Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Weg mit dem alten Waldstadion und her mit einem neuen?

Das Homburger Waldstadion in der Kurt-Conrad-Straße bietet Platz für über 16.000 Zuschauer.
Das Homburger Waldstadion in der Kurt-Conrad-Straße bietet Platz für über 16.000 Zuschauer.

Wenn es nach Jörg Kühn geht, hat das Homburger Waldstadion ausgedient. Der FDP-Fraktionschef bezeichnete das Stadion als „Millionengrab“. Grund ist auch der mögliche Aufstieg des 1. FC Homburg in die Dritte Fußball-Bundesliga.

Jörg Kühn ist Rechtsanwalt und stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat des FC Homburg. Er sollte also um den Zustand des Homburger Waldstadions wissen. Besagter Zustand ist „mit marode noch sehr vornehm umschrieben“, sagte Kühn auf der Stadtratssitzung am Dienstag. Deshalb hatte der Stadtrat schon vor Jahren entschieden: Eine Sanierung muss her.

Kühn hält das Stadion für ein „Millionengrab“

Die mit anfänglich dreieinhalb Millionen Euro veranschlagte Rundum-Erneuerung wurde aber immer teurer – Grund waren neben Corona und des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine auch die extreme Inflation.

Mittlerweile steht gut das Dreifache an Geld im Raum: über 10,5 Millionen Euro müssten ins Stadion gesteckt werden. Eine solche Investition – die vielleicht noch einmal steigen würde – hält Jörg Kühn „nicht unbedingt für zielführend“. Diesen vermeintlich milden Worten folgte eine Beschreibung, die das Ausmaß des Stadions deutlich macht: „Ich befürchte hier im Stadion ein Millionengrab.“

Stadion würde DFB-Vorgaben nicht erfüllen

Seiner ernsten Rede folgte ein weiteres Argument. Kühn hofft „persönlich doch sehr – wir sind ja nah dran –, dass wir in diesem Jahr in die Dritte Liga aufsteigen“. Dieser Aufstieg würde sicher viele Homburger freuen – für den 1. FC Homburg und insbesondere fürs Stadion würde das gleich eine ganze Reihe von Problemen bedeuten. Der DFB gibt nämlich so einiges vor. Erst, wenn all diese Auflagen erfüllt sind, erlaubt der DFB die Ausübung von Drittligaspielen. Diese Vorgaben sind für alle Stadien von Vereinen in derselben Liga gleich – da das Homburger Waldstadion aber derart mangelhaft ausgestattet ist, hätte der Verein dann schlechte Karten, überhaupt Heimspiele austragen zu können, falls der Verein aufsteigen würde. „Stadien der 3. Liga müssen über eine Zuschauerkapazität von mehr als 10.000 Plätzen, davon mindestens 2000 Sitzplätze verfügen“, schreibt der DFB. Im Waldstadion gibt’s rund 700 Sitzplätze zu wenig, sagt Kühn. Ihm fehlt „jegliche Fantasie“, wo die restlichen Sitzplätze hinkommen sollen.

Von der Liste des DFB las er auch die Anforderung von mindestens 600 Quadratmeter befestigter Stellplätze und zusätzlich 50 bis 70 Stellplätze für TV-Technik. Zudem muss das Stadion eine Zentrale bieten, in der Polizeibeamte die Sicherheit kontrollieren können; „die Lautsprecher- und eventuell auch die Flutlichtanlage muss erneuert werden“, sagt Kühn. Außerdem sei im Fall eines Aufstiegs auch eine Sicherheitseinsatzzentrale für die Videoüberwachung sowie ein medizinischer Behandlungsraum für Spieler und Offizielle vonnöten. Das sind nur ein paar der Punkte, die der DFB für Drittligastadien vorschreibt. Der FDP-Politiker ersparte seinen Ratskollegen eine weitere Aufzählung – der Umstand, dass das Waldstadion so oder so nicht für Drittligaspiele ausgestattet ist, hatte er ohnehin deutlich gemacht.

Kühn: Geld vom Wohngebiet könnte in neues Stadion gesteckt werden

Für Jörg Kühn ließen all diese Punkte nur eine Schlussfolgerung zu: Ein neues Stadion, bei dem man all diese Vorgaben berücksichtigen kann, muss her. „Ich halte es für viel sinnvoller, sich zumindest mal Gedanken darüber zu machen, wo ein solches Stadion eventuell neu errichtet werden könnte.“ Das hält er für „wirtschaftlich viel sinnvoller, als weiter dort ins Stadion zu investieren“. Kühn schlug vor, das Waldstadion und die ums Stadion gelegenen Sportflächen in ein Bau- und Wohngebiet umzuwandeln. Das würde einiges an Geld in den Stadtsäckel spülen; dieses könnte wiederum „dann auch verwendet werden zum Bau eines neuen Stadions“.

CDU-Fraktionschef Michael Rippel gab zu bedenken, ob die Verwaltung „personell überhaupt dazu in der Lage“ sei, „nach einem geeigneten Grundstück zu suchen?“ Schließlich bestünde die Aufgabe dann nicht nur im Finden eines Grundstücks, sondern auch andere Aspekte wie Verkehrsanbindungen oder der Infrastruktur. Würde ein weiteres Expertenbüro hinzugezogen, würde das weitere Kosten bedeuten. Er schlug vor, „erst mal alle Fakten auf dem Tisch“ zu haben, bevor man die Situation prüfen ließe.

Spaniol: Wie kann man Fans bei Unwettern vor Regen schützen?

Barbara Spaniol (Linken-Fraktionschefin und Vorsitzende der Saar-Linken) brachte Fragen auf den Tisch, die die Fans vor Ort „gerade beschäftigen“. Eine davon: Wie kann man die Zuschauer im Stadion bei Unwettern vor Regen schützen? Sie findet es „sehr, sehr schwierig, einfach mal so direkt zu sagen: Wir ändern jetzt insgesamt die Richtung“, sagt sie und bezieht sich auf Kühns Vorschlag eines Stadionneubaus. Der stellte klar: „Ich habe nicht gesagt, dass das Stadion nicht sanierungsfähig ist.“ Er habe sich in seinem Antrag zum Prüfauftrag auf einen möglichen Aufstieg in die Dritte „oder gar in die Zweite Liga“ bezogen. „Ich finde es kurzfristig gedacht, jetzt zu sagen: Wollen wir zehn, zwölf, 14 Millionen, und wir haben dann ein Stadion, das nicht in der Lage ist, den Drittliga-Vorgaben des DFB nachzukommen?“

Verwaltung prüft passenden Platz für möglichen Neubau

Der Stadtrat beschloss am Ende der halbstündigen Debatte mehrheitlich, der Stadtverwaltung einen Prüfauftrag zu erteilen. Dabei geht es um die Fragen, ob es im Stadtgebiet eine geeignete Fläche gibt, um dort ein neues Fußballstadion zu bauen – und ob es möglich ist, das Stadion und die angrenzenden Sportflächen in ein Wohngebiet umzuwandeln. Das Thema soll in einer nächsten Ratssitzung noch einmal besprochen werden. Dann wird auch über die Ergebnisse der Prüfung berichtet.

Der Stadtrat beschloss, der Stadtverwaltung einen Prüfauftrag zu erteilen. Links auf der Leinwand sieht man das Stadion in Vogel
Der Stadtrat beschloss, der Stadtverwaltung einen Prüfauftrag zu erteilen. Links auf der Leinwand sieht man das Stadion in Vogelperspektive.
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