Lambsheim-Hessheim
Vor der Wahl – Gunter Steuer (FDP): Ideenreicher Vermittler
Warum Steuer Verbandsbürgermeister werden will? „Ich möchte gestalterisch mitwirken und Ideen einbringen, die die VG voranbringen“, erklärt er. „Wichtig ist mir, nicht einfach anzuordnen, sondern auf Augenhöhe zu vermitteln.“ Der Lambsheimer schaut, wie andere Kommunen Probleme angehen, um für die eigene Arbeit dazuzulernen.
Seit 2019 ist Steuer als Beigeordneter der VG für Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Bürgerdienste zuständig. Gerade wenn es um Beschwerden beim Ordnungsamt geht, ist ihm eine vermittelnde, ausgleichende Rolle zwischen Bürgern und Verwaltung wichtig. In den vergangenen zwei Jahren lag der Fokus des Kommunalen Vollzugsdiensts laut Steuer mehr auf Corona-Angelegenheiten wie dem Zustellen von Absonderungsbescheiden – dabei seien Aufgaben rund um den ruhenden Verkehr teilweise liegen geblieben. „Man muss das den Bürgern erklären“, sagt Steuer. Mittlerweile seien zwei geringfügig Beschäftigte für die Kontrollen eingestellt worden.
Strategisch handeln
Heikle Themen geht der 58-Jährige, der in seiner Freizeit gerne in Begleitung seines Hundes Fahrrad fährt, strategisch an. Probleme auszusitzen sei nicht sein Ding. „Ich kann auch mal provozieren, bin aber jemand, der eigene Fehler zugeben kann und versöhnlich auf die Menschen zugeht.“ Als Beigeordneter habe er die Arbeit des VG-Chefs verfolgt. „Ich hätte teilweise anders entschieden beziehungsweise Dinge anders kommuniziert“, sagt er. Aus Steuers Sicht hat sich der Amtsinhaber zu viel ins Tagesgeschäft anderer Verantwortlicher eingemischt. „Diese Zeit hätte man anders nutzen können.“ Konkreter wird der Herausforderer nicht.
„Wir müssen die Fusion anders leben“, mahnt Steuer. Gerade bei den fehlenden Jahresabschlüssen fordert er mehr Tempo. „Ich denke, man müsste dafür periodisch mehr Personal einstellen oder die Aufgaben auslagern.“ An Mitarbeitern fehlt es aus seiner Sicht vor allem im Tiefbau. Das Personal sei „auf Kante genäht“, weshalb es bei Projekten nicht voran gehe, und die andauernde Überlastung demotiviere die Angestellten. Deshalb will er den Teamgeist stärken und als Manager Prioritäten setzen.
Digitalisierung und Jugendforum
Für Steuer auf Nummer 1: die Digitalisierung. „Auch die Verwaltung sollte mit der Zeit gehen.“ Mit einer digitalen Terminvergabe will er die Qualität der Serviceleistungen der Verwaltung steigern. Er kann sich zum Beispiel das Amtsblatt digital als App mit Suchfunktion vorstellen. Außerdem komme die Jugend zu kurz. Steuers Idee: ein unparteiisches Jugendforum, das 14- bis 24-Jährige in der VG über Ortsgrenzen hinweg vernetzt und sie an Kommunalpolitik heranführt. „Es braucht dafür eine Galionsfigur, die die Jungen begeistern kann. Ich kann mir auch einen Delegierten aus dem Forum mit beratender Stimme im Sozialausschuss vorstellen.“
Der Lambsheimer sieht sich selbst als emotionalen Menschen, manchmal etwas ungeduldig, aber auch fürsorglich und entgegenkommend. Sein Faible für Kommunikation ist nicht nur bei seinem Hauptjob als Projektleiter bei Pfalzwein in Neustadt von Vorteil, sondern auch im Service der Straußwirtschaft, die Steuer mit seiner Frau und seinen Schwiegereltern vor Corona über 35 Jahre lang führte. Durch die berufliche Nähe zur Weinszene und privates Engagements in Vereinen habe sich der 58-Jährige über die Jahre ein weitreichendes Netzwerk aufgebaut. Seinen Job bei Pfalzwein würde er bei einem Wahlsieg aufgeben – sobald er zwei Projekte bis zum Sommer abgeschlossen hat. „Ich behaupte mal, ich habe noch nie jemanden hängenlassen“, meint Steuer. Auf die Bewirtschaftung seiner fünf Hektar Weinberg würde er nicht verzichten wollen. Nicht nur aus Familientradition und Begeisterung für den Beruf, sondern auch, weil er beim routinierten Rebenschneiden mit Musik im Ohr an der frischen Luft entspannen kann.
Bürgerfragestunde per Video
Im Wahlkampf will sich Steuer die Sorgen und Nöte der Menschen anhören – ob bei einem Apfel am Infostand, per Telefon oder bei Online-Bürgerfragestunden. Zudem hat er 21 magentarote Banner in der VG aufgestellt. Am Wochenende will er mit Mitstreitern aus FDP, FWG und CDU Flyer verteilen – auch wenn ihn offenbar nicht alle aus der Verbandsgemeinde-Koalition uneingeschränkt unterstützen. „Ich bleibe, wie ich bin“, betont Steuer. „Die Bürger werden ihre Meinung in der Wahlkabine zum Ausdruck bringen.“