Homburg
800 Jobs „in den Särgen“: Protest gegen Stellenabbau bei Michelin
Zwei schwarze Holzsärge stehen symbolisch am Podiumswagen. Weiß-rote Fahnen und gelbe Warnwesten mit der Aufschrift „Wir wehren uns“ blitzen in der Menge auf. Am Montagmittag haben Mitglieder der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) mit Trillerpfeifen und roten Mützen zusammen mit Hunderten Beschäftigten des Homburger Michelin-Werks und zahlreichen Gewerkschaftsvertretern gegen den geplanten Stellenabbau des Unternehmens demonstriert.
In Richtung der politischen Vertreter, die ebenfalls bei der Kundgebung und Demonstration auf dem Werksgelände teilnahmen, hagelte es Buhrufe statt einem Begrüßungsapplaus. Redner Heiko Metzger (IGBCE Bezirksleiter Saarbrücken) hatte sie zuvor vorgestellt.
Die schwarzen Särge als Symbol
Zwei schwarze Holzsärge standen zusätzlich als Symbol am Podiumswagen. Noch seien die Särge nicht mit der Unternehmensaufschrift des Reifenherstellers versehen. Betriebsratschef von Michelin Homburg, Hans-Joachim Jordan, sagte, er und sein Team würden „alles dafür geben, dass dies auch weiterhin so bleibt“. Homburgs Bürgermeister Michael Forster (CDU) und der Beigeordnete Manfred Rippel (SPD) waren in Warnwesten der IGBCE ebenfalls vor Ort.
Mehr als 800 Jobs sollen in Homburg wegfallen. Der französische Reifenhersteller Michelin begründet den Arbeitsplatzabbau mit der zunehmenden Konkurrenz durch „Billigreifen“ aus Asien und den gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten in Deutschland. „Obwohl 2023 das beste Jahr in der Michelin-Geschichte war“, stellte Heiko Metzger auf dem Podium noch einmal dazu fest. Während in Homburg ein Stellenabbau von über 60 Prozent in den kommenden zwei Jahren geplant ist, sollen die Werke in Trier und Karlsruhe komplett aufgegeben werden. In Homburg sollen insgesamt 500 der rund 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden.
Solidarisch zeigten sich auch die anwesenden Vertrauensleute von John Deere und Tadano aus Zweibrücken. Ebenfalls bei der Kundgebung auf dem Michelin-Standortparkplatz in der Berliner Straße waren Ina Schaeffler, mehrere IG Metall-Bezirke, Casar Drahtseilwerk Saar, Saarstahl, NGG Saar, Verdi Saar, sowie zahlreiche Politiker aus der Kommunalen-, Landes- und Bundesebene.