Römerberg
Bürgermeister bei Neujahrsempfang: „Nur zusammen können wir etwas bewegen“
Kriege, Krisen, Naturkatastrophen – all das hat das vergangene Jahr bestimmt und auch in Römerberg eine große Rolle gespielt. Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) erinnerte beim Neujahrsempfang am Freitagabend in der Rhein-Pfalz-Halle an die Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien und rief in Erinnerung, dass unter den zirka 60.000 Toten auch neun Verwandte des Römerberger Döner-Ladenbesitzers Mamili Kandil waren.
Hoffmann flog mit dem Betroffenen und Spenden in Höhe von 20.000 Euro ins Krisengebiet: „Es war für mich eine wichtige Lebenserfahrung, auch zu sehen, wie die Menschen das unermessliche Leid ertragen und nicht klagen, sondern aufräumen und aufbauen“, sagte der Ortsbürgermeister.
Vier Monate später waren Hoffmann und die Römerberger selbst gefordert. Am 7. Mai bildete sich innerhalb von 15 Minuten ein Unwetter, bei dem sich in kürzester Zeit knapp 100 Liter Starkregen pro Quadratmeter über die Gemeinde ergossen. Nach 2021 floss erneut eine Schlammflut durch Mechtersheim, dort und in Heiligenstein wurden insgesamt mehr als 130 Keller überflutet, Hab und Gut wurden zerstört. Für Betroffene ohne ausreichenden Versicherungsschutz wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der laut dem Ortsbürgermeister fast 10.000 Euro zusammengekommen sind. Das Geld werde Ende Januar verteilt. „Auch in der eigenen Heimat, im eigenen Dorf können wir helfen und sollten das tun“, sagte Hoffmann.
Er erinnerte ebenso an die Gründung der Bürgerenergiegenossenschaft „bine“, die die Energiewende lokal vorantreiben soll, die Jugendehrung und die damit verbundenen „tollen Leistungen im Sport, im musikalisch-künstlerischen und sozialen Bereich“ sowie an die Demonstration zum Erhalt der Dorffeste. „Viele Ehrenamtler sind es leid und ziehen sich zurück. Es steht nun ein runder Tisch der Vereinsvertreter und der Politik an. Gemeinsam wollen wir Lösungen finden, damit die Freude am Feiern nicht verloren geht“, sagte Hoffmann.
Was dieses Jahr passieren soll
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung, zu der rund 250 Bürgerinnen und Bürger gekommen waren, stellte der Ortsbürgermeister vor, was 2024 an Arbeit vor dem Gemeinderat und der Verwaltung liegt. Er nannte nicht alle, aber einige Projekte, die in diesem Jahr „auf einen Anfang oder ein erfolgreiches Ende warten“: Da wären die Arbeiten für den Starkregenschutz in Mechtersheim sowie die Planung für Starkregenvorkehrungen in Heiligenstein, die Grundstücksvergabe im neuen Gewerbegebiet an der B9 in Berghausen, die Erweiterung der Park-and-Ride-Parkplätze in Heiligenstein, der erste Bauabschnitt der Pendlerradroute zwischen den Bahnhöfen Heiligenstein und Berghausen sowie der angedachte Spatenstich für die neuen Windräder bei Heiligenstein und die Flächen-Photovoltaikanlage bei Berghausen.
Außerdem erhofft sich der Ortsbürgermeister „Fortschritte bei Planung und Bau der neuen Kitas in Heiligenstein und Berghausen sowie bei einer Nahwärme-/Fernwärmeversorgung für Römerberg, eine für Römerberg positive Entscheidung bezüglich der Güterbahntrasse und die Sicherheit, alle Dorffeste veranstalten zu können“.
Außerdem rief er ins Gedächtnis, dass Römerberg dieses Jahr an Pfingsten das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Mainvilliers feiert. Hoffmann ist der festen Überzeugung, dass eine solche Partnerschaft noch zeitgemäß ist und führte als Beleg an, dass es in Europa 20.000 solcher Verbindungen gebe, etwa 2200 bestünden zwischen Deutschland und Frankreich.
„Sicher spielt eines der zentralen Gründungsmotive, die Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg, für junge Generationen kaum noch eine Rolle, aber heute bringen deutsch-französische Städtepartnerschaften Europa zu den Bürgern“, sagte Hoffmann und berichtete, dass im Rahmen der Partnerschaft eine deutsch-französische Jugendfreizeit sowie Treffen organisiert werden, die den Austausch förderten und Freundschaften entstünden ließen.
In diesem Zusammenhang erinnerte der Römerberger Ortschef auch an die Europa- und Kommunalwahlen in diesem Jahr – am 9. Juni. „Machen Sie von ihrem wichtigen Bürgerrecht Gebrauch: Gehen Sie wählen! In vielen Ländern träumen Menschen von diesem Recht und oft kämpfen sie dafür. Wir haben es und wir sollten es wertschätzen“, sagte er.
Viele Bürger engagieren sich für Gemeinschaft
Matthias Hoffmann ist optimistisch, „dass wir 2024 vieles zusammen schaffen werden“. Er appellierte an die Anwesenden, sich trotz der unruhigen Zeiten und der Sehnsucht nach Beständigkeit nicht beeinflussen zu lassen – von Menschen, die uns weismachen wollten, dass es uns so schlecht wie nie zuvor ginge. „Das soll einen Keil in die Gesellschaft treiben. Daher: Wir dürfen uns nicht spalten lassen. Nur zusammen können wir etwas bewegen“, sagte der Römerberger Ortsbürgermeister.
Er sprach an, wie viele Bürgerinnen und Bürger sich im karitativen, sportlichen und kulturellen Bereich in Kirchengemeinden, Vereinen, Verbänden, Schulen, Kitas, Institutionen und Initiativen oder einfach nur so ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagierten und Römerberg so lebens- und liebenswert gestalten. „Auch hier steckt wieder ,zusammen’ drin“, machte Hoffmann deutlich und betonte damit erneut das Wort, das ihm so wichtig ist und den Menschen von dem Abend im Gedächtnis bleiben soll.
Den Neujahrsempfang gestalteten der Musikverein Mechtersheim unter Leitung von Thomas Kuhn, die Sternsinger, der Kinderchor Magic Kids mit Leiterin Andrea Herrmann und der Zirkus Probst. Für Speisen und Getränke sorgten Betriebe aus Römerberg oder mit Bezug zur Gemeinde.
Die Geehrten
Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann und die Beigeordneten Franz Zirker und Heinz-Peter Schneider haben beim Neujahrsempfang „stille Helden“ ausgezeichnet, die das Dorfleben bereichern. Ingrid Gilbert, Adolf und Christa Fritsch, Käthe Maier sowie ihre Mitstreiter besuchen Menschen im Seniorenheim in Berghausen. Uschi Brunner ist „das Gesicht beim örtlichen Roten Kreuz“. Helma Gerbes hält seit mehr als 20 Jahren Senioren mit Gymnastik fit. Und das Bauhof-Team mit Mefail Ajdari, Benedict Glock, Tobias Hoffmann, Stefan Holch, Thorsten Kayser, Daniel Ptak, René Schall, Michael Stiefel, Harry Toews Reimer und Domenic Weiß kümmert sich unter anderem um den Aufbau für Feste und räumt Müll weg, der achtlos weggeworfen wurde.