Homburg / Saarbrücken
Wissenschaftler errechnen im Saarland die bundesweit höchste Covid-Reproduktionszahl
Die Reproduktionsrate 2 bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt zwei Menschen ansteckt. Wissenschaftler der Uni Saarbrücken und Forscher der Virologie und der Intensivmedizin an der Uniklinik Homburg haben ein mathematisches Modell entwickelt, das präzise Ergebnisse für alle Bundesländer liefert. Bleibt die Ansteckungsrate unverändert, hält der sogenannte Online-Simulator der Saar-Uni in zwei bis drei Wochen 20.000 neue Infektionsfälle pro Tag für ganz Deutschland für möglich.
Dann erwartet Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Saar-Universität, eine deutliche Zunahme der Bettenbelegung in den Kliniken. „Hält die Infektionslage so an wie derzeit, erwarten wir in einzelnen Bundesländern wie dem Saarland in zwei bis vier Wochen ähnlich viele Covid-19-Patienten auf den Normal- und Intensivstationen wie in den Spitzenzeiten Mitte April.“
Lockerungen, die im Saarland erst vor wenigen Tagen bei den Regeln für Besuche in Pflegeheimen erlassen wurden, hat das Saarbrücker Gesundheitsministerium am Donnerstag, 15. Oktober, wieder zurückgenommen. Zur Begründung hieß es, die Lage sei sehr beunruhigend.
Hohe Werte in Kreisen Neunkirchen, St. Wendel und Merzig-Wadern
Seit Dienstag, 13. Oktober, gilt der Landkreis Neunkirchen als Corona-Risikogebiet: Dort wurde die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern überschritten. Am Mittwochabend betrug diese sogenannte Inzidenzzahl den Wert 79,4. Im Kreis Merzig-Wadern wurde die 50er-Marke erneut gerissen: Dort belief sich die Inzidenz am Donnerstag, 15. Oktober , auf 62,9.
Das dritte Risikogebiet im Saarland ist der Kreis St. Wendel: Dort betrug die Inzidenzzahl am Mittwochabend 119,5. Die meisten akuten Coronafälle wurden dort aus der Stadt St. Wendel (112) und aus Marpingen (86) gemeldet. Die St. Wendeler Stadtverwaltung hat jetzt ihren Sicherheitsdienst, der die Einhaltung der Corona-Regeln am Bahnhof und in Gaststätten kontrolliert, personell aufgestockt. Und das Ordnungsamt beschäftigt inzwischen zwei weitere Hilfspolizisten.
Menschen aus Risikogebieten dürfen Blut spenden
Nach Auskunft des saarländischen Gesundheitsministeriums dürfen Bewohner eines Corona-Risikolandkreises „weiterhin ohne Einschränkungen Blut spenden“. Dies sei zulässig, wenn der Spender keinen Kontakt zu Corona-Infizierten und akut Covid-Erkrankten hatte, wenn er fieberfrei und auch ohne Krankheitssymptome ist.
Saarpfalz-Kreis
Corona-Infiziertenzahl am Donnerstag, 15. Oktober
Aktuelle Inzidenzzahl: 37,38 (Mittwoch 35,16)
- Homburg: 137 (Mittwoch 134)
- St. Ingbert: 198 (Mittwoch 195)
- Blieskastel: 67 (Mittwoch 66)
- Mandelbachtal: 47 (Mittwoch 46)
- Kirkel: 42 (Mittwoch 42)
- Bexbach: 39 (Mittwoch 37)
- Gersheim: 7 (Mittwoch 7)