Saarbrücken
800.000 Euro weg: Hoffnung auf schnelles Geld mündet in Betrug
Seit Dienstag muss sich ein 36 Jahre alter Mann, der aus dem Kosovo stammt, vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht Saarbrücken wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von April 2017 bis Februar 2018 als Callcenter-Agent in Pristina (Kosovo) 129 deutsche Kunden in 206 Fällen in getäuscht zu haben. Der Angeklagte soll den Kunden in Aussicht gestellt haben, überdurchschnittlich hohe Gewinne und hohe Bonuszahlungen über die Online-Plattform „Option 888“ zu erhalten.
Es sollten zunächst geringe Mindesteinlagen zwischen 100 und 300 Euro erfolgen. Die Kunden investierten in diesem Zeitpunkt insgesamt 790.000 Euro. Der Angeklagte erlangte selbst durch diese Taten insgesamt 84.751 Euro. Gleich am ersten Verhandlungstag legte er am Dienstag vor dem Saarbrücker Landgericht ein umfassendes Geständnis ab. Der Angeklagte agierte in diesem Zeitraum in voller „Kenntnis der Tatumstände“, sagte der Staatsanwalt. Ihm sei bewusst gewesen, dass den Geschädigten durch sein Handeln suggeriert wurde, es handele sich um eine seriöse Handelsplattform und es bestünde eine realistische Chance, Gewinne zu erwirtschaften.
Simulierte Gewinne, manipulierte Kurse
Von Anfang an stand fest, dass diese Gewinnchance nicht besteht, dass Kurse und Gewinnchance manipuliert werden. Durch seine Investitionsratschläge seien seine Kunden zu weiteren Einzahlungen animiert worden. Die Masche: Investitionsbereite und finanziell potente Anleger werden häufig kontaktiert und durch die Broker engmaschig betreut, um sie immer zu neuen Einzahlungen zu bewegen. Sie werden durch Gewinnversprechungen der Callcenter-Agenten zur Zahlung weiterer Beträge gedrängt. Den Anlegern werden regelmäßig erhebliche Gewinne simuliert oder bewusst „Trades“ platziert, die hohe Gewinne versprechen, so der Staatsanwalt.
Am Donnerstag sagte einer der Anleger, ein 49 Jahre alter Mann aus dem Raum Köln, als Zeuge vor Gericht aus. Er ist einer der 129 Geschädigten. 2017 sei er auf die Plattform „Option 888“ aufmerksam geworden. Er wollte sich informieren, was man mit seinem Geld machen kann. So geriet er an den Angeklagten, der am Donnerstag keine drei Meter von ihm entfernt auf der Anklagebank saß. Und genau nach dieser Masche wurde er durch den 36-Jährigen in die Irre geführt und betrogen. Der Angeklagte hatte bei seinen betrügerischen Geschäften mit einem anderen Namen agiert. Als der Vorsitzende Richter dem Zeugen diesen Namen nannte, erkannte dieser ihn wieder und sagte: „Genau! Mit diesem Namen hat er sich bei mir gemeldet.“ Und: „Ich habe ihm vertraut und am Anfang kleinere Beträge zwischen 200 und 250 Euro per Kreditkarte überwiesen“.
Angeklagter verspricht: „Sie bekommen Ihr Geld zurück“
Er sei mit ihm fast täglich telefonisch in Kontakt gewesen. Letztendlich habe er 4000 Euro überwiesen. „Mein Bruder hat mich dazu bewogen, weitere 5000 Euro anzulegen, was ich auch tat“, erklärte der Geprellte. Nach einiger Zeit habe er von seinem Broker wissen wollen, wie es mit dem Stand und der Rückführung seines Geldes mit Gewinn aussehen würde. „Ich wurde vertröstet. Man bräuchte nur ein wenig Zeit“. Monate später habe man ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass sein „Geschäftspartner aufgehört“ habe. Am Donnerstag erklärte der Angeklagte dem Zeugen: „Sie bekommen Ihr Geld zurück“. Danach wurden noch eine Reihe Zeugen vernommen, die alle auf dieselbe Weise ihr Geld verloren haben. Es sind fünf weitere Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil könnte am 24. Januar fallen.