Rhein-Pfalz-Kreis
Limburgerhofer Bürgerbus startet wieder – Bussuche in Schifferstadt
Immer wieder wurde Wolfram Hoppe im Ort angesprochen: „Wann fahrt ihr endlich wieder?“, wollten meist Ältere aus Limburgerhof wissen. Weil die Nachfrage immer größer wurde, haben sich in der vergangenen Woche die Verantwortlichen zusammengesetzt und beraten, was in Sachen Bürgerbus möglich ist – unter den gegebenen Abstandsregelungen. „Klar war, dass die bisherige Linienfahrt nicht machbar ist“, sagt Hoppe. Die Lösung: Fahrten auf Abruf, Personendaten erfassen, nur ein anstatt zwei Fahrer im Bus, Transport von maximal zwei und Maskenpflicht für alle Insassen. „Die Zeiten bleiben die gewohnten: Montag und Donnerstag von 9 bis 12.20 Uhr. Nur muss eine Fahrt telefonisch unter 06236/670924 angemeldet werden.“ Die ersten Fahrten für kommenden Montag sind bereits „gebucht“, meint Hoppe, und weitere werden mit Sicherheit folgen.
Dann müssen er und sein Team die Route sinnvoll planen. „Das wird neben der Einhaltung der Auflagen eine neue Herausforderung.“ Der Abstand könne gut mit der Personenbeschränkung eingehalten werden, einzig das Ein- und Aussteigen könnte kritisch werden. „Da können wir nicht mehr so helfen wie bisher“, sagt Hoppe. Sollten die Buchungen weiter ansteigen, „können wir auf einen weiteren Bus der Gemeinde zurückgreifen“, sagt Hoppe und hofft, so wieder ein bisschen Normalität in den Bürgerbus-Betrieb einkehren zu lassen. Vor der Einstellung der Fahrten nutzen im Schnitt an einem Vormittag zwischen 15 und 25 Personen den Service.
Teammobil will in Schifferstadt am liebsten bald wieder starten
In Schifferstadt würde das Bürgerbus-Team am liebsten auch so schnell wie möglich wieder starten. Darum soll in den nächsten Tagen bei einer Sitzung ein Konzept erarbeitet werden, informiert Karl-Peter Kopping vom Teammobil. „Wir wollen uns dabei am Zehn-Punkte-Plan, der auf der Homepage der Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz empfohlen wird, halten.“ Dokumentation der Kontaktdaten, Maskenpflicht, Begrenzung der Fahrgastzahlen oder regelmäßiges Desinfizieren sind einige Punkte, die dabei beachtet werden sollten. Das Konzept soll dann der Stadtverwaltung vorgelegt werden. „Wir hoffen, dass die dann keine Bedenken hat und es bald wieder losgehen kann“, sagt Kopping.
Derzeit ist das Amt noch verhalten, was den Start angeht. „Wir sehen das kritisch“, sagt Peter Schlindwein, Fachbereichsleiter Bürgerdienste. Der Hauptgrund: Die 15 Fahrer, die zehn Begleiter und meist auch die Fahrgäste gehören zur Risikogruppe, bei der eine Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen könnte. Dennoch: „Wir sind mit dem Bürgerbus-Team im engen Gespräch und zusammen werden wir über einen eventuellen Start entscheiden “, sagt Schlindwein. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Ehrenamtlichen bereit sind, sich wieder ans Steuer zu setzen“, betont der Beigeordnete Patrick Poss (CDU), „zusammen mit ihnen können wir mobilitätseingeschränkten Bürgern die sichere Teilhabe am öffentlichen Leben hoffentlich sehr bald wieder ermöglichen.“
DRK hat Zusammenarbeit aufgekündigt
Ein wenig spielt die Pandemie der Verwaltung auch in die Karten. Denn das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat die Zusammenarbeit beendet und stellt den bisherigen Bus für die Fahrten nicht mehr zur Verfügung. „Die Zeit der Kooperation lief sehr gut“, sagt Poss. „Ich bedauere es, dass die Zusammenarbeit nicht mehr zustande kam.“ Und auch Christoph Werner, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Schifferstadt und Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, hätte gerne weitergemacht. „Es war ein charmantes Projekt.“ Doch der Ansatz der Teilhabe und somit die ursprüngliche Vereinbarung seien nicht wie geplant umgesetzt worden. „Teilhabe war dem Roten Kreuz sehr wichtig. Es ging nicht nur um die Beförderung von A nach B“, kritisiert er. Das Bürgerbus-Team hätte lediglich auf die speziellen Touren aufmerksam machen müssen. „Alles andere hätten wir übernommen. Doch es war wohl nicht gewünscht.“ Hinzu sei gekommen, dass das Führungsteam im vergangenen Jahr gewechselt habe. „Wir waren außen vor“, sagt Werner. „Das ist absurd.“ Daher sei der Entschluss gefasst worden, die Kooperation im April zu beenden.
