Pirmasens
Wie wurden Hugo Ball und Heinrich Bürkel von ihren Zeitgenossen gesehen?
Grundsätzlich waren die Berichte über die Kunst des 1802 in Pirmasens geborenen Kunstmalers Heinrich Bürkel sehr kurz gehalten, während über Ball große Artikel in Berliner Blättern erschienen. Wobei dazu gesagt werden muss, dass zu Zeiten Bürkels Zeitungspapier sehr teuer war und entsprechend alle Berichte meist kurz und einem Telegramm ähnelnd ausfielen, während zu Balls Lebzeiten die Zeitungen schon deutlich an Umfang gewonnen hatten.
Bürkel, der zu Lebzeiten sehr erfolgreich und wohlhabend mit seiner Kunst in München wurde, war reichsweit geschätzt und bekannt. Die Kunstkritiker waren aber nicht immer so zufrieden mit ihm. So berichtet beispielsweise 1835 ein Kritiker in den in Düsseldorf erscheinenden „Blätter für Scherz und Ernst“ über ein in Antwerpen ausgestelltes Bild eines Tiroler Wirtshauses von Bürkel: „Schön gezeichnet und komponiert, doch die Farbe zu grau“. Was Bürkel zu der Kurzkritik gesagt hat, ist besser nicht bekannt.
„Allgemein ansprechend“
Fünf Jahre später informiert die Karlsruher Zeitung über ein Vereinsgeschenk des Münchner Kunstvereins, das in dem Jahr Bürkel gestalten durfte. Kunstvereine wählen noch heute Arbeiten ihrer besten Mitglieder für sogenannte Jahresgaben aus. Ein Schiedsgericht hatte 1840 ein Bild von Bürkel gewählt, das per Steindruck vervielfältigt werden sollte. 1847 dann ist im Leipziger Tageblatt von einer Ausstellung in München zu lesen, dass eine Ansicht der römischen Campagna von Bürkel zu sehen sei. „Klarer Silberton und schöne Staffage“ urteilt der Kritiker in Leipzig, der das Gemälde „allgemein ansprechend“ einstufte. Eine Kritik, die heutige Künstler zur Weißglut treiben würde. Ein ähnliches Gemälde ist übrigens in Pirmasens in der Alten Post in der Bürkelgalerie zu sehen.
Ganz knappe Nachrufe waren 1869 auf Bürkel in der Karlsruher Zeitung, dem Bischofswerdaer Tageblatt und dem Dresdner Journal zu lesen. „Seine fleißigen, treuherzigen Schilderungen aus dem bayerischen und italienischen Volksleben sichern ihm einen Platz in der deutschen Kunstgeschichte“, fand der Autor im Dresdner Journal. Dort erschien dann auch bereits im Dezember die Annonce eines Wiener Auktionshauses, das den Nachlass von Bürkel versteigern wollte.
Euphorische Rezensionen für Hugo Ball
Im Vergleich zu Bürkel waren die Rezensenten der Ball’schen Werke geradezu euphorisch und das bereits mit dem jungen Hugo Ball. Der 1886 in der Zweibrücker Straße geborene Ball erntete 1911 in der Karlsruher Zeitung eine richtige Lobeshymne. „Wer den ungeheuren Abstand unserer heutigen Literatur von der der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Händen greifen will, der lese drei Dramen junger deutscher Dichter“, stand da mit Verweis auf Balls Frühwerk „Die Nase des Michelangelo“. „Eine Art neuer Klassizismus“ sei das Stück, das „Geschmack und sprachliche Eleganz“ aufweise und der „Siegesbeweis eines neuen dichterischen Idealismus“ darstelle.
Im Berliner Tageblatt war von Ball später öfter zu lesen. So wurde dort 1913 vermeldet, das der Pirmasenser in München die Leitung eines Bühnenvertriebs übernommen habe oder das Stück von Franz Blei „Die Welle“ unter der Regie von Ball eine Aufführung ergeben habe, die „allen Lobes wert“ sei. Vorträge von Ball wurden ebenfalls angekündigt, wie beispielsweise 1915 zum Thema „Russlands revolutionäre Idee“. Und natürlich die Gründung des Cabaret Voltaire mit der gleichnamigen Zeitschrift und Ball als Herausgeber. Der Schreiber lobt explizit die „Traditionslosigkeit und Unfertigkeit“ des Blattes aus der Ball’schen Feder „Wer Werke lesen will, die bei reputierlichen Kunsthändlern noch keine Geltung haben, der sei auf dieses Heft hingewiesen“ – damit unterstrich die Berliner Zeitung den Avantgardestatus des von Ball initierten Dadaismus schon 1916.
Begeisterung über Hesse-Biografie
In der Berliner Börsenzeitung hatte Ball ebensolche Verehrer. 1918 wird sein Roman „Flametti“ dort als neuere, moderne Form des Romans gelobt. Sätze von origineller Prägung und frischem Ausdruck fänden sich darin und Ball sei ein mit natürlichem Humore begnadeter Beobachter.
Die Begeisterung fand fast kein Halten mit Erscheinen der Biografie über Hermann Hesse aus der Feder von Ball. Fast alle großen deutschen Blätter brachten Besprechungen. Im Berliner Tageblatt jubelte der Autor fast über eine halbe Seite über das Buch. Die Berliner Börsenzeitung meinte: „Selten hat ein Biograf das ihm zur Verfügung stehende Material so geschickt, ja so genial zu benutzen verstanden wie Hugo Ball“.
Drei Jahre später mussten die selben Blätter den Tod Balls verkünden. Im Berliner Tageblatt erschien mehr als eine halbe Seite mit einem Text von Richard Huelsenbeck, der Ball auf eine Stufe mit Pablo Picasso stellt. „Es gibt für mich in der Geschichte des Geistes nur einen einzigen Menschen mit dem ich Hugo Ball und sein Werk vergleichen könnte: Picasso.“
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