Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer gestalten Energiewende mit

Ein Projekt von INP: Deutschlands größte Flusswärmepumpe im Großkraftwerk in Mannheim, hier ist der dazugehörige Kondensator zu
Ein Projekt von INP: Deutschlands größte Flusswärmepumpe im Großkraftwerk in Mannheim, hier ist der dazugehörige Kondensator zu sehen.

Weg von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas hin zu erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Erdwärme: Deutschland steht mit dem Aufbau der Infrastruktur für die Energiewende vor einer „gigantischen Herausforderung“. Die Ingenieurgesellschaft INP aus dem vorderpfälzischen Römerberg entwickelt den Wandel mit und ist auf Wachstumskurs.

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Trassen Südlink und Südostlink, das Gleichstrom-Umspannwerk auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks bei Philippsburg, die Modernisierung des Gemeinschaftsmüllheizkraftwerks in Ludwigshafen und die derzeit größte Flusswärmepumpe in Deutschland im Großkraftwerk in Mannheim: An diesen „Leuchtturmprojekten“ haben Ingenieure und Techniker der INP-Gruppe mitgearbeitet.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Römerberg und beschäftigt rund 700 Mitarbeitende. Diese erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von mehr als 60 Millionen Euro. Außer in Römerberg ist die Gruppe in vier Städten in Deutschland vertreten und hat internationale Standorte sowie Partner – darunter in der Schweiz und Österreich sowie in Südafrika, Ägypten, Frankreich und Kroatien. INP kann mehr als 30 Jahre Erfahrung im Kraftwerks- und Großanlagenbau vorweisen. Die Expertise der Firma ist gefragt. Derzeit betreut INP mehr als 100 Projekte im In- und Ausland.

Strom aus dem Norden in den Süden

Die von der Gruppe mitgeplante Flusswärmepumpe in Mannheim zieht Wärme aus dem Rhein und versorgt damit laut dem Betreiber MVV Energie rechnerisch rund 3500 Haushalte. Für die Zukunft seien weitere Wärmepumpen angedacht, sodass eines Tages rund 50.000 Haushalte Fernwärme aus dem Fluss erhalten könnten. Im Großkraftwerk in Mannheim wird derzeit noch mit Steinkohle Strom und Wärme erzeugt. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist Teil des von der Bundesregierung gewünschten Kohleausstiegs, der möglichst bis 2030 erfolgen soll.

Die Stromtrassen Südlink und Südostlink sollen dazu dienen, dass Strom aus den Windparks im Norden Deutschlands in den Süden des Landes transportiert werden kann, wo es viel Industrie gibt. Das Umspannwerk in Philippsburg wird ebenfalls für die Energiewende gebraucht. INP ist dadurch Teil des Wandels – weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien. Die Firma beschäftigt sich somit „mit der größten Aufgabe unserer Zeit: der Bewältigung des Klimawandels“. Dafür reisten INP-Firmenvertreter vergangenes Jahr zur Weltklimakonferenz nach Ägypten.

Geschäftsführer von INP: (von links) Knut Mertens, Andreas Haaß, Stephan Diehl und Georg Jester.
Geschäftsführer von INP: (von links) Knut Mertens, Andreas Haaß, Stephan Diehl und Georg Jester.

Vom Student in die Geschäftsführung

„Der Aufbau der Infrastruktur für die Energiewende ist eine gigantische Herausforderung“, sagt Georg Jester. Die Firma hat seine Schwester Katharina Jester-Sartingen mit zwei Partnern vor mehr als 30 Jahren gegründet, Georg Jester fungiert heute neben Knut Mertens als geschäftsführender Gesellschafter. Die INP-Gruppe ist auf Wachstumskurs und hat daher vor Kurzem ihre Geschäftsführung um die langjährigen Mitarbeiter Andreas Haaß und Stephan Diehl erweitert. Der 46-jährige Haaß war der erste duale Student, den INP vor 25 Jahren zum Diplom-Ingenieur ausgebildet hat. Der 47-jährige Diehl ist studierter Maschinenbauer und kam vor zwölf Jahren zu INP.

Trotz der zahlreichen Chancen, die der Markt derzeit bietet, haben sich die Firmenchefs auf ein „qualifiziertes Wachstum“ verständigt. Unternehmer Georg Jester legt Wert darauf, dass sich die Gruppe „nachhaltig, innovativ und wirtschaftlich entwickelt“. Das bedeutet, ein angestrebtes jährliches Wachstum von fünf bis zehn Prozent. Zudem sind weitere strategische Kooperationen angedacht. Als Partner fungieren bereits Unternehmen wie Siemens und Thyssen Krupp sowie nationale Energieversorger, die Wissenschaft und Hochschulen, etwa in Kaiserslautern und in Heilbronn sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Wir sind uns bewusst, dass wir an Energie-Infrastrukturen von morgen bauen und wollen daher unser Portfolio sowie unsere Mitarbeitenden kontinuierlich weiterentwickeln“, sagt Haaß.

Die Firma ist breit aufgestellt. Nach Angaben von Diehl arbeiten heute bei INP nicht nur Ingenieure und Techniker, sondern auch Geologen, Biologen und Archäologen. Deren Fachexpertise werde bei Projekten immer wichtiger. „Früher ging es um eine Baustelle, die durch einen Zaun begrenzt wurde. Heute planen wir komplexe Projekte, die Wälder und Flüsse kreuzen“, sagt Diehl und deutet damit an, dass neben der Ingenieurskunst Wissen in weiteren Disziplinen wie Umwelt- und Naturschutz benötigt werde.

Mehr als 100 offene Stellen

Er und seine Kollegen aus der Geschäftsführung sind immer auf der Suche nach weiteren Mitarbeitenden, der Bedarf sei groß. Die INP-Gruppe hat derzeit mehr als 100 offene Stellen, gesucht seien nicht nur Berufseinsteiger, sondern auch erfahrene Ingenieure. „Das Alter spielt keine Rolle. Wir stellen auch Menschen mit 55 Jahren ein. Die Arbeitsqualität ist entscheidend“, sagt Geschäftsführer Knut Mertens.

Die Firmenchefs sind optimistisch, dass die Energiewende gelingen kann – trotz der Dimension der erforderlichen Infrastruktur-Projekte und der damit verbundenen umfangreichen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Stephan Diehl berichtet, dass ein verstärkter Austausch zwischen Politik, Behörden und Wirtschaftsunternehmen stattfinde. „Das war früher nicht so“, sagt er.

Die Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft haben das Gefühl, dass ihr Wissen gefragt ist und ihr eigentümergeführtes Unternehmen wertgeschätzt wird. Da die Zukunft laut Knut Mertens auf Strom aufgebaut sein wird und jeder Bürger eine sichere Stromversorgung erwartet, sehen die INP-Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit einen Sinn. Das sei für die Firma aus Römerberg Motivation, weiter an der Energiewende zu arbeiten.

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