Blieskastel
Eigentümer will Familien Grundstücke auf Bellem anbieten
Ein knapp neun Hektar großes Flurstück westlich der Bebauung am Ende der Straße Am Eichberg hat jüngst Besuch von einem Vermesser erhalten, wie ein Blieskasteler (sein Name ist der RHEINPFALZ bekannt) berichtet. „Für diesen Bereich gibt es keinen Bebauungsplan. Das ist doch auch Landschaftsschutzgebiet“, ist der Anwohner richtig informiert. Daher habe er sich gewundert, dass der Vermesser ihm gesagt habe, die Besitzer des Grundstücks hätten den Auftrag zur Vermessung gegeben, weil dort ein Wohngebiet entstehen solle. „Man stelle sich vor, wie viele Bäume da gefällt würden, wenn dort auf mehr als acht Hektar gebaut würde“, sagt der Mann.
Das Waldgebiet oberhalb von Lautzkirchen ist beliebter Erholungsraum für Blieskasteler genauso wie für die Patienten der Bliestal-Kliniken: Spaziergänger und Gassigeher, Jogger und Biker sind ständig unterwegs. Im Geoportal des Saarlandes ist es als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Wir wollten von der Stadt wissen, ob sie über Pläne bezüglich des Grundstückes informiert ist und ob ein kleines punktuelles Naturschutzgebiet, das auf den Karten erkennbar ist, innerhalb des rund 85.000 Quadratmeter großen Flurstücks liegt.
„Keine Anfrage an die Stadt“
Uwe Brengel vom Hauptamt, stellvertretender Sprecher der Stadt Blieskastel, erklärte dazu schriftlich: „Das Landschaftsschutzgebiet liegt innerhalb dieses Flurstücks. Der Flächennutzungsplan der Stadt Blieskastel weist diesen Bereich als Waldfläche aus. Ein Bebauungsplan für diesen Bereich ist aktuell und auch zukünftig nicht angestrebt.“ Es sei in Privateigentum und aufgrund eines „weiteren Teilverkaufes privat nochmal ausgemessen“ worden, so Brengel. Von den Eigentümern habe es keine Anfragen gegeben, dieses Gebiet zu erschließen oder zu bebauen. Ähnlich äußerte sich die Erste Beigeordnete der Stadt, Lisa Becker (Grüne), auf Nachfrage: „Es waren reine Vermessungsarbeiten des Eigentümers, der ein Stück verkauft hat. Das bleibt Wald und Landschaftsschutzgebiet.“
Das Gegenteil bezüglich der Nutzungsanfragen schildert auf Anfrage Paul Neupert, Geschäftsführer der gleichnamigen Homburger Immobilien und Bauträger GmbH: „Seit 15 Jahren etwa habe ich als Besitzer des Grundstücks mit der Stadt verhandelt, habe Bürgermeisterin Faber-Wegener zig Varianten vorgeschlagen, wie dort oben zum Beispiel ein Walderlebnispfad oder Ähnliches entstehen kann, aber nie wurde etwas getan.“ Eigentlich, so berichtet er, habe er der Stadt das Gelände weitestgehend im Tausch gegen ein Gewerbegrundstück überlassen wollen. Nur einen Bruchteil wollte er jungen Familien als günstige Bauplätze weit unter den gängigen Quadratmeterpreisen erschließen. Als die Verhandlungen auch nach dem Wechsel an der Stadtspitze ergebnislos geblieben seien und die Stadt ihr Vorkaufsrecht nicht habe nutzen wollen, habe er sich entschieden, das Waldgrundstück anderweitig zu verkaufen.
„Vielleicht ein Mehrgenerationenhaus“
Deswegen wurde das Gelände jetzt vermessen und in zwei Teile aufgeteilt: in ein etwa 75.000 und ein etwa 10.000 Quadratmeter großes Stück. Der große Teil sei verkauft: „Das bleibt auf jeden Fall Wald“, sagt Neupert, ohne zu verraten, wer denn dafür als Eigentümer nun einstehe.
Das einen Hektar kleine Stück hat er behalten. Weil er sich nicht von seiner Idee verabschieden wolle: „Für diesen Teil habe ich immer noch die Vision, dort für junge Familien sehr günstige Baugrundstücke anzubieten, wo sie finanzierbar und waldnah bauen können, so dass ihre Kinder im Grünen aufwachsen.“ Er spricht von nicht mehr als zehn Bauplätzen für eine Bebauung unter hohen ökologischen Anforderungen. „Vielleicht auch für ein Mehrgenerationenhaus“, sagt der Kaufmann. „Mehr als 100 oder 110 Euro würde ich für den Quadratmeter nicht verlangen, dabei werden Grundstücke in weniger guter Blieskasteler Lage bereits für rund 200 Euro pro Quadratmeter gehandelt“, sagt er. Neupert kritisiert die Verdichtungsvorgaben, die die Ausweisung neuer Bebauungspläne verhinderten, solange es im Altbestand noch eine gewisse Quote unbebauter Grundstücke oder leerer Gebäude gibt. „Viele dieser Grundstücke sind heute aufgrund ihrer Struktur gar nicht mehr bebaubar“, meint Neupert. „Außerdem haben etliche Eigentümer gar kein Interesse, ihre Bauplätze an Fremde zu verkaufen – und wenn, dann zu utopischen Preisen.“ Einen Altbau in der Innenstadt zu renovieren, könne für junge Familien schnell zum schwer kalkulierbaren Risiko werden, wenn unvorhergesehene weitere Arbeiten notwendig werden.
Paul Neupert sagt, er hoffe, dass die Stadt das seiner Meinung nach veraltete Register vermeintlich freier Bauplätze überarbeitet.