Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Beschmiert, geklaut, zerstört: Plakate von Grünen und SPD im Visier

Verunstaltet: Plakat der Grünen-Spitzenkandidatin für die Europawahl Terry Reintke in Berghausen.
Verunstaltet: Plakat der Grünen-Spitzenkandidatin für die Europawahl Terry Reintke in Berghausen.

Dass der politische Gegner vor Wahlen auf Plakaten für sich wirbt, scheint für manche schon zu viel zu sein. Im Speyerer Umland sind in den vergangenen Tagen mehrere Wahlplakate beschmiert, geklaut oder zerstört worden. Besonders zwei Parteien sind von den Aktionen betroffen – und berichten teilweise sogar von persönlichen Anfeindungen.

Wer Römerberg von Mechtersheim bis zum Ortsausgang von Berghausen in Richtung Speyer durchquert hat, dem dürfte es nicht entgangen sein: Auf einem großen Wahlplakat der SPD nördlich der Straße In den Rauhweiden ist Bundeskanzler Olaf Scholz mit Hitler-Bart und -Scheitel zu sehen. Einige hundert Meter weiter zwischen Römerberg und Speyer ist ein großformatiges Grünen-Plakat so beschmiert worden, dass die Kandidatin nicht mehr zu erkennen ist.

Auch bei der Polizei in Speyer sind mittlerweile mehrere Fälle von Vandalismus gegen Wahlplakate bekannt: In Dudenhofen seien zwischen Freitagmittag und Samstagvormittag acht Plakate der Grünen entlang der Iggelheimer Straße gestohlen worden. Zwischen 26. und 29. April hätten Unbekannte in Mechtersheim in der Speyerer Straße mehrere Plakate der Grünen zerstört und teilweise auch mit Anti-Grüne- und Pro-AfD-Parolen beschmiert. Und zwei SPD-Plakate sind von 28. auf 29. April an der L537 in Harthausen entwendet worden.

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Zeugen gesucht

Der jüngste Vorfall ereignete sich am Montagabend: Kurz nach halb elf am Abend beobachteten Zeugen in der Eisenbahnstraße in Römerberg einen Mann, der ein Wahlplakat der Grünen abriss und anschließend mit einem silbernen Kombi zusammen mit drei weiteren Männern über die Berghäuser Straße in Richtung Mechtersheim flüchtete. Das Kennzeichen des Wagens soll mit RP-JW beginnen, der Tatverdächtige wird als zirka 185 Zentimeter groß beschrieben – mit kurzen blonden Haaren, Jeans und hellem Pullover. Die Polizei sucht Zeugen.

Es scheint also, dass vor allem Sozialdemokraten und Grüne aktuell Ziel der Wut von einigen Menschen sind. „Diese Vorfälle sehen wir auch im Kontext von verbalen Anfeindungen, die wir bereits während der Plakatierung erfahren haben“, teilen Christine Horix und Felix Goldinger von den Dudenhofener Grünen mit. Deutschlandweit gebe es eine zunehmende Enthemmung, die bis hin zur Anwendung körperlicher Gewalt gegen Politiker. Antidemokratisches Verhalten in allen Formen sei scharf zu verurteilen. Auch Römerbergs grüner Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann hat den Eindruck, dass Wahlplakate insbesondere seiner Partei, aber auch der SPD dieses Jahr besonders häufig beschädigt oder zerstört werden. „Das ist auch das Resultat aus dem Umgang miteinander innerhalb der Ampel-Koalition in Berlin“, glaubt Hoffmann. Die Römerberger Grünen hätten ein Team, dass die Plakate bei Bedarf wieder ersetze.

„Es gibt kein Maß und Ziel mehr in der Auseinandersetzung“, findet Sabine Marczinke, SPD-Gemeindeverbandsvorsitzende Römerberg-Dudenhofen. „Grüne und SPD sind für manche an allem Übel der Welt schuld.“ Der Hitler-Bart auf dem Gesicht des Bundeskanzlers ist für sie kein Dummejungenstreich, sondern durchaus politisch motiviert. Denn derartige Verunstaltung habe sie nicht nur auf beiden SPD-Großplakaten in Römerberg gesehen, sondern auch vor wenigen Tagen bei einem Aufenthalt in Hessen. Auch kleinere Plakate der Partei seien in Römerberg zerstört worden. Nach Möglichkeit sollen sie ersetzt werden. „Ein paar haben wir noch, aber nicht mehr viele“, berichtet Marczinke. Angezeigt habe die Partei die Vorfälle noch nicht. „Es wäre zwar ein Zeichen, aber es bedeutet auch Papierkrieg und es ist bisher noch nie etwas dabei herausgekommen“, sagt die SPD-Politikerin.

Große Hoffnungen, die Täter zu finden, kann auch die Speyerer Polizei nicht machen. Die Ermittlungsmöglichkeiten seien ohne Zeugen begrenzt. Dennoch empfiehlt sie, Vandalismus gegen Plakate zur Anzeige zu bringen. „Schon alleine, damit wir ein Lagebild bekommen, ob sich gegenüber früheren Wahlen etwas geändert hat“, sagt Polizei-Sprecher Aaron Bettag. Ob es diesmal wirklich mehr Vorfälle gibt, lasse sich anhand der Taten, von denen die Polizei bisher Kenntnis erlangt hat, noch nicht sagen.

Auch Mitbewerber empört

Weniger im Fokus der Täter scheint aktuell die CDU zu stehen. In Römerberg sind die Großplakate des Ortsverbands, die in Nachbarschaft der Grünen- und SPD-Plakate stehen, verschont worden. Trotzdem ist der örtliche CDU-Vorsitzende Wilfried Röther empört über die Anschläge auf die Plakate der Mitbewerber: „Ich habe das auch schon festgestellt und finde es ungeheuerlich und auch sehr undemokratisch, dass solche Dinge mittlerweile auch in den Dörfern vorkommen“, sagt er. Bei früheren Wahlen seien auch schon CDU-Plakate zerschnitten worden. Auch die FDP ist bislang in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen von Vandalismus gegen Plakate noch nicht betroffen. „Es ist bedauerlich, dass Wahlplakate beschädigt wurden, was den demokratischen Geist unserer Gemeinschaft stört“, findet Gemeindeverbandsvorsitzender Justus Rabe. „Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt und Sachbeschädigung.“

Eine andere Art von Vorfall, der den Betroffenen aber umso mehr zu denken gegeben hat, ereignete sich am vergangenen Wochenende an einem Grünen-Infostand vor einer Bäckerei in Harthausen. „Ein Mann hat uns beschimpft, wir würden Deutschland zerstören“, berichtet Hildegard Hock von den örtlichen Grünen. „Ein anderer hat uns im Vorbeifahren den Stinkefinger gezeigt.“ Auch wenn es meistens positive und sachliche Gespräche gebe: „Das war schon krass“, sagt sie.

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