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Bilden die Autofahrer im Stau eine Rettungsgasse? Auch das kontrolliert die Autobahnpolizei – hier bei einer Aktion im November
Bilden die Autofahrer im Stau eine Rettungsgasse? Auch das kontrolliert die Autobahnpolizei – hier bei einer Aktion im November 2017. Archivfoto: Kunz

Für 244 Kilometer Autobahn und Bundesstraße sind Holger Bambach und seine Kollegen von der Autobahnpolizei zuständig. Seit einem Jahr leitet der 48-Jährige die Station in Ruchheim. Ein fordernder Job.

Erst neulich war Holger Bambach bei einem Einsatz auf der Autobahn – ein Unfall mit einem Verletzten. Er kniete sich neben das Unfallopfer und half, als Lastwagen mit vollem Tempo und hupend an ihm vorbeifuhren. Es sind Situationen wie diese, die den 48-Jährigen ärgern, ihn aufwühlen. „Es ist sehr erschreckend, wenn man den Egoismus der meisten Leute sieht“, sagt Bambach beim Gespräch in der Polizeiautobahnstation Ruchheim. „Viele haben Rechte, aber keiner mehr Pflichten“, ist sein Eindruck – sei es in Staus, wo keine Rettungsgasse gebildet wird oder aber in derselben Privat-Pkw hinter Einsatzfahrzeugen herfahren.

Von der Post zur Polizei

Seit einem Jahr leitet Holger Bambach die Autobahnpolizei Ruchheim. „Wenn es irgendetwas gibt, wo ich nicht hinwollte, ist es die Autobahn“, sagt er. Unter Kollegen sei diese als „Geradeaus-Polizei“ verschrien. Schließlich ist das die einzige Richtung auf der Schnellstraße. Nach einem „kurzen, heftigen Meinungsaustausch“ habe sein Ex-Chef ihn aber doch überzeugt, sagt er schmunzelnd. Das ist ein paar Jahre her. Denn sein Weg auf der Autobahn begann schon früher.

Obwohl der Mann aus dem Landkreis Birkenfeld bei Idar-Oberstein zuerst eine Ausbildung bei der Post gemacht und bei ihr auch eine Weile gearbeitet hatte, bewarb er sich dann noch bei der Polizei. Er war bei der Bereitschaftspolizei in Enkenbach, dann an verschiedenen Stellen beim Polizeipräsidium Rheinpfalz. Bei der Kriminalpolizei Neustadt arbeitete er als Sachgebietsleiter Fahndung.

Dabei hatte Bambach auch mit Fällen aus dem Programm „Visier“ zu tun, das sich mit entlassenen, rückfallgefährdeten Straftätern beschäftigt, darunter viele Sexualstraftäter. „Das war mit die belastendste Zeit“, sagt er rückblickend. Die Gespräche mit den Tätern, „die Schicksale, die dahinter stecken“. „Als Polizist ist man es gewohnt, Probleme zu lösen“, doch das konnte man dabei nicht. Die Menschen hatten ja ihre Strafe abgesessen. „Ich bin selbst Vater“, sagt der Mann, der mit seiner Frau und seinem 19-jährigen Sohn in Neustadt lebt. Viele der Fälle nahm er im Kopf mit nach Hause.

Als Fahnder auf die Autobahn

2015 wechselte er zur Fahndung Zentrale Verkehrsdienste, auch Autobahnfahndung genannt. „Alle überörtlichen Täter müssen früher oder später über die Autobahn“, sagt Bambach. Von Bundesländergrenzen lassen sie sich nicht aufhalten. So begann schon damals sein Engagement für die länderübergreifende Arbeit, die ihm bis heute ein besonderes Anliegen ist. Bambach begann schnell, sich für die Arbeit „auf der Straße“, zu begeistern. „Ich hätte nie gedacht, dass man da so erfolgreich sein kann“, sagt er im Hinblick auf Drogenkurierfahrten, die er und seine Kollegen ebenso entdeckten wie verdächtige Fahrzeuge mit reisenden Tätern.

Als Chef in Ruchheim hat der Kriminalhauptkommissar rund 40 Mitarbeiter. Er hofft auf mehr Personal. Denn zu den Aufgaben gehört mehr, als den Verkehr zu überwachsen und Unfälle aufzunehmen; so etwa die Bekämpfung von Kriminalität. Man versuche beispielsweise verstärkt, Verkehrsrowdys aus dem Verkehr zu ziehen. „Wir haben sehr viel mit Lkw-Kontrollen zu tun“, so Bambach. Das ergebe sich aus der A 61, auf der viele der großen Fahrzeuge unterwegs sind. Dieses Jahr hätten seine Kollegen außerdem bereits 20 gefälschte Dokumente gefunden und in fast 180 Fällen Blutentnahmen angeordnet, wegen Verdachts auf Alkohol- oder Drogenkonsum. Ein vielfältiger Job also und keineswegs nur „geradeaus“. Er und seine Kollegen sind für insgesamt 244 Kilometer Autobahn und Bundesstraße zuständig.

Den Ausgleich zum Job findet er beim Fitnesstraining und Mountainbike-Fahren. Er sagt über sich: „Ich habe eine große Stärke und eine große Schwäche: meine Emotionalität.“ Was auch mit seiner Vergangenheit zusammenhängt. Als er 13 Jahre alt war, wurden Bambach und seine Geschwister zu Vollwaisen. Seine damals 24-jährige Schwester übernahm die Vormundschaft für ihn.

H. Bambach
H. Bambach Foto: KUNZ
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