Rhein-Pfalz Kreis
Schlürf!
Loch und Löcher (23): Muskelkraft? Nö. Ein flexibler linker Daumen reicht. Mit einer Art Riesenstaubsauger reinigen Volker Zehfuß und seine Mitarbeiter Sinkkästen – und zwar per Joystick. „Das ist Konzentrationssache“, erklärt der Schifferstadter. „Wie Videospielen.“ Mit einem Nachteil: Um den Duft kommen die Arbeiter nicht herum. Und der kann je nach Eimerinhalt auch mal richtig eklig sein.
Klonk. Der riesige Magnet sitzt, zieht den mehr als 20 Kilogramm schweren gusseisernen Gullydeckel in die Höhe und schwenkt ihn zur Seite. Der Wagen rauscht. Das lange Saugrohr setzt sich in Bewegung und macht passgenau im Metalleimer Halt. „Der Wagen ist wie ein großer Staubsauger“, erklärt Volker Zehfuß. Der Schifferstadter betreibt die Firma Bio-Chem Spezialreinigungssysteme und säubert unter anderem Sinkkästen. „Von Worms bis Wörth“, sagt er.
An diesem Tag ist die Maschine in Landau im Einsatz. „Sie schafft 80 Prozent mehr an einem Tag als zwei Leute schaffen würden“, sagt Zehfuß über den voll mechanisierten Wagen. Macht pro Tag bis zu 350 Eimer-Reinigungen statt nur an die 200. Im Idealfall dauert ein Einsatz am Sinkkasten um die zwei Minuten – je nach Füllstand mal länger, mal kürzer. 80.000 Eimer hat die Firma binnen 14 Monaten mit der Maschine geleert. „Das Ziel sind 10.000 pro Monat“, sagt er. Schließlich müsse sich der 250.000 Euro teure Wagen rechnen.
Am Vorführ-Sinkkasten in der Cornichonstraße ist einiges zu tun. Ein Blick ins Gully-Loch zeigt: Der Schlammfangeimer ist voll bis obenhin. Mit Blättern, Dreck und ganz viel Wasser. Der Regen der vergangenen Tage, aber auch die Trockenheit zuvor machen sich bemerkbar. Denn wenn sich zu viel trockenes Material im Eimer absetzt, verstopfen Löcher und Schlitze im Stahlblecheimer und das Niederschlagswasser kann nicht oder nur sehr langsam in den unterirdischen Abwasserkanal ablaufen.
Diese Brühe scheint schon etwas länger vor sich hin zu gären. Sie riecht nicht gerade appetitlich. „Das ist noch gar nichts“, sagt der Schifferstadter. „Da drin wird alles entsorgt.“ Manche Menschen versenkten sogar ihre Küchenabfälle im Gully statt in der Mülltonne, erzählt er kopfschüttelnd. „Ich bin hart im Nehmen, aber der Geruch bringt mich an die Grenze.“
3228 Sinkkästen gibt es in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim
Schließlich werden die Sinkkästen im Gegensatz zu Mülltonnen nicht im Wochenrhythmus geleert. Vier mal im Jahr rücken er und seine Männer beispielsweise in Landau an, um die insgesamt 13.500 Sinkkästen in der Stadt zu reinigen. „Zwei Durchgänge pro Jahr sind eigentlich Standard“, erzählt er. In der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim ist er einmal in zwölf Monaten im Einsatz. 3228 Sinkkästen gibt es in den drei Ortsgemeinden, teilt Roland Argus vom Fachbereich Bauen der Verbandsgemeindeverwaltung mit. 643 in Rödersheim-Gronau, 741 in Hochdorf-Assenheim und 1844 in Dannstadt-Schauernheim. Bei Bedarf werden die Gullys zusätzlich von den Mitarbeitern des Bauhofs gereinigt. „Es kommt immer darauf an, wie der jeweilige Bauhof besetzt ist“, weiß Zehfuß aus Erfahrung. Zudem sei es wahrlich harte Arbeit, die vollen Kästen von Hand zu leeren.
Denn bei dieser klassischen Reinigungsvariante müssen die schweren gusseisernen Roste mit einem Schachthaken per Hand ausgehoben und die vollen Eimer rausgehievt werden. „Die können gut 40 Kilogramm wiegen. Da lassen wir nur unsere starken Männer ran. Das ist ganz harte Arbeit“, erklärt der Schifferstadter den Ausnahmefall. Etwas komfortabler sei die Arbeit mit einem Pritschenwagen, bei der die Eimer hydraulisch oder mit einer Art Seilzugsystem rausgezogen und auf die Ladefläche geleert werden. Aber, betont Zehfuß: Der Fahrer muss bei diesem System aussteigen. Sein voll mechanischer Sauger ist dagegen purer Luxus. „Der Fahrer kann sitzenbleiben“, sagt er.
Für jede Funktion gibt es das passende Knöpfchen
Geräuschvoll saugt das Metallrohr den Dreck an und befördert ihn durch den dicken Schlauch in einen 1900 Liter Flüssigkeit fassenden Behälter am Wagen. Zehfuß sitzt lässig auf dem Fahrersitz und steuert alles – mit einem Joystick. Für jede Funktion gibt es das passende Knöpfchen: Magnet, Saugrohr, Wasser, schwenken, heben, senken. „Unsere Arbeit ist Konzentrationssache“, sagt der Schifferstadter. „Es ist ein bisschen wie bei einer Spielkonsole.“ Und was wo gemacht wurde und wie lange es gedauert hat, werde genau über ein spezielles Computersystem dokumentiert. Hightech am Kanal also.
Inzwischen spritzt aus vier Düsen des Rohrs Wasser, das in einem 550 Liter fassenden Tank am Auto gelagert wird. „Im Sommer rüsten wir schon mal auf 1000 Liter auf“, erklärt Zehfuß. Das zusätzliche Wasser komme in den eigentlichen Abwassertank. „Was reinkommt, benutzen wir mehrfach. Es ist ein umlaufendes System.“ Noch spritzt Wasser aus den Düsen. Da hat sich ordentlich was abgesetzt. Doch dann ist der Eimer ausgespült, fein säuberlich gereinigt. Ein Klick am Joystick und das Rohr fährt hoch. Routiniert drückt Zehfuß die nötigen Knöpfchen. Schwupps, wird der gusseiserne Rost zurückgeschoben. Klonk. Sitzt. Fertig. Auf zum nächsten.