Saarbrücken
ZF: Verkauf des Werks vom Tisch – Hoffnung für die Mitarbeiter
Zwei Monate – so lange mussten die 8500 Beschäftigten im Saarbrücker Werk des Autozulieferers ZF warten, bis nun endlich klar ist, wie es weitergeht. In einem sogenannten Bündnispapier wurde Ende Juli vereinbart, dass alle Werke gesondert Berichte ausarbeiten. Dann erst sollte eine Entscheidung fallen, wie es weitergeht.
Jetzt steht fest: Der Verkauf der gesamten Division E und damit auch der Verkauf des Saarbrücker Werks ist vom Tisch. Das berichtet Patrick Selzer, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall Saarbrücken, der RHEINPFALZ am Mittwochmittag. Die Division E sei laut der Pressestelle von ZF deutschlandweit der größte Geschäftsbereich – dort würde der meiste Umsatz gemacht, und dort arbeiten innerhalb des Konzerns die meisten Menschen. Die Division E soll aus eigener Kraft restrukturiert werden, bestätigt ZF gegenüber unserer Zeitung.
Konkrete Zahlen für Saarbrücker Werk Ende Oktober
Stand seit Monaten die Zahl von 14.000 Jobs im Raum, die ZF in ganz Deutschland bis 2030 abbauen wollte, seien es nun laut Konzern final 7600 Stellen. Auch in Saarbrücken sollen in den nächsten zwei Jahren weniger Stellen abgebaut werden, als bisher geplant, sagt Selzer. Diese bundesweite Reduzierung „schlägt sich auch in den Planzahlen für den Standort Saarbrücken nieder. Dort wird sich die Zahl, die bislang genannt wurde, ebenfalls spürbar reduzieren. Alles in allem ein Erfolg für den Erhalt der Beschäftigung“, sagt Selzer.
Wie viele Jobs in Saarbrücken konkret abgebaut werden sollen, werde „erst veröffentlicht, wenn die Belegschaft aus erster Hand im Betrieb und zum Gesamtkonzept informiert wurde“. Das soll Ende Oktober auf einer Betriebsversammlung geschehen. Ende Juli war von rund 4500 Stellen und somit über die Hälfte der Jobs die Rede. Diese Zahl solle „spürbar reduziert“ werden, so Selzer.
ZF: Betriebsbedingte Kündigungen vermeiden
Betriebsbedingte Kündigungen wolle man aber, so IG Metall und Konzern, vermeiden. Stattdessen starte laut Konzern neben dem bisherigen Modell der Altersteilzeit ein Abfindungsprogramm, ergänzt durch Qualifizierungs- und Transfermaßnahmen. ZF unterstütze Betroffene bei ihrer beruflichen Neuorientierung.
Das „Gießkannenprinzip“, wonach an jedem Werk in Deutschland eine Anzahl an X Jobs gestrichen werde, „egal, ob es Sinn macht, oder nicht, haben wir jetzt durchbrochen“, erläutert Selzer. Im vereinbarten Bündnispapier legten die einzelnen Werke ihre Berichte vor. Mithilfe dieser Berichte habe sich die Konzernleitung einen Überblick verschafft. „Es gibt jetzt eine grobe Planung seitens des Konzerns.“ Mathias Miedreich, Vorstandsvorsitzender von ZF, spricht beim Bündnis von einem „Meilenstein für ZF“.
Tariferhöhung 2026 um halbes Jahr verschoben
„Ziel ist, unsere Position als technologisch führender Top-Player im Markt langfristig zu stärken und unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu steigern. Uns ist bewusst, dass der Weg dorthin mit harten Einschnitten für unsere Mitarbeitenden einhergeht.“ So soll unter anderem die für April 2026 vorgesehene tarifliche Lohnerhöhung von 3,1 Prozent auf Oktober 2026 verschoben werden; für außertariflich Beschäftigte entfällt laut Konzern außerdem die jährliche Entgeltüberprüfung.
„Nun gilt es, zum Wohl des Unternehmens diese schweren Zeiten gemeinsam zu meistern. Wir haben mit dem Bündnis die richtigen Weichen gestellt“, so Miedreich. Patrick Selzer und Barbara Resch, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von ZF, sind sich einig, dass man mit dem Bündnis „eine klare Perspektive“ geschaffen habe.
Bis 2027 über eine halbe Milliarde Euro Kosten sparen
Ein für Selzer großer Erfolg ist, dass die Geschäftsführung nun auf die einzelnen Bereiche in den Werken schaue – und dann entscheidet, an welchen Stellen es wirklich sinnvoll sei, Arbeitsplätze zu streichen. „Wir können jetzt über örtliche Lösungsansätze sprechen, die passgenau sind für die Situation des Standorts.“
War Ende Juli noch von einer großflächigen Arbeitszeitabsenkung die Rede, sei es gelungen, das nur dort anzuwenden, wo es Überkapazitäten gebe. Das komme nur in Einzelfällen zum Tragen. Unter 32,5 Stunden sollen die betroffenen Mitarbeiter aber nicht fallen. Den Bereich der Produktion betreffe es nicht. Wie viele das betrifft, stehe noch nicht fest. Lediglich klar ist, dass es „ein ganz kleiner Anteil“ der 8500 Beschäftigten sein werde.
Ein Interessenausgleich regele den Prozess bis Ende 2027. Klar sei aber: „In den nächsten zwei Jahren müssen wir den Turn-around schaffen.“ Wenn bis dahin die Maßnahmen nicht gefruchtet hätten, mache es wenig Sinn, so weiterzumachen. Denn 2024 hatte der Konzern knapp eine Milliarde Euro Schulden gemacht. Grund seien unter anderem erhebliche Auftragseinbrüche. Nun möchte ZF bis 2027 Kosten von mehr als einer halben Milliarde Euro einsparen.