Fussgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schillerschule: Mehr Sozialarbeit, mehr Sprachförderung

Erhält über das Startchancenprogramm pro Jahr mehrere Zehntausend Euro an Fördergeld von Bund und Land: die Grundschule Fußgönhe
Erhält über das Startchancenprogramm pro Jahr mehrere Zehntausend Euro an Fördergeld von Bund und Land: die Grundschule Fußgönheim.

Der Gemeinderat und die Rektorin der Schillerschule sind teils uneinig über den Einsatz von Fördermitteln. Was beschlossen wurde und welche Wünsche unerfüllt bleiben.

Das Startchancenprogramm von Bund und Ländern verfolgt ein hehres Ziel: Alle Schüler sollen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Bildungschancen haben. Auch die Fußgönheimer Schillerschule gehört laut Bildungsministerium zu jenen 120 Grundschulen im Land mit besonders hohem Unterstützungsbedarf und nimmt am Bildungsprogramm teil. Knapp 23.000 Euro Fördermittel pro Schuljahr stehen der Schule über ein sogenanntes Chancenbudget zur Verfügung, 48.000 Euro jährlich sind es für den zusätzlichen Einsatz von multiprofessionellem Personal.

Wie die Fördermittel für zusätzliches Personal künftig eingesetzt werden sollen, dazu hat der Fußgönheimer Gemeinderat jetzt Folgendes entschieden: Pro Schuljahr werden rund 35.000 Euro in die Aufstockung der Schulsozialarbeit fließen, etwa 13.000 Euro sollen in zusätzliche Sprachförderung investiert werden. Lediglich im aktuellen und bald zu Ende gehenden Schuljahr soll es anders laufen: Rückwirkend fürs Schuljahr 2024/25 wird nach Angaben von Ortsbürgermeisterin Heike Seifert-Leschhorn (CDU) der derzeitige FSJler der Schillerschule über das Startchancenprogramm bezahlt. Zudem seien in den letzten Wochen vor den Sommerferien die Stunden der Schulsekretärin im Sinne des Förderprogramms aufgestockt worden.

Dissens beim Thema Sprachförderkräfte

Schaut man auf jene schriftlich festgehaltenen Ideen, die die Schillerschule bezüglich ihrer Teilnahme am Startchancenprogramm erarbeitet hat, dann fällt auf: Die zusätzlichen Sprachförderkräfte, die zuletzt vom Gemeinderat beschlossenen wurden, standen nicht auf der Wunschliste. „In diesem Punkt hat sich der Gemeinderat im Detail leider nicht mit uns abgestimmt“, sagt Schulleiterin Martina Hauck auf Nachfrage.

Aus Sicht des Kollegiums sei man im Bereich Sprachförderung mit dem vorhandenen Personal gut aufgestellt. Den deutlich größeren Bedarf an der Fußgönheimer Grundschule sehe man hingegen bei grundsätzlichen Hilfestellungen im schulischen Alltag. „Oftmals fehlen Kindern heute die notwendigen Vorläuferfähigkeiten, wenn sie eingeschult werden“, sagt Martina Hauck. Fakt sei auch, dass es unter den Eltern etliche Analphabeten gebe, die ihre Kinder beim Lernen kaum unterstützen können. Die Schillerschule hätte mit den Fördergeldern des Startchancenprogramms deshalb gerne Schüler oder Studenten für eine umfangreichere Hausaufgabenbetreuung unter Vertrag genommen – oder den FSJler für seinen unterstützenden Einsatz in den ersten Klassen auch künftig über das Startchancenprogramm bezahlt.

