Homburg
Karlsberg-Bilanz bleibt im Corona-Jahr stabil
„2020 war ein absolutes Ausnahmejahr“, führt Markus Meyer, Geschäftsführer der Karlsberg Brauerei GmbH, den Umsatzrückgang von 125,8 Millionen Euro auf 112,9 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2020 vor allem auf die Corona-Pandemie zurück. „Wir haben fast zehn Prozent des Gesamtumsatzes verloren“, spricht Meyer von einem Rückgang beim Fassbierverkauf um 6,8 Millionen Euro, während man bei den Getränkedosen ein Minus um 2,9 Millionen Euro verzeichnete. Im Flaschenverkauf meldet Karlsberg hingegen keine Verluste: Dort hielt sich das Geschäft unverändert gegenüber 2019.
In der Gastronomie gingen „fast 50 Prozent der Absatzmenge verloren“, sagte Meyer in der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch, 31. März, die in Form einer Videoschalte abgehalten wurde. Jetzt brauche die Gastronomie „umso mehr unsere Unterstützung, wenn sie wieder aufmachen darf“.
Mit der „Homburger Braunacht“, die traditionsgemäß an einem Samstagabend um den 30. April in den Altstadtkneipen gefeiert wird, kann die Brauerei diese Unterstützung heuer jedoch nicht leisten. „Ein Kneipenereignis mit zentraler Feier auf dem Marktplatz ist wegen der Pandemie immer noch nicht möglich“, kündigt Markus Meyer auch für 2021 eine „digitale Braunacht“ an: Zu dieser können sich die Bierfreunde vorab mit Geschenkkartons eindecken, die drei verschiedene Spezialbiersorten in Flaschen enthalten. Davon soll jenes Hopfengetränk, das den Teilnehmern am besten schmeckt, als Sonderedition zum freien Verkauf in die Getränkemärkte gelangen. So, wie es zurzeit gerade mit dem Karlsberg-Weizenbock der Fall ist, das die Online-Braunacht 2020 gewonnen hatte.
Was öffentliche Veranstaltungen im weiteren Jahresverlauf betrifft – man denke nur an das massenwirksame Bockbierfest im November – bleibt den Karlsberg-Verantwortlichen derzeit nichts anderes übrig, als auf einen finalen Sieg über das Virus mit Impfungen und Tests zu hoffen.
Meyer verspricht frisches Bier für die Kneipen
Auf Nachfrage sagte der Geschäftsführer, dass Karlsberg anno 2020 noch kein Fassbier mangels Gaststättenausschank habe wegschütten müssen. Im Gegensatz zu 2021: „Wenn die Gaststätten wieder öffnen, müssen wir ja dafür sorgen, dass dort neu gebrautes, frisches Bier aus den Hähnen fließt. Deshalb haben wir unser Bier vom Oktober 2020 zurückgenommen, das damals an die Gastronomie ausgeliefert wurde, dort aber nicht verkauft werden konnte.“ Die Rede sei von Bier aus „einer vierstelligen Zahl“ an 50- und 30-Liter-Fässern, das man in der Brauerei notgedrungen habe vernichten müssen.
Karlsberg-Finanzvorstand Martin Adam bestätigt, dass das Geschäft mit den eigenen Spitzenmarken wie Urpils vor allem beim Fassbier und im Exportgeschäft unter Corona gelitten hat. Hier lagen die Umsatzerlöse mit 82 Millionen Euro um rund 10,7 Millionen Euro unter Vorjahresniveau. Das ist ein Einbruch um 11,5 Prozent.
Hygienekonzept im Brauprozess greift
Auch das Brauen selbst musste an die Pandemiebedingungen angepasst werden. „Durch frühzeitig ergriffene Hygienekonzepte konnten größere krankheitsbedingte Störungen des Betriebs aber vermieden werden“, sagt Firmenchef Christian Weber, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt.
Deutlich gewachsen sei das Geschäft mit internationalen Partnermarken, die in Deutschland exklusiv von Karlsberg vertrieben werden. Vor allem dank der Zusammenarbeit mit dem australischen Limonadenhersteller Bundaberg stieg der Gesamtumsatz dieses Segments um 1,3 Millionen Euro, was ein Plus um 16,4 Prozent bedeutet.
Getränke für Covid-Helden an der Uni
Dass das Unternehmen weiterhin regionale Verantwortung übernehme, macht Christian Weber an der Förderung von Vereinen und Veranstaltungen fest. Obwohl die Braunacht 2020 nur als digitale Ersatzveranstaltung möglich war, wurde dort ein Erlös erwirtschaftet, den man dem saarländischen Ableger des Gaststättenverbandes Dehoga spendete – zur Unterstützung der pandemiegeplagten Gastronomie. Und für das gestresste Personal an der Covid-Front in den Homburger Unikliniken hat es 2020 Getränkespenden aus dem Hause Karlsberg gegeben.
Mixery: Marktanteil wächst
Eine Erfolgsgeschichte schreibt die eigene Marke Mixery bei den Biermischgetränken. In diesem Geschäftsfeld bringt es Karlsberg bundesweit inzwischen auf einen Marktanteil von 20,7 Prozent. Gegenüber 2019 stieg hier der Umsatz um 900.000 Euro auf 35,2 Millionen Euro.
Weiterhin positive Erfahrungen macht man nach Markus Meyers Worten mit alkoholfreien Getränken. Unter anderem habe es sich bewährt, dass auf den Etiketten der eigenen alkoholfreien Biersorte jetzt zu allererst der Name Karlsberg zu lesen ist – die alte Bezeichnung Gründels ist optisch in den Hintergrund gerückt.
Trotz Corona-Misere habe man 2020 die Effizienz steigern und Kosten sparen können. Laut Martin Adam wurde die Prognose zum operativen Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda), die einen Betrag zwischen 16 und 19 Millionen Euro genannt hatte, sogar übertroffen – auf 21,3 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss stieg von 8,3 auf neun Millionen Euro. Die Bilanzsumme der Karlsberg Brauerei GmbH betrug zum 31. Dezember exakt 151,3 Millionen Euro und lag damit um rund vier Millionen Euro über dem Vorjahreswert von 147,3 Millionen Euro. „Diese Zahlen sind aber reine Mathematik in einem Ausnahmejahr“, will Adam die frohe Kunde „nicht überbewerten“.
Der Karlsberg-Personalbestand wird für 2020 auf 263 Mitarbeiter beziffert – gegenüber 258 im Jahr davor