Rodalben Wortwitz und Dollerei mit den Spitzklickern

Gruppenbild mit Dame: Viel Spaß hatten die Spitzklicker bei ihrem Auftritt (von links) :Franz Kain, Markus König, Daniel Möllema
Gruppenbild mit Dame: Viel Spaß hatten die Spitzklicker bei ihrem Auftritt (von links) :Franz Kain, Markus König, Daniel Möllemann und Iris Katzer.

Die Spitzklicker aus dem kurpfälzischen Weinheim gastierten am Samstag bei den Gräfensteiner Theatertagen mit

Die Mischung machts. Seit über vier Jahrzehnten hat Sozialkritik und respektloses politisches Kabarett seinen Platz im Programm der Spitzklicker aus dem kurpfälzischen Weinheim. Eingebettet in Gags, Slapstick und Dada-Wortspielereien und haarsträubendem Nonsens schreckten die vier „Woinemer“ in der Halle der Rodalber Mozartschule vor nichts zurück.

In ihrem Programm „Sage ma mol so“ richteten die vier Spitzklicker, dabei eine Spitzklickerin, ihren Blick auf ganz alltägliche Themen und Szenen und machten sich im Mix aus Dialekt und Hochdeutsch ihren satirischen Reim darauf. Wenn Daniel Möllemann seinem Mitkabarettisten Franz Kain auf der Zentral-Requisite der Bühne, der roten Couch, beibiegt, wie man dessen „Laugeschtang“ instagrammable zum Fotografieren aufpeppt, weil heute jeder und jede sofort Menüs und Essen im Internet präsentiert. Dann muss zur Laugenstange „wie bei Sheba“ noch ein Petersilienstängelchen dazu und etwas Balsamico-Creme. Aus dem Sack Reis, der in China umfällt, machten die Vier ein absurdes mediales Drama und entlarvten damit mit viel Witz und Dollerei, wie Fernsehen und soziale Medien aus der Mücke ihre Sensationselefanten ans Publikum bringen.

Songparodien mit neuen Texten

Highlights im Spitzklicker-Programm sind ohne Zweifel die Songparodien des Quartetts mit satirisch-komischen Texten. Da wird aus Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“ nun „Sind so dicke Finger“ – und so kleine Handys. In ihre Comedy-Unterhaltung bauen die Weinheimer auch gnadenloses politisches Kabarett ein. Vor allem auf Donald Trump schießen sie sich ein, mit Songs wie „Ein Depp der auffällt“ nach der Melodie von „Ein Bett im Kornfeld“, und Johnny Cashs „Ring of Fire“ wird zu King of Liar“.

Auch die deutsche Politik kriegt ihr Fett weg. Mit dem „Kommerz-Merz“, dem „Biwele“ Philipp Amthor, der sich freut, dass er bei „Mainz bleibt Mainz“ mal länger aufbleiben darf, oder Olaf Scholz, der Mann der langsamer schießt als sein Schatten! Auch die Hellblauen, „die, die tüchtig nach dem Rechten sehen!“, werden groß zum Thema, mit „Alice im Zunderland“ und dem Song vom „Fan vom Pöbelclan“.

Die Suche nach der Zusatzrente

Ihr Publikum schonten die Spitzklicker nicht: Es würde ihn schon interessieren, wie viele im Saal hier amüsiert geklatscht hätten – und trotzdem rechts wählten, sagte Kain. Ein Highlight war die große, akustisch zum Hörspiel aufgepeppte, Märchenerzählung über die Suche von Hans und Grete (Möllemann und Iris Katzer) nach der Zusatzrente, die sie vor der Altersarmut bewahren sollte – und die sie zur „Pfefferkuchen-Assekuranz“ des „Überrumpelstilzchen“ führte. Anders als im wahren Leben endet dieses Märchen gut für das potenzielle Rentnerpaar. Am Ende des Abends holten sich Kurpfälzer Spitzklicker beim Publikum ihren verdienten großen Applaus ab – und ohne Zugabe durften sie die Bühne nicht verlassen.

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