Dass sich der Gemeinderat stattdessen für zusätzliche Sprachförderung an der Grundschule entschied, erklärt Ortsbürgermeisterin Heike Seifert-Leschhorn (CDU) gegenüber der RHEINPFALZ so: „Insbesondere in einer Gesprächsrunde, an der auch die Schulaufsicht (ADD) beteiligt war, ist intensiv über das Thema Sprachdefizite gesprochen worden.“ Dasselbe gelte für eine kombinierte Sitzung des Fußgönheimer Schulträger- sowie Haupt- und Finanzausschusses, bei der die Schulleiterin im Februar über bestehende Probleme informiert habe. Auch die sprachlichen Defizite von Kindern seien dabei zur Sprache gekommen. Um an der Schillerschule einen geregelten Unterricht zu ermöglichen, habe die SPD-Fraktion deshalb den Antrag gestellt, Fördermittel für zusätzliche Sprachförderung einzusetzen. „Dem sind wir als Gemeinderat nachgekommen, denn die Sprachförderung ist ein Kernanliegen des Startchancenprogramms“, sagt Seifert-Leschhorn.

Neue Bewegungslandschaft soll kommen

Wie es nun weitergeht? Möglicherweise wird geprüft, ob die von der Schule gewünschte Hausaufgabenhilfe auch über Säule zwei des Startchancenprogramms – das sogenannte Chancenbudget – finanziert werden kann. „Nach meinem Kenntnisstand ist das möglich“, sagt Heike Seifert-Leschhorn. Einig scheinen sich alle beteiligten Akteure bereits darüber zu sein, dass über das Chancenbudget eine neue Bewegungslandschaft zum Klettern für den Außenbereich der Schillerschule finanziert werden soll.

Keine Aussicht auf Erfolg scheint hingegen die Idee der Schulgemeinschaft zu haben, dass kurzfristig ein Container auf dem Schulgelände aufgestellt wird, der dann als Büro für die Schulsozialarbeit dienen könnte. „Wenn dieser Container flexible Trennwände hätte, könnten Kinder darin auch in Kleingruppen gefördert werden“, erläutert Schulleiterin Martina Hauck. Räume dieser Art würden dringend benötigt, wegen der bestehenden Platznot müsse die Förderung von Schülern derzeit teils auf dem Flur stattfinden. „Ein Container ist eine Art Fertighaus und benötigt damit Bauantrag, Fundament sowie Anschlüsse für Strom, Wasser, Heizung“, betont jedoch Ortsbürgermeisterin Heike Seifert-Leschhorn. Der Wunsch der Schule, einen Container kurzfristig zu stellen, könne deshalb nicht erfüllt werden.

Wunsch nach einer Mensa und Förderräumen

Bleibt also der mittel- und langfristige Wunsch der Schulgemeinschaft: nämlich der Bau einer Mensa, die dann mithilfe von Trennwänden so geteilt werden kann, dass Förderräume oder auch Elternsprechzimmer entstehen. Ob ein solches Projekt umgesetzt und am Ende über Säule eins des Startchancenprogramms finanziert werden kann, dazu wird es in Fußgönheim entsprechende Beratungen geben müssen. Grundsätzlich gilt: Für bauliche Investitionen, die der Zielsetzung des Startchancenprogramms dienen, kann die Gemeinde als Schulträger in den kommenden neun Jahren maximal 647.816 Euro an Fördergeldern erhalten. Geknüpft ist das an eine wesentliche Bedingung: Die Ortsgemeinde müsste dafür einen Eigenanteil von 277.635 Euro leisten. Das entspricht Kostenanteilen von 30 Prozent für den Schulträger und 70 Prozent für Bund und Land.

Bürgermeisterin Heike Seifert-Leschhorn betont in diesem Zusammenhang: „Mit dem Beschluss zur Annahme des Startchancenprogramms hat der Gemeinderat auch zugestimmt, dass die Ortsgemeinde den geforderten Eigenanteil zuzüglich der nicht förderfähigen Kosten für die Säule eins übernimmt.“ Dass es an der Schillerschule künftig bauliche Maßnahmen geben wird, steht damit fest – welche es konkret sein werden, darauf müssen sich die beteiligten Akteure einigen.

x