Rhein-Pfalz Kreis Land und Leute

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Wenn es um Rocker geht, wird die Staatsgewalt ungewohnt zärtlich. Wer als Beobachter beim derzeit laufenden Prozess gegen ein Gremium-Mitglied aus dem Rhein-Pfalz-Kreis in den Frankenthaler Gerichtssaal will, bekommt Streicheleinheiten: Beamte betasten so ziemlich jede Körperstelle. Bisweilen legen sie auch die Personalausweise auf den Fotokopierer. Landet jeder Zuschauer also auf einer langen Liste potenzieller Gremium-Unterstützer? Nein, versichert ein Polizeisprecher: Die Kopien werden vernichtet, sobald der Verhandlungstag ohne Gewaltausbrüche zu Ende gegangen ist. Doch die fleißigen Kontrolleure erfahren noch mehr als Namen. Aus Hosen-, Jacken- und Aktentaschen fischen sie alte Eintrittskarten. Tablettenpäckchen. Nahrungsmittel. So bekommen sie Einblick in Freizeitverhalten, Gesundheitszustand, Ernährungsgewohnheiten. Doch auch für solche Informationen scheint es einen Löschmechanismus zu geben. „Ah, Ihre Banane haben Sie gegessen“, bemerkt der Polizist, als der Journalist mit seiner Aktentasche nach der Pause wieder ins Gericht will. Dabei hatte das Pressemännlein doch nur Äpfel dabei. Hinterm Steuer eingenickt war der Mann, der in der Nacht von Sonntag auf Montag sein Auto auf eine Mutterstadter Kreiselinsel gelenkt hat. Jetzt ermittelt die Polizei gegen ihn. Vorwurf: Gefährdung des Straßenverkehrs. Dabei ist der 31-Jährige in Wirklichkeit Opfer höherer Gewalt geworden. Denn er kam aus Dannstadt-Schauernheim. Das ist jene Verbandsgemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis, in der so ermüdend gar nichts passiert. Zur Erinnerung: In ihrer Verzweiflung haben Menschen dort vor ein paar Jahren schon mal die Polizei alarmiert, weil kein Mann vom Himmel gefallen war. Und die Räte haben sich hingebungsvoll und monatelang um den Standort für einen Supermarkt gestritten, der gar nicht gebaut wird. Vielleicht könnten die Gremium-Jungs etwas mehr Leben in die Bude bringen. Der Aussteiger, der sie vor Gericht in die Pfanne haut, schwärmt bis heute von ihren adventlichen Besinnungstagen: Die vielen Stripperinnen bei den Glühweinpartys der Rocker haben ihn schwer beeindruckt. Wenn die Herren so etwas mal vielleicht in Dannstadt-Schauernheim organisieren könnten? Nur für die Verkehrssicherheit? Journalisten interessieren sich immer nur für schlechte Nachrichten, stöhnen Leser und Politiker gerne. Dabei ist das eigentlich eine gute Nachricht. Denn zur Schlagzeile wird, was ungewöhnlich ist. „In der Stadt XY ist gestern keine Bombe explodiert“ – wenn so berichtet wird, dann heißt das, dass der tägliche Anschlag dort der zu erwartende Normalfall geworden ist. Doch glücklicherweise muss die Zeitung in der Regel nicht schreiben, dass es gestern auf dieser oder jener Straße keinen Unfall gegeben hat. Oder dass in dieser oder jener Verwaltung alle Schecks aufs richtige Konto gebucht wurden. Oder dass sich Bürgermeister und Gemeinderat in dieser oder jener Gemeinde nicht fürchterlich gefetzt haben. Halt, Letzteres wäre natürlich sehr wohl denkbar. Falls es nicht um diese oder jene Gemeinde, sondern um Neuhofen ginge. Da wäre „Bürgermeister und Gemeinderat streiten sich nicht“ eine Nachricht, die ganz groß rauskäme. Aber da der Ort auch im Zuge der Gebietsreform nicht be-freyt wird, ist damit vorerst nicht zu rechnen.

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