Speyer Beraten, vermitteln, schreiben

Werner Brodback
Werner Brodback

«LINGENFELD.»Vor fünf Jahren hat Werner Brodback aus Lingenfeld sein Amt als Behindertenbeauftragter der Verbandsgemeinde (VG) Lingenfeld angetreten. Am 26. April verlängerte der VG-Rat die Amtszeit um fünf Jahre (wir berichteten). Doch mit welchen Aufgaben wird ein Behindertenbeauftragter konfrontiert? Und wie viel Zeit muss Brodback für sein Amt investieren?

„Durchschnittlich mindestens vier bis fünf Stunden in der Woche. Mal mehr, mal weniger“, sagt Brodback, der als Bindeglied und Türöffner fungiert, auf die Frage nach dem Zeitaufwand. Der 64-Jährige, der „seit sechs Jahren daheim“ ist, hat 2012 „recht spontan zugesagt“, als Bürgermeister Frank Leibeck (SPD) ihn fragte, ob er bereit wäre, „das zu machen“. Begründung: „Ich habe fast mein ganzes Leben bei einem Sozialversicherungsträger zugebracht. Und ich bin sozial eingestellt.“ Brodback verrät, dass er sich bereits vor der Amtsübernahme „einen kleinen Kundenstamm aufgebaut“ hat. Konkret: Er half schon damals Personen, die Briefe von Behörden bekommen hatten und damit nichts anzufangen wussten. Beraten, vermitteln und schreiben – das muss Brodback auch als Behindertenbeauftragter. So ist er bei Bauarbeiten oder beim Ausbau von Straßen involviert. Dabei wirft er ein Auge auf die Bordstein-Übergänge, darauf, dass der Ausbau barrierefrei erfolgt und Rollstuhlfahrer und Bürger mit Rollator die Straße bequem passieren können. Ohne Brodbacks Stellungnahme fließen keine Zuschüsse. „Inzwischen bin ich auch ständig zu Bauausschusssitzungen der VG und der Ortsgemeinde Weingarten eingeladen“, berichtet er. Beim Neubauprojekt in Weingarten, bei dem es um Betreutes Wohnen geht, war er „von Anfang an mit eingebunden“. „Ganz schlimm“ findet Brodback, dass beeinträchtigte Personen Trauungen im VG-Rathaus „wegen der großen Treppe“ nicht beiwohnen können: „Da haben wir noch nicht die richtige Lösung gefunden.“ „Vorbildlich“ nennt er dagegen das mit einem Aufzug versehene Rathaus in Lustadt. In Brodbacks Amtszeit wurden „etliche Behindertenparkplätze“ in Lingenfeld eingerichtet. Vor Kurzem hat er die Kirch- und Raiffeisenstraße in Westheim inspiziert. Westheim will die Verkehrsberuhigung fortführen: „Ich habe der Planung zugestimmt.“ Zwei Behindertenparkplätze soll es künftig in der Raiffeisenstraße geben. Brodback hat auch dafür gesorgt, dass im Gebiet „Südliche Heidenäcker“ in Lingenfeld und in der Heeger-Allee in Westheim Absperrbügel versetzt wurden, sodass Rollstuhlfahrer die Wege befahren können. Er verweist auf neue Richtlinien der Bauordnung: „Wenn jemand ein Haus mit vier Wohneinheiten baut, muss eine behindertengerechte Wohnung mit barrierefreiem Zugang, breiterer Tür, dabei sein – auch privat.“ Im Lingenfelder Hallenbad gebe es eine transportable Alu-Treppe, damit beeinträchtigte Personen leichter ins Becken kommen. Die meisten Anfragen betreffen das Thema Pflege: „Misstrauisch und unsicher“ waren laut Brodback viele Bürger, als zum Jahreswechsel die drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade überführt wurden. Täglich erhielt er deswegen Anrufe mit der Frage: „Was muss ich machen?“ Seine Antwort: „Gar nichts! Das erledigt sich von selbst!“ Brodback betont: „Die Leute hatten Angst, sie versäumen was und kriegen kein Pflegegeld mehr.“ Brodback erhält aber auch Anrufe von Familien, in denen eine Person gerade zum Pflegefall geworden ist. Er erklärt dann, dass ein entsprechender Antrag bei der Krankenkasse zu stellen ist. Oder vermittelt die Angehörigen an den Pflegestützpunkt in Germersheim: „Viele wissen gar nicht, dass es dort einen Pflegestützpunkt gibt“, betont er. Und ergänzt: „Bei schwierigen Fällen hole ich mir, bevor ich etwas Falsches sage, den Pflegestützpunkt mit dazu.“ In „besonderen Fällen“, bei Senioren, die alleinstehend und gehbehindert sind, hat Brodback „mit den Damen vom Pflegestützpunkt“ schon Hausbesuche gemacht. Dabei wurden Haushaltshilfen vermittelt, oder es gab Hilfe bei der Unterbringung in einem Pflegeheim. Brodback hilft Bürgern auch beim Ausfüllen von Anträgen, die ans Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung gehen. Dabei geht es um den Behindertengrad oder die Anerkennung einer Behinderung, um Vergünstigungen oder Ausweise zu erhalten. Und er vermittelt Anrufer, die Fragen zur Patientenverfügung haben, weiter. Am ersten Mittwoch im Monat trifft sich Brodback mit den in der VG tätigen Seniorenbeauftragten aus Lustadt, Schwegenheim und Westheim sowie Bürgermeister Frank Leibeck zum Austausch. Er hat festgestellt, dass aus Ortsgemeinden, in denen es Seniorenbeauftragte gibt, weniger Anfragen kommen. Mittlerweile hat sich der 64-Jährige „ein gutes Netzwerk aufgebaut.“ Brodback saß 20 Jahre für die SPD im VG-Rat sowie 15 Jahre im Ortsgemeinderat Lingenfeld und ist derzeit noch Ausschussmitglied. Zudem gehörte er 18 Jahre dem Personalrat der Deutschen Rentenversicherung (früher Landesversicherungsanstalt) an. Er ist Vorsitzender des Lingenfelder Handballsportvereins, des Handballfördervereins sowie beim Bürgerverein der VG Lingenfeld für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Und er ist einer der Fahrer des Bürgerbusses. KONTAKT Werner Brodback ist telefonisch unter 06344 4595 oder per E-Mail an behindertenbeauftragter@vg-lingenfeld.de erreichbar. Die Rubrik Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir einmal die Woche Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen.

Ein Thema, das bei Bauvorhaben immer wichtiger wird: Barrierefreiheit.
Ein Thema, das bei Bauvorhaben immer wichtiger wird: Barrierefreiheit.
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