Saarbrücken
Gewinnbetreuer erzählt: Keinen Bock auf acht Millionen
Er ist der Mann fürs große Geld: Der Zweibrücker Ralf Gober ist Gewinnbetreuer bei Saartoto in Saarbrücken und den Zweibrückern als Kopf der Theatergruppe Jack’s Bier Ensemble bekannt. In seinem Job berät er die Lottogewinner, wie sie sich verhalten sollen und was zu beachten ist. Er berichtet von seinen Aufgaben, Gefahren und Chancen des Lottospiels und ungewöhnlichen Gewinnern. Was geht in den Köpfen der frischgebackenen Gewinner vor, wenn sie erfahren, dass sie gerade einen Millionenbetrag gewonnen haben?
Die meisten Gewinner sind sehr bodenständig, findet Gober. „Da war mal ein Ehepaar, das hat zwölf Millionen gewonnen. Die wollten dann einen SUV, vielleicht einen Bungalow und eine Kreuzfahrt machen. Danach hatten sie noch zehn Millionen übrig. Aber die meinten dann, man kann nicht mehr als essen und trinken“, erinnert er sich und lacht.
„Da hat jeder 100.000 Euro bekommen, und alle waren glücklich“
Von Beruf ist Ralf Gober Betriebswirt und kümmert sich seit 26 Jahren um das Finanz- und Rechnungswesen, Einkauf und Personal bei Saartoto. „Die Gewinnbetreuung ist nebenbei. Das sind ja nicht so viele. Manche kommen auch gar nicht bei uns rein, sondern lösen nur ihre Quittung ein“, erklärt er. Andere wollen Beratung, beispielsweise Tipp-Gemeinschaften.
„Da kamen dann drei rüstige Rentner, die hatten alle Kontonummern dabei, und dann haben wir das zusammen aufgeteilt. Da hat jeder 100.000 Euro bekommen, und dann waren die glücklich. Das hatten schon die Eltern gemacht, die Gemeinschaft ist schon 50 Jahre alt.“ Auch Fragen bezüglich Steuern kämen häufiger auf. Wie die Gewinner ihr Geld anlegen sollten, da darf er sie nicht beraten. Allerdings gibt es ein Dokument mit Verhaltenstipps, das die Gewinner erhalten. „Zum Beispiel soll man es für sich behalten, nichts verschenken, nicht den Job kündigen und nicht prahlen. Sonst kommen die Neider und wollen was geschenkt haben“, ergänzt Gober.
Vom Bergbau zum Controlling
Vor seinem Job bei Saartoto war Ralf Gober im Bergbau tätig. „Der war aber am Auslaufen, da war ich Ende 30. Also hab ich in der Zeitung geguckt“, beschreibt er. Über eine Personalvermittlungsagentur bewarb er sich für Controlling, „und der meinte dann, er hat was beim Lotto, die suchen jemanden im Controlling. Und dann bin ich in der Hierarchie aufgestiegen. Das war dann wie ein Glücksgriff. Das ist ja kein erlernter Beruf“, erklärt Gober.
„Es ist ein schöner Beruf. Ich war noch nie neidisch, man freut sich mit den Leuten mit. Mit manchen mehr als mit anderen, aber es ist immer ein schöner Moment. Ich geh jeden Tag gerne auf die Arbeit“, berichtet Gober glücklich. Obwohl er selbst Lotto spiele, seit er 16 ist, ohne zu gewinnen, verspürt er keine Missgunst gegenüber den Gewinnern. „Ich glaube, die meisten Lotto-Mitarbeiter spielen auch selbst Lotto. Man sieht ja immer die Gewinner. Es ist auch kein so großes Suchtpotenzial, weil es nur zweimal die Woche stattfindet. Aber im Internet ist das gefährlicher“, befürchtet er. Dennoch gebe es Spieler, die wöchentlich um die 100 Euro für die Lottoscheine ausgeben. „Auch wenn die mal gewonnen haben, hören die meisten glaube ich nicht auf zu spielen. Das gehört dann irgendwie dazu“, findet Ralf Gober.
Vater und Sohn wussten nichts vom Gewinn des anderen
Die Gewinner des großen Geldes „flippen eigentlich nicht aus, sondern sind meistens vernünftig.“ Auch einen Vater und seinen Sohn hat er nicht vergessen. „Die haben beide gewonnen und wussten aber nichts vom anderen. Und der Sohn wollte es auch nicht erzählen, damit sein Vater es nicht rumerzählt.“ Ein anderer Spieler habe aus Versehen zweimal den gleichen Schein abgegeben. „Der hatte dann zwei Sechser und hat 1,3 Millionen gewonnen. Der wurde vorher arbeitslos. Dann musste er auch nicht mehr arbeiten“, ergänzt Gober.
Wie die Gewinner mit ihrem Geld umgehen, weiß er allerdings nicht. „Die kommen eigentlich nur einmal hierher zur Beratung, und danach seh ich sie nie wieder“, erklärt er. In der Beratung sei man immer zu zweit tätig. „Damit die nicht kommen und einem irgendwas anhängen können.“
„Wenn ich mir viel mehr leisten kann, ist das auch nicht schön“
Auch an einen besonders kuriosen Gewinner kann er sich erinnern: „Der hat gesagt, er will das Geld nicht. Der ist auch nicht persönlich aufgetaucht und dem haben wir dann geraten, über einen Rechtsanwalt ein Konto eröffnen zu lassen. Acht Millionen oder so waren das. Wieso der Lotto spielt, weiß ich auch nicht“, rätselt Ralf Gober. „Die sagen dann, mein Leben ändert sich und ich bin zufrieden damit und brauche keinen anderen Freundeskreis. Und wenn ich mir viel mehr leisten kann, ist das auch nicht schön.“