Saarbrücken
Landgericht fällt Urteil: Mann soll seine Oma getötet haben
Hat der Enkel, der seine 91-jährige Oma getötet haben soll, heimtückisch gehandelt oder nicht? Das Landgericht Saarbrücken hatte in seinem Urteil eine andere Meinung als die Staatsanwaltschaft.
Und das Urteil fiel schnell: Vor knapp drei Wochen hatte der Prozess vor dem Saarbrücker Landgericht gegen den 37 Jahre alten Mann begonnen, dem vorgeworfen wird, seine bettlägerige Großmutter mit mehreren Faustschlägen getötet zu haben. Der Angeklagte ist nun am Dienstag zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Saarbrücken ordnete die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wie ein Sprecher mitteilte. Der Angeklagte ist derzeit bereits in der Saarländischen Klinik für Forensische Psychiatrie untergebracht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Landgericht: Ein Mordmerkmal lag nicht vor
Der Deutsche wurde wegen Totschlags und Körperverletzung verurteilt. Dabei soll er im März dieses Jahres in Püttlingen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt haben. Nach Auffassung der Kammer habe im Ergebnis der Beweisaufnahme das Mordmerkmal der Heimtücke nicht vorgelegen.
Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch Heimtücke angenommen und wegen Mordes eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert. Die Anklage war aber auch von verminderter Schuldfähigkeit ausgegangen. Die Verteidigung hatte auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert. Einen Antrag auf eine bestimmte Dauer einer Freiheitsstrafe stellte sie nicht.
Angeklagter griff auch Vater und Bruder an
Der Enkel des 91 Jahre alten Opfers konsumiert der Anklage zufolge seit Jahren Betäubungsmittel und Cannabis und leidet deshalb unter einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und unter Polytoxikomanie (Mehrfachabhängigkeit).
Am Tattag habe er erhebliche Mengen Betäubungsmittel und Cannabis zu sich genommen und halluziniert, dass der Teufel mit ihm reden würde. Mehrfach habe er mit den Fäusten in das Gesicht und auf den Körper seiner wehrlosen Großmutter eingeschlagen, die aufgrund ihres allgemeinen Gesundheitszustandes nur noch apathisch im Bett lag.
Nur sein Vater konnte den 37-Jährigen von weiteren Schlägen abhalten. Dabei wurde dieser von seinem Sohn ebenso verletzt wie dessen Bruder, der dem Vater helfen wollte. Die 91-Jährige starb eine Woche später in einem Krankenhaus an den Folgen der Schläge.