Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel König Charles, Nelson Mandela, Angela Merkel: Promi-Koch bangt um berufliche Existenz

Hofft auf Gäste in seinem Landgasthof: Thomas Walter.
Hofft auf Gäste in seinem Landgasthof: Thomas Walter.

Der Koch, Patissier und Hoteldirektor Thomas Walter hat auf der ganzen Welt gearbeitet. Er kochte für den Sultan von Brunei und traf Persönlichkeiten wie König Charles und Nelson Mandela. Mit seinem Landgasthof in Berghausen steht er jetzt vor dem Aus.

Thomas Walter ist das, was mitunter eine außergewöhnliche Persönlichkeit genannt wird. Der 60-Jährige kann unterhaltsam erzählen, was ihm in den vergangenen 45 Jahren widerfahren ist. Seine Laufbahn begann er mit einer Bäcker- und Konditorlehre in Speyer, es folgten Stationen im Steigenberger-Hotel in Frankfurt und Bad Kreuznach sowie in Garmisch-Partenkirchen, wo Walter Chef-Patissier war.

Die große weite Welt eröffnete sich dem damals 22-Jährigen mit dem Angebot, als Chef-Patissier auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa zu arbeiten. In diesem Job lernte er die asiatische Großstadt Singapur kennen, in der Mitte der 1980er-Jahre viele Hotels gebaut wurden. Walter war von der aufstrebenden Metropole so fasziniert, dass der kleine Mann selbstbewusst in die Baubüros marschierte und den verantwortlichen Unternehmern, die damals aus der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Frankreich kamen, sagte, dass er hier arbeiten möchte.

Käsekuchen nachts um 1 Uhr

Er bekam Zusagen von fünf Hotels und heuerte schließlich in einem bereits fertiggestellten Luxushotel in Malaysia an. Es folgten Stationen in Taiwan, wo er eines Tages auf einen Vertrauten des Sultans von Brunei traf, der ihn als privaten Koch für die königliche Familie einstellte. Die Ankündigung vorab: Seinen Lohn bekomme er erst nach einem Jahr, wenn der Sultan mit seiner Arbeit zufrieden war. „Ich hatte bereits gut Geld angespart und dachte mir, diese Erfahrung nimmt mir keiner“, begründet Walter seiner Zusage.

Führt ein Luxus-Leben: der Sultan von Brunei, hier mit seiner Erstfrau Saleha (links) und seiner damaligen zweiten Frau Azrinaz
Führt ein Luxus-Leben: der Sultan von Brunei, hier mit seiner Erstfrau Saleha (links) und seiner damaligen zweiten Frau Azrinaz Mazhar.

Was folgte, war ein lehrreiches Jahr ohne einen Tag Urlaub. Der Römerberger reiste mit der Sultan-Familie unter anderem zur Krönung des japanischen Kaisers, wie er erzählt. Ansonsten stand er rund um die Uhr für die Wünsche des Herrschers und dessen Familie mit einer Erstfrau und einer zweiten Frau sowie mehreren Kindern zur Verfügung. Vor allem die Kinder sind Walter in Erinnerung – aber in negativer. Er berichtet, wie ihn nachts um 1 Uhr der Butler angerufen und den Wunsch eines Sohns des Sultans nach Käsekuchen geäußert habe. Frisch sollte er sein, den Kuchen im Kühlschrank habe er abgelehnt, „obwohl ich ihm erklärt habe, dass ich jetzt drei Stunden für einen neuen Kuchen brauchen und der Sultan-Sohn um 4 Uhr sicher wieder schlafen werde“, sagt Walter.

Die Kinder waren letztlich ein Grund, warum der Römerberger diese vermeintliche Traumwelt mit riesigen Palästen, Luxusautos und Privatflugzeugen nach einem Jahr mit viel Geld in der Tasche verließ. „Ich bin kein Kindertyp und irgendwann ließ ich mir deren Verhalten nicht mehr gefallen“, sagt Walter und berichtet, dass der Nachwuchs des Sultans frech gewesen sei, ihn angespuckt und getreten hätte. Außerdem erzählt der Römerberger von Lebensmittelverschwendung. Weil der Herrscher von Brunei in mehreren Palästen lebte, musste überall Essen bereitstehen. „Niemand wusste, wo er war. 90 Prozent der Lebensmittel wurden weggeschmissen. Das Personal durfte die Speisen nicht essen, sonst hätten sie als minderwertig gegolten“, sagt Walter.

