Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Doch keine Ehrenbürgerschaft für die Impfstoff-Pioniere

Die Stadtratsmitglieder klinken sich zuhause online in die Sitzung ein. Die Videokonferenz wird auf eine Leinwand in einem Raum
Die Stadtratsmitglieder klinken sich zuhause online in die Sitzung ein. Die Videokonferenz wird auf eine Leinwand in einem Raum im Rathaus übertragen, wo interessierte Bürger die Debatte im Livestream mitverfolgen können.

Nun wird es doch nichts mit der Homburger Ehrenbürgerschaft für Biontech-Gründer Ugur Sahin. Stattdessen spielt die Stadt den Ball zur Uniklinik, an der der Impfstoff-Pionier und seine Ehefrau Özlem Türeci einst geforscht haben. Offenbar will die Uni dem Ehepaar die Ehrendoktorwürde verleihen. Dann könnten sich die so Geehrten ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Ende 2020 hatte die Homburger FDP vorgeschlagen, den im Kampf gegen Corona so verdienten Eheleuten die Ehrenbürgerwürde der saarpfälzischen Kreisstadt anzutragen. Oder, falls dies nicht möglich sei, zumindest eine Straße oder einen Platz in Homburg nach ihnen zu benennen. Am Donnerstagabend, 4. Februar, hat sich der Stadtrat nun auf ein anderes Vorgehen geeinigt.

Auch die Ratssitzung selbst stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen: Erstmals tagte der Stadtrat nicht gemeinsam in einem Saal. Stattdessen blieben die gewählten Bürgervertreter diesmal zuhause und schalteten sich daheim am Computer online in eine Videokonferenz ein. Diese wurde von Bürgermeister Michael Forster (CDU) moderiert. Die städtische Verwaltungsexpertin Kerstin Puchner sorgte dafür, dass es mit der Kommunikation unter den über ganz Homburg verteilten Sitzungsteilnehmern gut klappte. Bürger und Presse hatten die Gelegenheit, die Debatte in einem separaten Raum im Rathaus per Leinwand-Livestream mitzuverfolgen.

„Die beiden haben jetzt was anderes zu tun“

„Sahin und Türeci haben an unserem Uniklinikum gearbeitet und hier den Boden für ihre spätere Impfstoff-Entwicklung bereitet“, begründete Michael Eckardt (FDP) seinen Antrag auf Ehrung des Ehepaars. „Homburg hat in den vergangenen Jahren ja oft ein negatives überregionales Bild in der Presse abgegeben. Hier hätten wir die Chance, positive Nachrichten zu verbreiten.“ Eckardt räumte ein, dass eine Ehrenbürgerschaft für die Vakzin-Pioniere wohl doch nicht infrage komme: Denn diese Auszeichnung darf nur solchen Personen verliehen werden, die sich tatsächlich ganz speziell um die betreffende Stadt besonders verdient gemacht haben. Ein abstraktes überregionales Verdienst („für die Wissenschaft“) oder ein bloßer örtlicher Bezug (Geburtsstadt, Studium) reicht dafür nicht aus.

Michael Eckardt regte daher an, einen Platz oder eine Straße auf dem Gelände der Homburger Unikliniken nach Sahin und Türeci zu benennen.

Thorsten Bruch (Freie Wählergemeinschaft FWG) schaltete sich zu und fragte, ob Sahin und Türeci jemals gefragt worden seien, ob sie eine solche Ehrung überhaupt wollen.

Der Grünen-Stadtrat Frank Kirchhoff ist Biochemiker am Uniklinikum. Dieses bereitet nach seinen Worten inzwischen die Verleihung der Ehrendoktorwürde an das Forscherpaar vor. „Dem Klinikum ist es derzeit aber gar nicht möglich, die Eheleute zu kontaktieren. Die haben bei Biontech jetzt was anderes zu tun, als Huldigungen aus Homburg entgegenzunehmen.“ Die Benennung einer Straße oder eines Platzes lehnte Kirchhoff ab: „So was macht man normalerweise erst, wenn die betreffenden Personen schon verstorben sind.“

Barbara Spaniol (Linke) lobte die Mainzer Eheleute als „herausragende Forscherpersönlichkeiten. Aber mit unserer Stadt haben sie ja eigentlich nichts zu tun. Im Grunde genommen wäre es ihr verstorbener Doktorvater Professor Pfreundschuh, den wir mit einer Straße ehren müssten.“

Stadtverwaltung spricht mit Uniklinikum

Wilfried Bohn (SPD) und Axel Ulmcke (FWG) rieten der Stadtverwaltung, sich mit der Universität abzustimmen. Sollte diese Türeci und Sahin tatsächlich in Homburg empfangen, um ihnen die Ehrendoktorwürde zu verleihen, könnten die verdienten Forscher sich ja anschließend ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Und genau so soll es nun gemacht werden. Der Stadtrat einigte sich auf dieses Vorgehen und lehnte in einer formalen Abstimmung den FDP-Antrag ab, eine Straße oder einen Platz nach den Forschern zu benennen.

Zur Person: Ugur Sahin und Özlem Türeci

In der Corona-Pandemie setzt ganz Deutschland große Hoffnungen in den Impfstoff der Mainzer Firma Biontech. Jahre bevor das Unternehmen von Ugur Sahin gegründet wurde, war der Krebsforscher anno 1992 seinem Doktorvater Michael Pfreundschuh an die Homburger Unikliniken gefolgt. Dort lernte er Özlem Türeci kennen, als diese in Homburg noch studierte. 2002 heiratete das Paar. 2008 erfolgte unter dem Geschäftsführer Sahin die Gründung der Firma Biontech in Mainz. Diese liefert jetzt einen amtlich zugelassenen Corona-Impfstoff aus.

Özlem Türeci, Ugur Sahin
Özlem Türeci, Ugur Sahin
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