei übrig.“
Der 13-Jährige aus Nord gehört wie sein Kumpel Ben und der gleichaltrige Jakob zu einer Gruppe von rund 30 Jugendlichen und Heranwachsenden, die sich in wechselnder Besetzung auf dem versteckten Gelände tummeln. Neben weiteren Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen sind das lediglich „die ernsthaften Fahrer“, wie Maxim sie nennt. Sie kommen aus Speyer, aber auch aus Umlandgemeinden wie Otterstadt und Römerberg in den Bikepark. Denn für den, der mit BMX-Rad oder Mountainbike Sprünge wagen und seine Grenzen austesten will, gibt es in der nähren Umgebung nicht allzu viele Chancen. Eine Anlage in Haßloch, ein Dirtjump-Park aus Erdhaufen in Hanhofen, dazu Trainingsmöglichkeiten beim Radsportverein Dudenhofen. Das war’s. Und eben Speyer.
Strecke nicht mehr zur Gänze nutzbar
Maxim und seine Freunde sind daher froh, dass sie hier durch den Dreck brettern und waghalsig anmutende Kunststücke erproben können. Sie sind aber auch enttäuscht, weil sich aus der Strecke ihrer Meinung nach mehr machen ließe. Unübersehbar ist jedenfalls, dass die Anlage in die Jahre gekommen ist. Im Prinzip sind laut Maxim und Ben nur noch zwei sogenannte Lines aus Höhen und Tiefen durchgängig befahrbar. Andere zeichnen sich zwar noch ab, sind aber im Unterholz verschwunden. Vor Jahren sei das anders gewesen, berichtet Maxim: „Da ging die Strecke noch deutlich weiter.“ Dann wurde das Areal offenbar weniger genutzt – und fiel teilweise in einen Dornröschenschlaf, samt Ranken, Gestrüpp und wildem Müll.
„Hier war mal ein Pumptrack“, sagt Ben und deutet auf eine überwucherte Abfolge von Bodenwellen. Ein Pumptrack ist eine Strecke, die der Mountainbiker allein durch pumpe Auf- und Abwärtsbewegungen des Oberkörpers bewältigt, erklärt er fachmännisch. Doch das gehe hier nun leider nicht mehr. „Früher gab es Treppen, die sind nicht mehr da“, berichtet Maxim. Auch Rampen seien zugewachsen. Hier fehle eine Landung, dort ein Absprung. Sie würden sich wünschen, dass die Stadt sich mehr kümmere und die Anlage wieder freilege und auch in einigen Punkten neu gestalte, sagt Maxim, Wortführer der jungen Geländefahrer. Mit dem Spaten sind sie auch selbst am Werk, „aber weit kommen wir so natürlich nicht“. Sie hätten versucht, bei der Verwaltung auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, seien jedoch nicht durchgedrungen.
Unterstützung aus Lokalpolitik
Das soll sich ändern. Mittlerweile ist Rosemarie Keller-Mehlem, Vorsitzende der Stadtratsfraktion von Unabhängig für Speyer (UfS), auf die Sorgen der Jugendlichen aufmerksam geworden und will sie bei ihrem Bemühen um eine zeitgemäß gestaltete BMX-Anlage unterstützen. „Die Begeisterung der Jugendlichen für ihr Hobby hat mich beeindruckt“, sagt die Lokalpolitikerin, die ebenfalls in Nord wohnt. Für die Neugestaltung brauche es „noch mehr Verbündete“. Es sei wichtig, den Jüngeren Teilhabe zu ermöglichen und Gehör zu schenken.
Auch Werner Zink, Vorsitzender der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), hat seine Hilfe zugesagt. Ein „wertvolles Angebot“ wie die BMX-Bahn müsse als Möglichkeit der Freizeitgestaltung unbedingt erhalten werden. Außerdem gebe es kaum eine besser Gelegenheit, sein Können auf zwei Rädern zu trainieren, meint der Radfahrexperte. Er habe auch schon mit der Jugendförderung Kontakt aufgenommen. Diese wolle nun das Gespräch mit den Jugendlichen suchen und deren Wünsche erfahren.
Stadt will auf Wünsche eingehen
Die Stadt ihrerseits war nicht untätig. Nachdem bereits im November der vordere Bereich der Anlage freigeschnitten worden war, legten dieser Tage Mitarbeiter des Stadtgrüns im rückwärtigen Teil nach, wie Stadtsprecherin Annika Roth auf Anfrage mitteilte. Auch sei eine Infotafel in Auftrag gegeben worden, die am Eingang des Bikeparks aufgestellt werden soll. „Die Stadt freut sich sehr, dass sich die Jugendlichen so engagieren und einbringen möchten“, teilt Roth mit: „Verbesserungsvorschläge sind immer willkommen und können gern an die Jugendförderung gerichtet werden.“
Maxim, Ben und die anderen brennen darauf, sich beim möglichen Umbau zu beteiligen. Man müsse ihnen lediglich sagen, wie sie helfen könnten und was erlaubt sei. Ein Vater habe beispielsweise einen Bagger: „Ich wollte mal im Stadtrat nachfragen, ob wir den benutzen können.“
