Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel 100 Opfer um 700.000 Euro gebracht: Urteil steht fest

Der 36-jährige Angeklagte (Mitte) hatte am ersten Verhandlungstag vor einer Woche gestanden und seinen Opfern versprochen: „Sie
Der 36-jährige Angeklagte (Mitte) hatte am ersten Verhandlungstag vor einer Woche gestanden und seinen Opfern versprochen: »Sie bekommen Ihr Geld zurück.« Unser Foto zeigt ihn mit seinen Verteidigern.

Das Landgericht Saarbrücken hat einen 36-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll als Mitglied einer Betrügerbande über 100 Deutsche um 700.000 Euro gebracht haben.

Der 36 Jahre alte Angeklagte, der seit einer Woche vor dem Landgericht Saarbrücken steht, ist am Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Große Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht ist überzeugt, dass der Angeklagte, der aus dem Kosovo stammt, als Mitglied einer internationalen Betrügerbande aus Pristina im Kosovo als Callcenter-Agent agierte. Dabei habe er zwischen April 2017 und Februar 2018 mehr als 100 deutsche Anleger in über 200 Fällen getäuscht und diese veranlasst, immer wieder auf einer Handelsplattform ihr Geld zu investieren.

Die Investoren wurden, so das Gericht, von Beginn an um ihre Einlagen betrogen. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Urteil auf über 700.000 Euro. Der Angeklagte hatte gleich am ersten Verhandlungstag am Dienstag vor einer Woche ein Geständnis abgelegt. Er hatte den Anlegern überdurchschnittlich hohe Gewinne und hohe Bonusauszahlungen über die Online-Plattform „Option 888“ in Aussicht gestellt. Ihm sei bewusst gewesen, dass den Geschädigten durch sein Handeln suggeriert wurde, es handele sich dabei um eine seriöse Handelsplattform und es bestünde eine realistische Chance, Gewinne zu erwirtschaften.

Geständnis, Entschuldigung und Versprechen

Von Anfang an habe festgestanden, dass diese Gewinnchance nicht bestanden hätten und Kurse und Gewinnchancen manipuliert seien. Das habe der Angeklagte auch gewusst, so das Urteil. Das Gericht spricht von „hoher krimineller Energie“ beim Angeklagten. Dieser hatte sich bei den betrogenen Anlegern, die vorige Woche im Landgericht als Zeugen ausgesagt hatten, entschuldigt und versprochen, dass diese ihr Geld wiederbekämen. Das hatte ihm das Gericht zu seinen Gunsten angerechnet.

Der Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren gefordert, die Verteidigung zwei Jahre und neun Monate Haft. 2022 hatte das Landgericht Saarbrücken in einem gleichen Fall einen Anlagebetrüger aus dem Kosovo zu zwölf Jahren hinter Gittern verurteilt. Damals ging es um eine Schadenssumme von über 42 Millionen Euro bei über 1000 Geschädigten. Gegen das derzeitige Urteil können der 36-Jährige und seine Verteidiger noch Revision einlegen.

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