St. Ingbert
Es geht um 900 Jobs: Übernahme von Autozulieferer Voit geplatzt
„Natürlich gibt es eine gewisse Verunsicherung der Belegschaft“, sagt Patrick Selzer der RHEINPFALZ am Donnerstag. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken meint, das sei „ganz normal, wenn der eigentliche Fahrplan plötzlich endet, der mit einem neuen Gesellschafter zu tun hat.“ Etwas über 900 Menschen arbeiten im Werk in St. Ingbert, sagt Selzer. Für diese ändere sich nun erst einmal nichts. Jetzt gehe es darum, Gespräche mit Banken, Großkunden, dem Saar-Wirtschaftsministerium und auch dem Land zu führen, wie es mit Voit weitergehen soll.
Im Lauf des Mittwochs seien die Beschäftigten darüber informiert worden, dass das chinesische Unternehmen Millison Technologies den Autozulieferer mit Sitz in St. Ingbert nicht wie geplant übernehmen wird. Der Kaufpreis hätte nach Unternehmensangaben im mittleren zweistelligen Millionenbereich gelegen. Bereits im April 2024 habe es laut Selzer einen „Vorvertrag“ zwischen Voit und Millison Technologies gegeben. Dieser sei neun Monate später letztlich nicht zustande gekommen. Zu den genauen Gründen liegen der RHEINPFALZ keine Angaben vor.
IG Metall: Details in zwei bis drei Wochen
„Das Schlechteste ist, jetzt in Panik zu verfallen“, sagt Selzer. Man habe deshalb unter den Beschäftigten am Tag der Verkündung des geplatzten Deals versucht, „ein bisschen Ruhe einkehren zu lassen“. Hätte Millison Technologies das Unternehmen übernommen, hätte sich für die Mitarbeiter mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts geändert. Es hätten sich auch durch das neue Kundenportfolio des chinesischen Konzerns, der nach eigenen Angaben rund 5000 Menschen beschäftigt, laut Selzer lediglich mehr Optionen ergeben.
Wegen der Auftragslage seien Beschäftigte bei Voit seit Oktober 2024 in Kurzarbeit. Auch in Polen und Frankreich betreibt der 1947 in St. Ingbert gegründete Autozulieferer jeweils einen Standort. Insgesamt arbeiten rund 1700 Mitarbeiter für das Unternehmen.
Selzer rechnet damit, dass die Gespräche in etwa zwei bis drei Wochen geführt worden sind. Dann wisse man konkrete Details, wie es für die Beschäftigten in St. Ingbert weitergeht. Vor rund 65 Jahren war das Unternehmen als Autozulieferer durchgestartet – mit der Fertigung von verchromten Gelenkstützen für Wischeranlagen für Bosch. Verbaut wurden diese Produkte in großen Stückzahlen im legendären VW Käfer.