Saarbrücken
Flugpassagiere sitzen 13 Stunden lang fest
So hatten sich das die rund 180 Fluggäste am vergangenen Sonntag wohl nicht vorgestellt: Eigentlich sollte ihre Maschine um sechs Uhr morgens starten und sie zu ihrem Urlaubsziel nach Las Palmas (Gran Canaria) bringen. Stattdessen startete das Flugzeug erst abends. Die Folge: Mehr als 13 Stunden mussten die Passagiere am Saarbrücker Flughafen warten. Je länger sie der Dinge ausharren mussten, die da kamen – oder besser gesagt: die da nicht kamen –, desto größer wurde ihr Unverständnis darüber.
Sogar die Bundespolizei musste eingreifen, und einige der 180 Passagiere beruhigen. Das bestätigte Smartlynx-Pressesprecher Jan Limbach auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Die Fluggesellschaft war für den Flug zuständig – im Auftrag der TUI beförderte die Airline die Passagiere mit dem Airbus A 320 nach Gran Canaria. Aber wie kam es zu der immensen Verspätung von mehr als 13 Stunden? Der Pressesprecher des Saarbrücker Flughafens, Ludwin Vogel, wollte sich dazu nicht äußern. Er gab nur an, dass Verspätungen in diesem Ausmaß sehr selten seien. Es liege nicht im Zuständigkeitsbereich des Flughafens, dies zu kommentieren, so Vogel. Denn zuständig und verantwortlich sei allein die Airline Smartlynx gewesen. Es hieß lediglich seitens des Flughafens, es habe „operationelle Probleme“ gegeben – das ist bei einer mehr als 13-stündigen Verspätung wenig stichhaltig.
Airline: Routine-Check aus der Zeit gelaufen
Die Frage nach dem Warum beantwortete Smartlynx-Pressesprecher Jan Limbach: „Wir hatten einen Routine-Check (der wird normalerweise nachts vor dem Abflug durchgeführt) an der stationierten Maschine vor Ort. Und der ist aus der Zeit gelaufen. Dann war da der Wurm drin. Als uns das klar wurde, haben wir eine Ersatz-Maschine bestellt.“ Kurzer Blick auf den Routine-Check: Der hatte sehr lange gedauert, obwohl „keine Probleme“ beim Airbus A 320 festgestellt wurden.
Neues Problem: Ersatzflugzeug zu schwer
Zurück zur Ersatzmaschine: Diese sei am Saarbrücker Flughafen um „kurz nach 13 Uhr angekommen. Die Maschine hat die entsprechenden Passagiere aufnehmen wollen.“ Warum konnten sie trotzdem nicht mit der Ersatz-Maschine starten? „Es ist faktisch so, dass der Pilot das Tankvolumen maximal berechnet hatte. Er hatte zu viel Kerosin getankt. Es ist so, dass die Maschine dann mit der Gesamtheit der Passagiere und des Gepäcks zu schwer war“, erklärt Jan Limbach. Die einfachste Möglichkeit hätte darin bestanden, das Flugzeug zu enttanken. Das sei aber nicht möglich gewesen, weil das dafür benötigte Gerät am Saarbrücker Flughafen fehlte.
Hätte man das vorher nicht einplanen müssen? Dann eben mit weniger Passagieren an Bord? Limbach: „Es ist grundsätzlich mit einer feineren Kalkulation möglich, was wir ja auch beweisen – wir fliegen wöchentlich dreimal auf die Kanarischen Inseln. Das hat der Pilot, der nicht vor Ort war, falsch eingeschätzt.“
Ein Flüchtigkeitsfehler scheinbar, der für viele Passagiere langwierige Folgen hatte. Weil die Fluggäste nach und nach immer unruhiger wurden, „hatte der Flughafen offensichtlich Verstärkung geholt.“ Die Bundespolizei musste einige der 180 Wartenden beruhigen. Zwischenfälle habe es keine gegeben.
Aus den 180 Passagieren wurden dann schnell 163. Denn um das Flugzeug zu entlasten und leichter zu machen, „sind 17 Passagiere ausgestiegen und über Köln geflogen.“ Dabei gab es laut Limbach „einige Diskussionen, um Freiwillige zu finden.“ Aber das Ersatz-Flugzeug konnte dann gegen 19.40 Uhr starten – die 17 Passagiere machten den entscheidenden Unterschied beim Gesamtgewicht der Maschine.
Aber wie kam es dazu, dass eine gewöhnliche Routine-Überprüfung beim ursprünglich geplanten Airbus derart lange dauern kann, dass überhaupt erst ein Ersatz-Flugzeug geordert werden muss? Die Klärung dieses Umstands liegt in der Verantwortung der Airline. Bis jetzt gebe es noch keine Antworten darauf. Smartlynx entschuldigte sich bei den Passagieren und erklärte, dass allen Betroffenen eine Entschädigung nach EU-Recht zustehe.