Neunkirchen / Saarbrücken
Brandanschlag: Zeugen sagen vor Gericht aus
Die Anklägerin ist davon überzeugt, dass der 32-jährige Angeklagte den Tod seines Bekannten billigend in Kauf genommen hat. Nach einem Streit soll Beschuldigte dem 46-jährigen Mann „hoch entzündlichen Stoff ins Gesicht geschüttet oder gesprüht“ und diesen mit einem Feuerzeug angezündet haben. Er habe ihn „bei lebendigem Leibe angezündet. Das Opfer brannte lichterloh und wurde lebensbedrohlich verletzt“, sagte die Anklägerin. Der Angeklagte habe mit Vernichtungswillen gehandelt. Er sei deshalb wegen versuchten Mordes aus Heimtücke und Grausamkeit zu bestrafen. Die Anklägerin forderte eine lebenslange Haftstrafe.
Verteidiger Marius Müller bestritt die Tötungsabsicht seines Mandanten. Es sei nicht erwiesen, dass der Beschuldigte seinen Bekannten mit einem Feuerzeug angezündet habe. Er habe ihm lediglich mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. „Mein Mandant hatte kein Feuerzeug in der Hand“. Es gebe mehrere Varianten, wie das Feuer entstanden sein könnte. Die Forderung des Verteidigers: Drei Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung.
„Plötzlich spürte ich ein Brennen im Gesicht“
Die Kammer hörte eine Reihe von Zeugen, die sich am Tag und am Ort der Tat, dem 9. August 2024, im Neunkircher Postpark aufgehalten hatten. Der Park ist ein beliebter Aufenthaltsort für Personen der Neunkircher Drogenszene. Dort befindet sich ein Unterstand mit Toilette, der „Häuschen“ genannt wird. An diesem „Häuschen“ hielten sich zur Tatzeit mehrere Personen auf, „die ihr ’Blech’ (Heroin auf Alufolie) rauchten“, sagten einige Zeugen. Das mutmaßliche Opfer erklärte am Dienstag, dass er an diesem Tag mit einem Bekannten eine halbe Flasche Whisky getrunken habe und Heroin „durch die Nase zog“. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters erklärte dieser: „Ich koche kein Heroin, ich ziehe das Zeug durch die Nase. Ich brauche dazu kein Feuerzeug.“ Er habe auf der Bank gesessen, als einer laut rief: „Pass auf!“. Der 46-Jährige erklärte: „Ich drehte mich um und spürte plötzlich ein Brennen im Gesicht. Ich habe noch gesehen, wie er die Hand hob. Dann habe ich nichts mehr gesehen. Den Angeklagten kenne er nur vom Sehen.“
Nach dem Brandanschlag wurde das Opfer mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Ludwigshafen gebracht. Dort „habe ich drei Tage im künstlichen Koma gelegen und war noch eine Woche dort“, erklärte der 46-Jährige. Die Verbrennung im Gesicht sei gut verheilt, aber seitdem habe er massive Hörprobleme am rechten Ohr und sehe auf dem rechten Auge alles nur verschwommen. Dazu kämen Atemprobleme durch die Gase, die er beim Brand eingeatmet hatte. Zudem habe er Angstgefühle und sei psychisch angeschlagen. Eine 24-jährige Zeugin bestätigte gestern auf die Frage des Vorsitzenden Richters ihre Aussage, die sie bei der Polizei machte: „Er hat direkt vor ihm gestanden und hatte in der rechten Hand ein Feuerzeug, in der linken Hand ein Spray. Er hat gezündet.“ Das Urteil soll am Montag verkündet werden.