Fussgönheim
Neues Museum vor dem Schloss: Klasse statt Masse
Während im Heimatmuseum im Schloss Dutzende Spielzeugtassen auf einem Regalbrett stehen und Wäschestücke von früher dicht an dicht im Schrank hängen, setzt das Museum vor dem Schloss auf ein moderneres, aufgeräumteres Erscheinungsbild. „Das verstaubte Image als Heimatmuseum wollen wir ablegen“, sagt der erste Vorsitzende des HKK, Andreas Sprinzl. „Die heimatliche Verbundenheit haben wir beibehalten, wollen aber professionell auftreten.“
Wie in professionell geführten Museen wird der Blick des Besuchers im neuen Museum gezielt auf die Exponate gelenkt. Die Fenster sind abgedunkelt, die Wände dunkelgrau angestrichen, sodass sie kein Licht reflektieren. Jedes Stück wird einzeln beleuchtet.
Puppenstuben zur Eröffnung
Zur Eröffnung am 29. Oktober hat der HKK eine Puppenstubenausstellung zusammengestellt. Viele der Ausstellungsstücke, die aus der Zeit vom 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts stammen, waren bereits Teil der Spielzeugausstellung des Heimatmuseums. „Das fällt kaum auf, dass sie da nicht mehr stehen“, sagt Sprinzl. Einige Stücke konnte der Verein bislang noch nicht zeigen, weil einfach der Platz fehlte. Zum Beispiel ein Puppenhaus, das ein Vater aus Speyer in den 1960er-Jahren für seine Töchter gebaut hat, komplett mit funktionierenden Lichtschaltern. Auch die Enkelkinder spielten noch damit und spendeten es vor vier Jahren an den HKK.
In den beiden Nebenräumen zeigt die Ausstellung „Lange vor unserer Zeit“ Relikte aus der Steinzeit, die rund um Fußgönheim gefunden wurden. Diese reichen von Knochenfragmenten von Waldelefanten und anderen Tieren bis zu den ersten menschlichen Werkzeugen. Zwei sogenannte Schlagplätze soll es im heutigen Ortsgebiet gegeben haben, auf denen über mehrere Tausend Jahre solche Werkzeuge hergestellt wurden.
Für Archäologen sind zwei Schüsseln aus Bandkeramik, die aus wenigen Scherben wiederhergestellt wurden, ein besonderer Höhepunkt, sagt der stellvertretende Vorsitzende Frank Schmitt: „Wenn Leute herkommen, die sich auskennen, stehen die da eine halbe Stunde davor.“ Aber auch Laien sollen auf ihre Kosten kommen. Für Schulklassen würde Schmitt gerne Ausflüge anbieten, bei denen die Kinder lernen, wie Steinzeitmenschen Feuer gemacht haben – „wenn ich das selbst besser kann“.
Mit dem Museum vor dem Schloss will der HKK sein Repertoire, zu dem neben dem Heimatmuseum auch die Schlossscheune und das Landwirtschaftsmuseum gehören, um zeitlich begrenzte Ausstellungen erweitern. „Wir wollen, dass die Menschen wiederkommen“, sagt Sprinzl. Die Steinzeitausstellung soll nach zwei Jahren von Exponaten aus der Römerzeit abgelöst werden. Was dann auf die Puppenstuben folgen soll, ist noch offen.
2018 hat der HKK die frühere Filiale der VR-Bank neben dem Kartoffelmuseum gekauft, dank Spenden der Angehörigen seines verstorbenen Ehrenvorsitzenden Karl Freidel und der Familie des Fußgönheimer Chemikalienhändlers Klaus F. Meyer. Bis die Bauarbeiten beginnen konnten, dauerte es über ein Jahr – und auch die Pandemie machte das Vorhaben nicht einfacher. Seit dem Frühjahr ist das Gebäude fertig umgebaut. Wegen der Neueröffnung des Landwirtschaftsmuseums musste sich das Museum vor dem Schloss allerdings noch gedulden.
Insgesamt verfügt der Verein über eine fünfstellige Anzahl an Ausstellungsstücken – „20.000 wäre noch sehr vorsichtig geschätzt“, sagt Schmitt. Ein Teil lagert in den Stahlschränken unter der ehemaligen Bank und wartet auf einen Platz in einer passenden Schau.
Öffnungszeiten
Das Museum vor dem Schloss in der Hauptstraße 64 in Fußgönheim wird am Samstag, 29. Oktober, ab 15 Uhr eröffnet. Die Museen des HKK sind jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr und für Gruppen auch nach Vereinbarung geöffnet.