Chef einer Kaffeeplantage umgeben von Vulkanen

Mit dieser außergewöhnlichen Erfahrung im Gepäck zog er weiter, arbeitete in Luxushotels in Bangkok – wo er seine Frau Nong, eine Stewardess, kennenlernte –, in Tokio, Hongkong, Malaysia, Myanmar, Vietnam und auf der indonesischen Insel Java. Dort war er Hotelmanager und Leiter einer Kaffeeplantage – inmitten von Reisterrassen und umgeben von vier Vulkanen. Thomas Walter wähnte sich im Paradies. Doch die Kaffeeplantage machte ein finanzielles Minus, die Mitarbeiter aus dem Dorf steckten die Bohnen in ihre eigenen Taschen, sagt der Römerberger.

Nach drei Jahren verließ Walter das Tropenparadies und ging zurück nach Deutschland, wo er zuvor zwischenzeitlich die Neumühle in Dudenhofen betrieben hatte. In seinem Heimatland bekam er ein Angebot auf der Insel Rügen. Für Walter entpuppte sich diese Berufsstation als Alptraum. „Es war auf der Kaffeeplantage einfacher als mit den 40 Rüganern“, sagt der ausgebildete Küchenmeister und spricht von Geiz und der „beschränkten Inselmentalität“.

Walter machte sich daraufhin erneut auf nach Asien, arbeitete auf Bali und kam danach wieder nach Deutschland. 2013 übernahm er noch mal den Landgasthof „Zum Engel“ in Berghausen, den er zwischenzeitlich schon mal – erfolglos – gepachtet hatte.

Mag Hummersalat: Charles III., der Oberhaupt des Vereinigten Königreichs ist.
Mag Hummersalat: Charles III., der Oberhaupt des Vereinigten Königreichs ist.

„16-Stunden-Tag, kein Gewinn“

Heute sitzt der 60-Jährige in seiner Gaststube und macht sich Gedanken, wie es weitergeht: „Wenn sich der Sommer nicht als fantastisch entpuppt, dann werde ich es nicht ins nächste Jahr schaffen“, sagt Walter. Er berichtet von vielen Faktoren, die ihm seine Arbeit erschwerten: gestiegene Energiekosten – „heute 8500 Euro, früher 5500 Euro“ –, kaum Personal – „ich bereite das Essen in der Küche zu, aber mir fehlen die Leute, die es an den Tisch bringen“ – sowie das veränderte Kundenverhalten – „früher tranken die Gäste fünf Weinschorlen, heute nur noch maximal zwei“. Hinzu kommen die gestiegenen Lebensmittelpreise und die Wieder-Einführung der 19-Prozent-Mehrwertsteuer, die auch Walter zwingen, zwölf Prozent mehr für seine Speisen zu verlangen.

Da er für den Landgasthof mit Gaststube, Biergarten, 16 Zimmern und vier Ferienwohnungen Miete zahlt, müsse er jeden Monat insgesamt 32.000 Euro erwirtschaften, um seine Kosten decken zu können. Im Dezember, Januar und Februar sei das aufgrund der schwachen Nachfrage saisonbedingt nicht möglich. „Ich arbeite 16 Stunden am Tag und habe am Ende nichts davon. Meine Frau und ich leben von dem, was wir in Asien verdient haben“, beschreibt Walter seine Situation.

Er hofft auf eine Trendwende und erinnert sich bis dahin, an die guten alten Zeiten: Als Prinz Charles, der mittlerweile König ist, im Morgenmantel vor ihm gestanden und seinen zubereiteten Hummersalat gegessen habe; als er bei einem Termin dem mittlerweile verstorbenen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela die Hand schütteln durfte und als plötzlich Angela Merkel im Biergarten des „Engels“ in Berghausen saß. Die ehemalige Kanzlerin wohnte im Juli 2017 den Trauerfeierlichkeiten von Helmut Kohl in Speyer bei und brauchte eine Pause an einem Ort, wo sie ungestört sein konnte.

Diesen Ort möchte Thomas Walter als Landgasthof erhalten: „Wir sind mit Herzblut dabei und würden hier gerne noch drei bis vier Jahre arbeiten“, sagt der 60-Jährige. Er hofft, dass sich dieser Wunsch zum Ende seiner Karriere erfüllt.

Überraschungsgast: Angela Merkel im Landgasthof „Zum Engel“ in Berghausen neben Thomas Walter und seiner Frau Nong.
Überraschungsgast: Angela Merkel im Landgasthof »Zum Engel« in Berghausen neben Thomas Walter und seiner Frau Nong.
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