Speyer
Aktionstag: Speyers Gesundheitsbranche zeigt „Luxusversorgung“
Die Probe aufs Exempel gehört an diesem Tag dazu. Ein Beispiel: die Fahrt mit einem Rollstuhl. Schnell wird bewusst: Da gehört was dazu. Bei einem Angebot des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses kurven die Besucher um Hütchen. Beim Runden Tisch Inklusion geht es eine Nummer härter: über Hindernisse nämlich. Die – das ist das wirklich Erschreckende – sind im Alltag für Rollstuhlfahrer normal.
Bordsteinkante, Wippe, Schräge – Herausforderungen dieser Art lassen sich nicht leicht bewältigen. Höchstleistungen muss der Kopf beim ungewohnten Lenken vollbringen, Kraft braucht es ebenso. Und die Hoffnung, dass im Ernstfall jemand da ist, der hilft. Ein Stempel auf dem Laufzettel, der von den Pravo-Verantwortlichen ausgegeben wird, ist der Beweis, diese „Prüfung“ bestanden zu haben.
Evi Weis, die den Stand mitbetreut, ist Sportinklusionslotsin und berichtet Positives von den Rückmeldungen der Besucher im Domgarten. „Viele haben sich erkundigt und ließen sich über unsere Angebote aufklären.“ Sie sieht in den Vereinen viel Potenzial, was das Thema Inklusion angeht.
Schienen auf Holzbasis
Beim St.-Vincentius-Krankenhaus geht es unter anderem ums Atmen. Das ist ein großes Thema seit ein paar Jahren, wie Pflegedirektorin Monika Heidenmann anmerkt. Aufmerksamkeit zieht aber auch eine Neuerung auf sich: „Das sind Schienen auf Holzbasis“, erklärt Fachkraft Melanie Müller. Sie sollen helfen, um zum Beispiel Knochenbrüche zu heilen. Speziell zu ihrer Anfertigung werden Akazienbäume angepflanzt. „Sie können bis zu 20 Mal erwärmt und dem Patienten angepasst werden.“ Seit vier Monaten ist das neue Material im Einsatz. „Es deckt jede Art von Fraktur ab“, sagt die Klinik-Mitarbeiterin.
Die Sturzprävention steht am Stand der Physiotherapiepraxis Theraneos im Vordergrund. Dazu sind drei Wackelbretter aufgebaut. Erste Erkenntnis: Nicht nur ältere Menschen haben Probleme, auf diesen zu balancieren und dabei Übungen zu machen. „Die Nachfrage ist groß“, macht Sporttherapeutin Jeanette Ohl deutlich. Im Fall der Gesundheitstag-Besucher werde der Wunsch der Menschen nach präventiven Maßnahmen deutlich. Bedient werden können nicht alle sofort. „Wir arbeiten mit Wartelisten“, sagt Jürgen Kinzel vom Empfang der Praxis.
Hörtests im Domgarten
Nacheinander an der Reihe sind Interessenten am Stand der Hörakustik. An diesem geben Schnelltests, die mittels Anweisungen über einen Kopfhörer gemacht werden, einen ersten Aufschluss über das Hörvermögen. Mit dabei: Sandra Kappner vom Therapiezentrum Hören in Speyer, 2020 eröffnet. Neben dem schon lange bekannten Tinnitus nennt sie die Hyperakusis – eine Überempfindlichkeit bei Geräuschen – als mittlerweile häufiges Problem. „Aktuell sind vor allem die 35- bis 55-Jährigen betroffen.“
Die Pravo-Verantwortlichen betrachten das Kommen und Gehen an den Ständen aufmerksam. Ihr Sprecher Dr. Manfred Schmitt zeigt sich zufrieden mit der Aktion, zu der auch ein musikalisch-sportliches Bühnenprogramm gehört: „Wir haben ein gutes, vielfältiges Programm, die Menschen können sich informieren und aktiv etwas tun“, fasst er zusammen. Gewünscht hätte sich Schmitt lediglich mehr Beteiligung von Vereinen. Der Segelclub ist als einziger vor Ort. Medizinerkollege Clemens Bengert ergänzt: „Die Veranstaltung spiegelt das Praxisnetz und die Tatsache, dass wir medizinisch eine Luxusversorgung anbieten können.“