Saarbrücken
Großbaustelle auf Uni-Campus: Bald Platz für 200 Wissenschaftler
Der Grundstein fürs Projekt ist gelegt, jetzt geht es ans Eingemachte. Im Fall des Biophysik-Forschungszentrum-Neubaus heißt das: Einen Komplex bauen, in dem 200 Forscher Tür an Tür zusammenarbeiten können. Dazu gehören eine moderne Infrastruktur, Laborflächen, Großgeräte, Büroräume, und, und, und. Ein Ziel des neuen Zentrums ist es, dass die Wissenschaftler sich mit ihren Kollegen auch außerhalb des Unicampus austauschen können.
Das Forschungszentrum soll eine Größe von rund 4000 Quadratmeter haben. Ende 2025 sollen dort die ersten Forschungen starten. Die Saar-Uni soll dann die Nutzerin des Zentrums sein. 49 Millionen Euro kostet der Neubau. Der Bund übernimmt rund 19 Millionen Euro, den Rest trägt laut Uni das Land. Ursprünglich waren die Kosten bei 38 Millionen Euro angesetzt. Der Grund für die Mehrkosten sind laut Innenausschuss des Landtages die gestiegenen Baukosten. Aber auch die nachträgliche Vergrößerung der Photovoltaik-Anlage, die auch die umliegenden Gebäude versorgen soll, hat finanziell zu Buche geschlagen.
Schnittstelle zwischen Chemie, Physik und Biologie
Aber einen Schritt zurück: Vielleicht hat man schon vom Begriff Biophysik gehört. Aber was ist das eigentlich? Das ist ein Wissenschaftsgebiet, das Prozesse in biologischen Systemen mit Hilfe der Gesetze der Physik untersucht. Die Biophysik ist die Schnittstelle zwischen Chemie, Physik und Biologie, mit der man medizinische Auswirkungen erforschen kann. Wenn man etwa menschliche Zellen untersuchen möchte, sind die meist zu komplex, dass man mit der Biologie weiterkommen könnte. Und hier kommt die Physik ins Spiel. Sie vereinfacht die Komplexität der Zellen.
Mithilfe physikalischer Methoden, beispielsweie unter Einsatz des Elektronenmikroskops, werden unter anderem die Luftströmungen am Flügel eines Vogels untersucht. Mit der Biophysik kann man neue Erkenntnisse über physikalische Vorgänge bei Lebensprozessen gewinnen. Zum Beispiel: Was passiert, wenn der Mensch stirbt?
Die Saar-Uni gibt auch Nachwuchs-Biophysikern die Chance, das Fach zu studieren – im Bachelor- und als weiterführenden Master-Studiengang. In Deutschland kann man das Fach an 17 Unis studieren. Zurück zum Forschungsneubau: Die Fläche, auf der das Zentrum entsteht, war schon mal bebaut. Deshalb mussten keine neuen Flächen versiegelt werden. Es sollen auch Bäume gepflanzt und Aufenthaltsbereiche geschaffen werden.
Bauminister Reinhold Jost, Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker und Universitätspräsident Manfred Schmitt haben den Grundstein gelegt. Von Weizsäcker bezeichnet das Biophysik-Zentrum als einer der „wissenschaftlichen Leuchttürmen an der Universität des Saarlandes“. Durch den Neubau könne auch der Wissenschaftsstandort Saarland gestärkt werden, meint er. Den Sonderforschungsbereich der Biophysik gibt es seit zehn Jahren. Der Bauentwurf des Biophysik-Zentrums wurde 2019 in einem Architektenwettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das neue Zentrum soll zum benachbarten Praktikumsgebäude Pharmazie gelegen sein und eine turmartige Erhöhung bekommen.
In der Eingangshalle soll eine Treppenanlage beginnen, die sich durchs ganze Gebäude schlängelt. Zwei Innenhöfe sollen dazukommen. Im Erdgeschoss sind Seminar- und Besprechungsräume und die gemeinsam genutzten Laborbereiche vorgesehen, in den beiden Obergeschossen die Laborabteilungen der Experimentalphysik mit den Büroflächen. Im turmartigen Aufbau mit zwei Obergeschossen werden die Büroflächen der Theoretischen Physik ihren Platz finden.
Im März 2022 wurden die Altbauten auf dem Gelände abgerissen, auf denen nun das Zentrum ihren Platz finden soll. Universitätspräsident Manfred Schmitt sagte, mit der nahenden Fertigstellung des Gebäudes werde „gleichzeitig auch der Homburger Campus ein Stück weit näher an den Saarbrücker Campus heranrücken, da im Zentrum für Biophysik auch viele interdisziplinäre und standortübergreifende Forschungsprojekte durchgeführt werden.“