Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Basketball: Interview mit Ex-Tower Bianca Helmig

Da geht’s lang: Bianca Helmig.
Da geht’s lang: Bianca Helmig.

Sie ist Speyers erfolgreichste Basketballerin. Nun wechselt Juniorennationalspielerin Bianca Helmig aus der Bundesliga nach Kanada. Martin Erbacher hat sie verraten, warum sie sich auf einem wichtigen Gebiet engagiert.

Sehen Sie die Leistungen von Frauen und Mädchen in den Medien nicht ausreichend gewürdigt?
Ja, meiner Meinung nach finden die Leistungen von Athletinnen nicht genügend Berücksichtigung in den Medien. Um Ihnen ein Beispiel aus meiner Sportart zu geben, die U17- Mädchen sind bei der WM dieses Jahr ins Viertelfinale gekommen, und die U18 hat sich bei der Europameisterschaft für die U19-WM im nächsten Jahr qualifiziert. Vor 2022 war Deutschland noch nie bei einer U17-WM vertreten, und auch die U19-WM-Qualifikation passiert enorm selten. Trotzdem erfährt man eine solche Sensation nur über direkte Recherche im Internet oder ganz klein in einer lokalen Zeitung.

Was kann die Lokalredaktion der Speyerer Rundschau unsrer Zeitung tun?
Ich denke, wenn die RHEINPFALZ sich etwas ausgiebiger über die Geschehnisse im weiblichen Sportbereich informieren und darüber öfter, sowie nicht nur in drei Sätzen am unteren Rand der hinteren Seiten, sondern in größeren Artikeln oder Interviews auf vorderen Seiten berichten würde, wäre schon viel dafür getan. Und dies betrifft nicht nur die höchsten Spielklassen. Denn bei den Herren, vor allem im Fußball, findet man auch bis in die untersten Ligen große Berichte.

Waren Sie mit ihrer Bundesligasaison in Nördlingen zufrieden?
Insgesamt war ich sehr zufrieden. Ich musste mich zwar erst etwas an das Niveau gewöhnen. Aber ich habe super viel gelernt, hatte sehr nette Mitspielerinnen, ein tolles Umfeld und konnte mich gut weiterentwickeln und Erfahrungen sammeln. Allerdings haben wir unser Saisonziel, die Play-offs, knapp um einen Platz verpasst. Das war etwas ärgerlich, weil dabei auch Corona eine Rolle gespielt hat.

Gibt es noch Kontakte zum TSV Towers Speyer-Schifferstadt und zum Tennisclub Weiss-Rot?
Ja, ein paar Freunde von mir spielen noch bei den Towers, und wenn ich mal zu Hause bin und in der Halle trainieren möchte, bin ich auch mit meinen alten Coaches und dem TSV in Kontakt. Zu einem Spiel habe ich es letzte Saison leider nicht geschafft. Aber ich drücke trotzdem immer die Daumen und verfolge alles ein bisschen. Auf dem Tennisplatz schaue ich eigentlich auch immer vorbei, wenn ich hier bin. Entweder ich schlage selber ein paar Bälle, oder ich schaue Freunden bei Spielen zu. In den Sommerferien habe ich auch ein bisschen Training gegeben.

Wie kam es zum Wechsel nach Kanada?
Es war schon immer mein Traum, mal am College in den USA oder in Kanada Basketball zu spielen, weil dort der Sport viel größer und auf einem professionelleren Level ist, als hier in Deutschland. Ich war mit mehreren Leuten in Kontakt, die mir ein Profil erstellt haben, welches dann für viele College-Coaches sichtbar war. Diese konnten sich dann bei Interesse bei mir melden und mit mir in Kontakt treten, und nach einigen Zoom-Calls habe ich mich dann bewusst für Kanada und für Acadia entschieden.

Wie ist die Saison dort organisiert?
Dort beginnt die Vorbereitung Anfang September. Im Oktober haben wir viele Freundschaftsspiele, und Ende Oktober beginnt dann die Saison. Wir sind in Conferences nach Lage der Universitäten aufgeteilt, und innerhalb der Conference spielt man je zweimal gegeneinander. Ende Februar gibt es dann die Conference Championships, wo der Meister der jeweiligen Konferenz ausgespielt wird. Im März sind dann die National Championships, also ein Turnier um die kanadische Meisterschaft, wo man auch gegen Teams aus den anderen Conferences spielt.

Wie sieht Ihr Tagesablauf in Kanada aus?
Unter der Woche wird es voraussichtlich ungefähr so aussehen: Morgens eine Stunde Individualtraining, danach Uni, also Classes bis mittags oder nachmittags, dann am späten Nachmittag Teamtraining und danach noch alle zwei Tage Krafttraining. Freitag und Samstag haben wir dann meistens Spiele.

Wie verabschiedeten sie sich aus Deutschland?
Ich habe in den letzten Wochen versucht, noch mal alle meine Freunde in Deutschland abzuklappern. Die letzten Tage habe ich hier mit meiner Familie genossen, die mich zum Flughafen gebracht haben.

Wen werden Sie am meisten vermissen?
An erster Stelle vermutlich meine Mutter, meinen Vater und meine Schwester. Ich denke aber, auch ohne meine besten Freunde wird es nicht leicht.

Kommen Sie über Weihnachten zurück?
Das ist der Plan, ja. Ob das aber wirklich klappt, hängt davon ab, wann im Dezember ich meine letzten Exams schreiben muss. Denn wenn sie erst spät sind, lohnt es sich kaum. Wir beginnen am 28. Dezember wieder mit Training. Dementsprechend muss ich am 27. spätestens wieder in Kanada sein.

Ist Ihr nächstes Ziel die A-Nationalmannschaft?
Es ist auf jeden Fall ein Traum, ja. Ob dieses Ziel wirklich realistisch ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Ich lasse das alles auf mich zukommen und versuche, mir da keinen Druck zu machen. Ich bin definitiv auch für meine Zeit mit den U-Nationalmannschaften dankbar. Denn damit konnte ich mir schon einen Traum erfüllen.

Wie sind die Aussichten der Fußball-Frauennationalmannschaft 2023 in Australien und Neuseeland?
Ich glaube, die Aussichten sind sehr gut, ehrlich gesagt. Man hat ja bei der EM in England gesehen, wieviel Potenzial das deutsche Team hat und wie toll der Zusammenhalt und Teamgeist ist. Außerdem haben sie noch einige sehr junge Spielerinnen, die super schnell und unbekümmert das deutsche Spiel verbessern. Wenn die Mannschaft so auftritt wie in England, können wir uns, glaube ich, sehr auf die WM nächstes Jahr freuen. Ich tue das auf jeden Fall.

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