Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsplatz Schwimmbad: Keine Langeweile am Beckenrand

Macht seine Arbeit mit Begeisterung: Pascal Forgerit im Aquabella.
Macht seine Arbeit mit Begeisterung: Pascal Forgerit im Aquabella.

Der Kreis tut sich schwer Personal für seine Bäder zu finden. Schwimmmeister Pascal Forgerit erklärt, warum er seinen Beruf gerne macht.

Senioren und einige Mütter mit Kleinkindern dominieren an jenem Mittwochvormittag, an dem der Reporter den Badebereich im Aquabella betritt, die Szenerie. Einige Schwimmer ziehen in Ruhe ihre Bahnen, eine Volkshochschul-Gruppe macht konzentriert Wassergymnastik und im Babybecken wird fröhlich vor sich hin geplanscht. Mehr als 50 Leute tummeln sich nicht im Mutterstadter Schwimmbad. Die Schulklassen aus verschiedenen Orten des Rhein-Pfalz-Kreises, von denen täglich mehrere zum Schwimmunterricht kommen, sind erst für später angemeldet. Für Pascal Forgerit und seine Kollegen vom Schwimmbad-Team bedeutet das einen relativ entspannten Vormittag.

Doch das ist freilich nicht immer so. Besonders im Sommer, wenn bis zu 1800 Badegäste täglich ins Aquabella kommen, kann es schon stressiger werden. Dann wird auch mehr Personal benötigt als die sieben festangestellten Aufsichten, die sich im Schichtbetrieb abwechseln, denn im Prinzip muss für jedes Becken eine Aufsicht da sein. „Im Sommer brauchen wir 70 bis 80 Stunden pro Woche zusätzlich an Aushilfskräften“, sagt der Schwimmmeister. Die zu finden sei etwas leichter geworden, seit nicht mehr eine komplette Rettungsschwimmerausbildung vorausgesetzt wird.

Römerberg im Sommer zu

Der zusätzliche Personalbedarf im Sommer in den kombinierten Hallen- und Freibädern ist auch der Grund, warum das Kreisbad Römerberg, das über keine Becken im Freien verfügt, zuletzt von Ende Juli bis Mitte September geschlossen hatte. Die Angestellten von dort helfen bei Bedarf in den anderen Kreisbädern in Mutterstadt, Schifferstadt oder Maxdorf/Lambsheim aus.

Zusätzliches Personal können die Kreisbäder eigentlich fast immer brauchen. Ende des Jahres werden laut Forgerit voraussichtlich zwei Stellen für Bäderbetriebs-Fachangestellte unbesetzt sein. Auch einen Azubi würde man gerne nächstes Jahr wieder einstellen, berichtet der 36-Jährige. Ein Haupt- oder Realschulabschluss sei Voraussetzung. Chemie, Biologie, Gesundheitslehre oder Sport seien schulische Bereiche, auf die es ankomme. Im Schwimmverein müsse man nicht gewesen sein, um den Berufsweg einzuschlagen.

Pascal Forgerit kommt aus einer regelrechten Schwimmmeister-Dynastie. Bereits sein Vater hatte den Beruf, der Bruder ergriff ihn ebenso. Forgerit versuchte es erst mit Anlagenmechanik, doch nach einigen Jahren bei der Bundeswehr zog es ihn ebenfalls an den Beckenrand. In Ketsch folgte die Ausbildung zum „Fachangestellten für Bäderbetriebe“ – so die korrekte Bezeichnung für den Berufszweig, der umgangssprachlich unter dem Begriff Schwimm- oder Bademeister bekannt ist. Nach zwei Jahren im Speyerer Bademaxx stellte sich Forgerit in die Dienste des Rhein-Pfalz-Kreises, für den er seit 2019 im Aquabella in Mutterstadt am Beckenrand steht. Mittlerweile hat Forgerit auch seine Meisterprüfung gemacht. „Ich bin sehr glücklich mit meiner Berufswahl“, sagt der 36-Jährige, der sich derzeit mit einem BWL-Studium weiterbildet.

Natürlich gebe es Aspekte, die manch einen abschrecken, wie die Schichtarbeit. „Und Home-Office ist bei uns leider nicht möglich“, sagt Forgerit. Aber dafür sei der Beruf abwechslungsreich. Zum Beweis führt er den Besucher von der Presse erst einmal hinter beziehungsweise unter die Kulissen, wo es vor allem um den technischen Teil geht, mit dem sich ein Schwimmmeister auskennen muss. Der Badebereich im Aquabella ist komplett unterkellert. In diese Katakomben, in denen es vor technischem Gerät sowie Leitungen und Rohren aller Art nur so wimmelt, müssen Forgerit und seine Kollegen regelmäßig hinabsteigen – nicht um das Schwimmerbecken von unten zu betrachten, was dort auch möglich ist, sondern um zu kontrollieren, dass Chlor- und pH-Werte stimmen, um Filter zu reinigen oder sich um die riesigen Pumpen zu kümmern. „Ein bisschen Handwerker ist man auch“, sagt Forgerit.

Die Wassertemperatur will ebenfalls richtig eingestellt sein. Sie liegt – nach zwischenzeitlicher Absenkung wegen der Energiekrise – derzeit wieder bei 28 Grad im Schwimmer sowie bei 32 Grad im Nichtschwimmer und im Außenbecken. Das Reinigen der Becken gehört ebenfalls zum Job. Diese müssen natürlich auch immer ausreichend gefüllt sein: Rund 50 Kubikmeter Frischwasser braucht das Aquabella jeden Tag. Rund zwei Stunden ist das Team jeden Morgen beschäftigt, bis die Badegäste hineingelassen werden.

Begehrte Schwimmkurse

Für Forgerit und seine Kollegen folgen dann Kurse verschiedener Art, die sie leiten. Während morgens zum Beispiel Babyschwimm- oder Wassergymnastik-Kurse stattfinden, lernen nachmittags und abends Kinder oder auch Erwachsene schwimmen. Dass es immer mehr Kinder gibt, die nicht richtig schwimmen können, wie Statistiken zeigen, kann Pascal Forgerit aus seiner Beobachtung bestätigen. Dabei seien auch begrenzte Kapazitäten für Schwimmkurse ein Problem. In Mutterstadt gibt es zweimal im Jahr einen Kartenverkauf für solche Kurse. „Wir schauen, dass wir jedem, der kommt, auch einen Platz anbieten können“, sagt der Schwimmmeister.

Das Problem Gewalt in Schwimmbädern, das im vergangenen Sommer immer wieder Thema in den Medien war, ist im Rhein-Pfalz-Kreis noch nicht in dem Maße wie in Großstädten angekommen. „Wir sind noch nicht so weit wie in Berlin oder Mannheim“, sagt Forgerit. Es gebe zwar auch mal Vorfälle, aber keine Gewaltexzesse. Dennoch schaue im Sommer Sicherheitspersonal nach dem Rechten. Aus dem Wasser retten musste der 36-Jährige übrigens noch nie einen Badegast. Einige seiner Kollegen haben diese Erfahrung hingegen schon gemacht, wie der Schwimmmeister berichtet: „Manche Leute springen vom Dreier, dann fällt ihnen ein, dass sie nicht schwimmen können.“

Im Netz

Infos zu den Kreisbädern, zu Stellenangeboten und Ausbildungsplätzen gibt es unter www.rhein-pfalz-kreis.de/freizeit-tourismus/baden/kreisbaeder/

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