Noch kein neuer Vertrag für Bus
Dank Corona bleibt der Verwaltung also etwas Zeit, sich nach einem neuen Gefährt umzusehen. Die Gespräche laufen, sagt Poss. Die Stadt stehe in Kontakt mit der Lebenshilfe, dem Elisabethenverein und der Seniorenresidenz St. Johannes. „Es gibt aber noch keinen Vertrag.“ Losgehen könne es trotzdem direkt – zur Not mit einem vorhandenen städtischen Bus. „Perspektivisch verfolgen wir die Idee, ein eigenes Fahrzeug für das Bürgerbus-Team anzuschaffen“, sagt Poss.
Der Bürgerbus soll dann wieder dienstags und donnerstags von 8 bis 17 Uhr sowie freitags von 8.15 bis 11 Uhr fahren. „Etwa 80 Prozent der Gäste lassen sich zum Arzt oder Therapeuten fahren“, sagt Kopping. Bis zu 50 Personen nutzen an den vollen Tagen den Service, der seit Mai 2018 in Schifferstadt angeboten wird. Über 5000 Personen sind laut Kopping in zwei Jahren schon befördert worden. Kunden schätzen vor allem den „Haustür-Service“: „Wenn es nötig war, holten wir die Fahrgäste auch an der Haustür ab und halfen beim Einsteigen“, sagt Kopping.
In Dannstadt-Schauernheim und Maxdorf wird noch nicht gefahren
In der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim ist der Wiedereinstieg in den Bürgerbus-Betrieb noch nicht geplant. Wie Sarah Liebchen von der Verbandsgemeindeverwaltung mitteilt, „bleibt der Betrieb vorerst eingestellt“. Als Grund nannte auch sie, dass ein Großteil der Fahrer und Fahrgäste der Corona-Risikogruppe angehörten. Bisher gebe es auch keine Anfragen von Bürgern, die nach dem Angebot verlangten.
Die gleichen Bedenken hat auch das Bürgerbus-Team der Verbandsgemeinde Maxdorf: „Die meisten unserer 15 Fahrer sind um die 70 Jahre alt, zudem ist Ein- und Aussteigen oft sehr körpernah, da viele Fahrgäste Hilfe dabei benötigen“, sagt Carola Kassel vom Seniorenbeirat, sie ist Mitinitiatorin des Bürgerbusses. „Doch alle unserer Fahrer sind bereit, Einkäufe zu erledigen“, sagt Kassel. Das Angebot werde aber kaum nachgefragt. Wer Interesse hat, kann die Nummer 06237/8711 anrufen.
Dauerhafter Betrieb in Böhl-Iggelheim
Doch in allen Gemeinden, in denen der Service noch ruht, sind die Ehrenamtlichen zuversichtlich, dass mit weiteren Lockerungen auch bald die Bürgerbusse wieder normal fahren. So wie in Böhl-Iggelheim: Hier wird die Bürgerbuslinie vom Busunternehmen Kamp Reisen aus Ludwigshafen übernommen. Der Betrieb ist mit den entsprechenden Vorgaben wie der Maskenpflicht regulär weitergelaufen, informiert Manfred Kamp. Auch sei die Nachfrage nach den Fahrten in den letzten Wochen stabil geblieben.