Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Wie gut ist Pirmasens auf einen Blackout vorbereitet?

Für den Ernstfall sollen sich Bürger einen Vorrat zulegen, unter anderem an Kerzen, Decken und Lebensmitteln.
Für den Ernstfall sollen sich Bürger einen Vorrat zulegen, unter anderem an Kerzen, Decken und Lebensmitteln.

Wegen eines Sabotageakts mussten Tausende Menschen in Berlin tagelang ohne Strom und Heizung ausharren. In Pirmasens gibt es bereits Vorkehrungen für den Fall eines Blackouts.

Welche Aufgaben übernimmt die Stadt im Ernstfall?
Sollte ein flächendeckender Stromausfall – oder ein anderer Katastrophenfall – Pirmasens treffen, liege die Verantwortung bei der Stadt. Genauer gesagt bei Oberbürgermeister Markus Zwick. „Unsere Kernaufgabe ist es, das Überleben der Bürger sicherzustellen“, sagt Simon Tigges, Leiter des Pirmasenser Amts für Brand- und Katastrophenschutz. Konkret bedeutet das, dass die Stadt Vorbereitungen trifft, um einen Blackout zu überstehen. Das heißt aber nicht, dass allen Einwohnern in gleichem Maß geholfen werden kann. „Wir sind zuständig für diejenigen, die sich nicht selbst helfen können“, ergänzt der Beigeordnete Denis Clauer.

Welche Vorkehrungen hat die Stadt bereits getroffen?
Nachdem das Thema Katastrophenschutz mit dem Ende des Kalten Krieges an Wichtigkeit verloren habe, habe sich etwa durch die Corona-Pandemie, die Energiekrise und Russlands Angriff auf die Ukraine der Blick darauf wieder geändert, schildert Clauer. „Das ist ein stetiger Prozess. Wir geben sehr viel Geld dafür aus und wenden Ressourcen auf. Das ist auch notwendig“, so der Beigeordnete weiter.

Denis Clauer
Denis Clauer

Im Falle eines Blackouts würden beispielsweise die Hauptfeuerwache in der Gasstraße und die beiden Außenstellen der Feuerwehr in Gersbach und in Richtung Ruhbank sowie die Sanitätswache im Schachen und die THW-Unterkunft auf der Husterhöhe als Anlaufstellen – sogenannten Leuchttürme – dienen. Auch eine gewisse Anzahl an Notstromaggregaten hat die Stadt laut Clauer in der Hinterhand. Gleichzeitig betont der Beigeordnete: „Wir planen im besten Fall für die Katz.“

Wie kann im Notfall kommuniziert werden?
„Wir setzen auf einen Warnmittel-Mix“, erklärt Simon Tigges. Die alten Sirenen auf den Pirmasenser Dächern haben ausgedient. Stattdessen nutze die Stadt mobile Sirenen und Apps. „Katwarn wird aktuell von etwa zehn Prozent der Bevölkerung genutzt“, weiß er und ergänzt: „Ich appelliere an die Bürger, sich per App oder SMS zu registrieren.“

Simon Tigges
Simon Tigges

Um auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn das Mobilfunknetz zusammenbricht, hat die Stadt in Handfunkgeräte und Satellitenkommunikation investiert. „So können die Leitstellen untereinander in Kontakt bleiben“, sagt Tigges.

Welche Aufgaben haben Bürger beim Katastrophenschutz?
Auch die Pirmasenserinnnen und Pirmasenser müssen ihren Teil zum Katastrophenschutz beitragen, betonen Clauer und Tigges. „Wir können nicht für 40.000 Menschen ein Komplettpaket schnüren. Jeder muss erst einmal selbst tätig werden“, verdeutlicht Tigges. Laut Clauer ist die Stadt verpflichtet, für ein Prozent der Bevölkerung, also etwa 400 Personen, eine Notversorgung sicherzustellen. Diese richte sich an stark hilfsbedürftige Bürger, etwa Senioren mit hohem Pflegegrad. „Wer sich selbst versorgen kann, sollte etwa drei Tage eigenständig überbrücken können“, so Simon Tigges. Clauer ergänzt: „Deshalb empfehlen wir, sich für mehrere Tage Vorräte anzuschaffen. Aber niemand wird sich über Wochen und Monate in Höhlen zurückziehen und selbst auf die Jagd gehen müssen.“

Welche Vorräte sollten sich Bürger zulegen?
Zur Grundausstattung für den Ernstfall gehören unter anderem Lebensmittel, die im Idealfall lange haltbar und leicht zuzubereiten sind, Getränke, Kerzen und Decken, zählt Simon Tigges auf. Zusätzlich sollte man etwa geladene Akkus/Powerbanks, Bargeld, Taschenmesser und Taschenlampen sowie Medikamente und Erste-Hilfe-Material zu Hause haben. „Entsprechende Checklisten, mit allem, was man brauchen kann, gibt es von der Stadt, vom Land und vom Bund“, ergänzt Tigges.

Wie können Bürger im Notfall mithelfen?
Da Katastrophenschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, wirbt Simon Tigges um ehrenamtliche Helfer, die sich – bevor es zu einer Notlage kommt – ausbilden und schulen lassen. „Wir brauchen qualifiziertes Personal“, stellt er klar. Schon während der Corona-Pandemie sei deutlich geworden, dass es in Pirmasens einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt gebe, sagt Tigges und ergänzt: „Die Menschen werden grundsätzlich hilfsbereiter, aber gleichzeitig wird es seltener, dass sie sich für etwas verpflichten. Wir wollen und müssen in den nächsten Monaten und Jahren mehr Leute für den Katastrophenschutz mobilisieren.“ Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich auf der Feuerwache in der Gasstraße melden (Telefon: 06331 241500; E-Mail: feuerwehr@pirmasens.de).

Kann Pirmasens von dem Blackout in Berlin lernen?
„Wir haben die Lage in Berlin natürlich beobachtet und überprüfen anhand der dortigen Erkenntnisse unsere eigenen Konzepte“, schildert Tigges.

Wird die Stadt weiter in den Katastrophenschutz investieren?
Kurz: ja. Die Stadt plant, ihre Konzepte weiterzuentwickeln und weitere Anschaffungen zu tätigen. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“, steht für Denis Clauer außer Frage. Ein Vorteil: „Die Konzepte sind seit dem Kalten Krieg da, sie wurden nur nicht gepflegt. Wir müssen nichts Neues erfinden.“

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