Neunkirchen Mit Größen der Filmindustrie: Neunkirchen will ein neues Image
Bei der 14. Verleihung des Günter-Rohrbach-Filmpreises konnte erstmals der Namenspatron nicht dabei sein: Inzwischen 96 Jahre alt, blieb der 1928 in Neunkirchen geborene Filmproduzent („Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, „Aimée und Jaguar“), am Freitag aus gesundheitlichen Gründen seiner Heimatstadt fern. Dort, bei der Filmpreis-Gala in der Gebläsehalle, beteuerte der Schauspieler Peter Lohmeyer als Moderator des Abends, dass Rohrbachs Unpässlichkeit „nichts Schlimmes“, sondern „nur was Orthopädisches“ sei, was ihn ein paar Tage lang am Gehen hindere.
Das herbstliche Schaulaufen von Größen der deutschen Filmindustrie ist Teil des Bemühens der Stadt Neunkirchen, ihr Image als rostiger Eisenhüttenstandort abzuschütteln und sich als Show- und Musicalstadt neu zu erfinden. Mit seiner unfreiwilligen Abwesenheit blieb Günter Rohrbach am Freitag nicht alleine: Auch Liv Lisa Fries („Babylon Berlin“), die für ihre Rolle im Widerstandsdrama „In Liebe, Eure Hilde“ als beste Schauspielerin geehrt werden sollte, und Adrian Goiginger, der Regisseur des österreichischen Siegerfilms „Rickerl“, ließen sich entschuldigen. Fries war im letzten Moment erkrankt; Goiginger ist in der Steiermark schon wieder mit Dreharbeiten beschäftigt. Liedermacher Voodoo Jürgens, der dem herzigen „Rickerl“ als Hauptdarsteller und Chefmusiker seinen Stempel aufgedrückt hat, hat genauso wie Liv Lis Fries versprochen, seinen Preis im kommenden Jahr persönlich in Neunkirchen abzuholen.
Liv Lisa Fries will ihren Besuch nachholen
So, wie es Mišel Matičević diesmal getan hat. Bereits 2020 bei seiner Ehrung als bester Schauspieler (Spielfilm „Exil“) abwesend, ließ sich der Akteur seinen Preis ebenso am Freitag in der Gebläsehalle nachreichen wie Johannes Duncker und Ilker Catak, die beiden Drehbuchautoren des 2023 international erfolgreichen Streifens „Das Lehrerzimmer“.
Ohne Kinofilm im Rücken war Marc Brummund ins Rennen um den Günter-Rohrbach-Preis gegangen. Gleichwohl hat er sich die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung „Beste Regie“ vollauf verdient: Mit dem TV-Film „Ein Mann seiner Klasse“ über einen in Armut und häuslicher Gewalt in Kaiserslautern aufwachsenden Zehnjährigen hatte der Regisseur einen vieldiskutierten, aufrüttelnden Höhepunkt im deutschen Fernsehprogramm des Jahres 2024 abgeliefert. Einen Film voller „schockierender Momente, bei denen der Atem stockt“, wie „Tatort“-Kommissarin Lisa Bitter als Jurymitglied in ihrer Laudatio für Marc Brummund bemerkte.
„Abitur im falschen Bundesland“
Als Gast im saarländischen Neunkirchen entschuldigte sich der Geehrte dafür, dass er 1994 sein Abitur „im falschen Bundesland“ abgelegt habe. „Das war aber hier ganz in der Nähe, in Zweebrigge.“ Seit er als Regisseur den knallharten Stoff verarbeiten musste, den sich der Lauterer Autor Christian Baron mit seinem autobiografischen Buch „Ein Mann seiner Klasse“ von der Seele geschrieben hat, „weiß ich erst so richtig, was für ein Privileg das ist, überhaupt Abitur machen zu dürfen“.
Der Fernsehfilm spielt anno 1994. „Das war genau das Jahr, in dem ich schon mal hier war, im früheren Eisenwerk“, erinnerte Brummund an einige Filmszenen, die er hier einst als Student abgedreht hatte; zusammen mit Zweibrücker Kumpels wie Marc Raguse, den er am Freitag kurzerhand zum Filmfestival nach Neunkirchen mitgebracht hat. „Das waren damals Aufnahmen für die Akademie in Hamburg. Dort hatte ich das erste Mal mit Günter Rohrbach zu tun.“
Günter-Rohrbach-Filmpreis 2024: Die Gewinner
Günter-Rohrbach-Filmpreis für den besten Film, dotiert mit 10.00 Euro: „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“. Auszeichnung für Regisseur Adrian Goiginger und Produzent Gerrit Klein
Beste Schauspielleistung: Liv Lisa Fries für in „In Liebe, Eure Hilde“
Beste Regie: Marc Brummund für „Ein Mann seiner Klasse“
Beste Kamera: Reinhold Vorschneider für „Verbrannte Erde“
Preis des Neunkircher Oberbürgermeisters: Voodoo Jürgens für seine Schauspielleistung und Musik in „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“