Pirmasens
Wie Arbeitslose mit Töpfen und Pfannen wieder einen Job finden sollen
Früher hießen diese Arbeiten Ein-Euro-Jobs. Jetzt sind sie mit 1,50 Euro höher dotiert und werden den sieben Frauen vom Jobcenter für die Arbeit zusätzlich zum Hartz-IV-Regelsatz gezahlt. 20 Stunden pro Woche arbeiten die Damen, schließlich sollen sie auch Zeit für Bewerbungen haben und behutsam in den Arbeitsmarkt integriert werden. Das Projekt ist eine Kooperation von Jobcenter und Internationalem Bund.
162 Pirmasenser sind aktuell in dieser Art 1,5-Euro-Job untergekommen, berichtet Peter Schwarz, Leiter des Pirmasenser Jobcenters. Der Bedarf wäre aber, so Schwarz, viel größer, immerhin gebe es 4800 Pirmasenser (inklusive der Kinder), die vom Jobcenter Geld bekommen. Die Jobaussichten für die sieben Pirmasenserinnen dürften anschließend hervorragend sein, glaubt Schwarz. Immerhin würden in der Gastronomie händeringend Mitarbeiter gesucht, und gerade in der Küche brauche es helfende Hände. Er findet es gut, das endlich ein Projekt für Frauen geschaffen wurde, da ansonsten das gewerbliche Angebot überwiege, beim Grünschnitt über die Kirchbergwerkstatt oder beim Forst über den IB.
Pro Tag kochen sie 30 Essen
Pro Tag bereiten die Frauen in der Küche des IB in der Delaware Avenue 30 Essen zu, die beim IB selbst, beim Kinderschutzbund und in den Pirmasenser Quartierstreffs P11, Horebtreff und Mittendrin an bedürftige Personen kostenlos abgegeben werden. Von der Husterhöhe aus werden die Essen in die Quartiere gefahren, beim IB selbst müssen sich die Gäste eine Nummer holen, damit sie ein Essen bekommen.
Überall gilt der Speiseplan des Hauswirtschaftsprojekts: Heute zum Beispiel gibt es Flammkuchentoast mit Dessert, am Donnerstag standen Püree, Sauerkraut und Leberknödel sowie Fantakuchen mit Schmand auf der Karte. Doch auch Vegetarier und Menschen, die aus religiösen Gründen kein Schwein auf dem Teller haben dürfen, würden berücksichtigt, ergänzt Anne-Kathrin Müller, die gemeinsam mit Stefan Lelle die Leitung des Bildungszentrums innehat.
Der Quartiersgedanke soll vertieft werden
Eine sinnstiftende Arbeit sei es, betont Schwarz. Nicht nur, dass sich die Frauen über diese Maßnahme qualifizieren können, sie lernen auch, sich in eine Tagesstruktur einzufügen. Außerdem werde durch das Hauswirtschaftsprojekt der Quartiersgedanke vertieft, betont Schwarz.
„Die Frauen erleben hier ihre Stärken“, ergänzt Müller. So kämen sie in den „Flow“, beschreibt es Schwarz. Die jährlichen Kosten des Projekts belaufen sich auf einen hohen fünfstelligen Bereich, sagt Schwarz, der genaue Zahlen noch nicht kennt, da das Projekt erst im September gestartet ist. Eigentlich sollte es schon im März 2020 losgehen, doch dann kam die Pandemie dazwischen, erklärt der Geschäftsführer des Jobcenters. Berücksichtigt seien Personalkosten, Miete, pädagogische Kräfte, die den Teilnehmerinnen zur Seite stehen, sowie Umbaukosten, denn da, wo sich jetzt die Essensausgabe und Mensa des IB befindet, war früher eine Elektronikwerkstatt. Auch Transportboxen wurden angeschafft, damit die Mahlzeiten warm am Zielort ankommen, ergänzt Stefan Lelle.
Der Gesundheitspass ist eine Voraussetzung
„Die größte Herausforderung sind die verschiedenen Charaktere und Hintergründe seelischer, psychischer und sozialer Art“, beschreibt Hauswirtschaftsmeisterin Eleonore Böckel ihre Aufgabe. Das sei nicht immer leicht, das Kochen im Vergleich laufe einfacher. Petra Pfaff-Röcher zum Beispiel war früher Arbeiterin in einer Schuhfabrik. Nun lernt die 59-Jährige kochen. „Es ist gut, dass ich lerne, für viele Personen zu kochen, nicht nur für zwei oder drei.“ Auch das Dekorieren der Teller gefalle ihr gut. Für die Vietnamesin Thi-Hong Pham hingegen war es eine wichtige Erfahrung, eigene Rezepte in der Küche miteinzubringen. Von ihr stammen die gebratenen Nudeln auf dem Speiseplan, die mit viel Gemüse zubereitet werden. Dass ihr Gericht bei den anderen ankommt, hat sie fester in die Gemeinschaft integriert.
Alle mussten aber erst einmal Formalien erfüllen: die HACCP-Grundsätze verinnerlichen, eine Art Bibel für die Hauswirtschaft über Lagerung und Kühlung von Lebensmitteln, sowie an den Belehrungen des Gesundheitsamts teilnehmen, um den Gesundheitspass zu bekommen – eine Voraussetzung für die Karriere in der Küche.